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Gesundheit

03.04.2014

Glück und Urin: Testen Sie ihre Werte mit dem Smartphone

Mit verschiedenen Anwendungen soll der Nutzer sein persönliches Wohlbefinden messen können.
Bild: Bernd Weißbrod, dpa

Sind Sie gestresst oder gut gelaunt? Testen Sie es mit dem Smartphone. Die Selbstüberwachung nimmt kuriose Züge an. Aber Mediziner sehen durchaus Potenzial in den Apps.

Fitness-Apps sind bei den Smartphone-Nutzern schon längst beliebt. Doch jetzt folgt der Trend zur Selbstoptimierung! Bald könnte man morgens neben Zähne putzen und Gesicht waschen seine Laune zu messen. Haben Sie schon mal Ihr persönliches Befinden gemessen oder Ihren Urin analysiert?

Der Trend zur Selbstüberwachung wird immer größer

"Wenn man die Chance hat, etwas zu messen, kann man es scheinbar managen", sagt Trendforscher Peter Wippermann, Autor des Buches "Das Zeitalter der Selbstoptimierer". Er vermutet, dass in den nächsten Jahren das sogenannte Self Tracking (Selbstüberwachung) ein neues Ausmaß erreichen wird.

Anwendungen, die angeblich das Leben und die Gesundheit verbessern, gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Der "Stress Manager" soll helfen, den eigenen Stresspegel unter Kontrolle zu halten. Für ganz Hartgesottene gibt "Uchek". Schießt man ein Foto des eigenen Urins, können angeblich Krankheiten vorausgesagt werden. Internetseiten wie "Trackyourhappiness" oder "Moodscope", bieten Nutzern die Möglichkeit, ihre Stimmung zu messen und "Drinking Diary" überwacht den eigenen Alkoholkonsum.

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Der Effekt der Apps ist wissenschaftlich noch kaum untersucht

Aber ist das wirklich sinnvoll? "Es ist erst einmal zu begrüßen, wenn Menschen sich mit ihrer Gesundheit beschäftigen", sagt Johannes Schenkel, der bei der Bundesärztekammer für Telemedizin arbeitet. "Allerdings macht es die große Flut an Apps schwierig herauszufinden, welche wirklich nutzbringend sind." Außerdem sei der Effekt dieser Apps wissenschaftlich noch kaum untersucht.

"Es gibt Apps, mit denen man Fotos von Hautveränderungen machen kann. Wir wissen nicht genau, nach welchen Kriterien die Aufnahmen bewertet werden", sagt der Mediziner. "Am Ende ist es möglicherweise doch der Hautkrebs und es ist wertvolle Zeit vergangen, bis der Patient zum Arzt gegangen ist."

Werden die Daten an Fachleute weitergeleitet, sind die Anwendungen durchaus sinnvoll

Doch der Wahn zur Selbstoptimierung scheint auch Vorteile zu haben. Das ist nämlich der Fall, wenn die Daten direkt an Fachleute weitergeleitet werden. Beispielsweise die Central Krankenversicherung in Köln stattet alle Diabetes-Patienten mit einem iPhone, einem Schrittzähler und einem Blutzuckermessgerät aus, um so die Krankheit besser überwachen zu können.

Schenkel von der Bundesärztekammer sieht darin eine positive Entwicklung."Wenn ein Diabetes-Patient einen besseren Überblick über seine Werte hat und diese einfach seinem Arzt zur Verfügung stellen kann, könnte sich der Krankheitsverlauf verbessern". Vorausgesetzt, der Patient will überhaupt, dass seine persönlichen Daten übertragen und überwacht werden.

Die ständige Kontrolle kann sehr schnell nervig werden

Trendforscher Wippermann glaubt, dass die einzelnen Trends der Selbstüberwachung bald zusammengeführt werden. "Die Zukunft gehört den ganzheitlichen Messinstrumenten, die die körperliche, geistige und seelische Gesundheit scannen."

Die App "Reporter" fragt beispielsweise schon mehrere Aspekte ab. So ergeben Wetter, Anzahl der Schritte und Umgebung, ob ihr Tag eher positiv oder negativ beeinflusst ist. Diese Anwendung können aber auch sehr nervig sein, so beschwert sich ein Nutzer im Internet: "Sie fragt mich jeden Tag dieselben fünf Fragen - und manchmal auch in der Nacht. Das ist langweilig." dpa

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