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Früherkennung bei Krebs

31.01.2017

Liquid Biopsy: Krebs durch Blutprobe früher erkennen?

Eine Blutprobe liefert viele Daten eines Patienten - zum Beispiel die DNA. In Zukunft soll sie auch helfen, Krebs vorherzusagen. Die Methode ist umstritten.
Bild: Symbolbild: Maurizio Gambarini (dpa)

Krebs soll künftig über eine Blutprobe erkennbar sein. Ein Unternehmen will die "Liquid Biopsy" 2019 auf den Markt bringen.

Das kalifornische Unternehmen "Grail" will künftig die Früherkennung von Krebs mittels Bluttest ermöglichen. Eine Blutprobe eines gesunden Menschen soll dabei ausreichen, um vorherzusagen, ob die Gefahr einer Krebserkennung besteht. "Grail" rechnet damit, dass seine "Liquid Biopsy" schon 2019 auf den Markt kommen wird. Laut Regionalfernsehsender RTF1 gehören Amazon-Chef Jeff Bezos und Bill Gates zu den Kapitalgebern des Projekts zur Krebs-Früherkennung.

Die "Liquid Biopsy", die die Früherkennung von Krebs ermöglichen soll, funktioniert folgendermaßen: Eine Blutprobe wird auf das Erbmaterial von Zellen untersucht. Da jeder Tumor bestimmte Erbgutveränderungen beinhaltet und Erbmaterial aus oder gar ganze Krebszellen ins Blut gelangen, kann mittels DNA-Analyse festgestellt werden, ob sich die spezifische DNA, die Krebs anzeigt, im Blut befindet. So könnten Tumore frühzeitig entdeckt werden.

Krebs durch Blutprobe erkennen: Kritik von Experten

Experten sehen das Unterfangen eher kritisch. Peter Lichter, Leiter der Abteilung Molekulare Genetik im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), betont, dass es bislang keine Daten dazu gibt, die belegen, dass Tumor-DNA zuverlässig und frühzeitig im Blut nachgewiesen werden kann.

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Die Leiterin des Krebsinformationsdiensts des DKFZ, Susanne Weg-Remers, gibt zu bedenken, dass ein Gelingen der "Liquid Biopsy" noch nicht garantiert, dass die Lebensqualität Betroffener dadurch verbessert oder ihre Überlebenszeit verlängert werde.

Durch Blutprobe wirklich Krebs früher erkennen?

Ein anderer Kritikpunkt ist die Art der Anwendung. Holger Sültmann, Leiter der Arbeitsgruppe Krebsgenomforschung im DKFZ, glaubt nicht, dass Bluttests auf Tumor-DNA für die Früherkennung eingesetzt werden wird. Stattdessen sieht er die Zukunft dieser Technik in der Beobachtung des Therapieverlaufs bei diagnostizierten Krebserkrankungen.

Die Effektivität eines Medikaments könnte so überprüft und dadurch flexibel auf Veränderungen der Krebszellen reagiert werden. Er hofft, durch Blutproben das wirksamste Medikament für die individuelle Erkrankung an Krebs finden zu können. sh

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