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„Polarstern“
14.11.2020

Expeditionsleiter sieht wenig Zeit, Klimawandel einzudämmen

Markus Rex ist Leiter des Forschungsteams auf dem Forschungsschiff «Polarstern».
Foto: Mohssen Assanimoghaddam, dpa

Exklusiv „Noch zehn Jahre, um Steuer herumzureißen“: Der Leiter des Arktis-Forschungsschiffs "Polarstern" warnt vor verheerenden Folgen für Küsten auf der ganzen Welt.

Der Leiter der Arktis-Expedition des Forschungsschiffs  „Polarstern“ sieht nur noch eine kurze verbleibende Zeit für die Menschheit, um die Folgen des Klimawandels einzudämmen. Es bleibe noch ein kurzes Zeitfenster von etwa einem Jahrzehnt, um das Steuer herumzureißen, sagte Arktisforscher Markus Rex dieser Zeitung (Samstagausgabe). „Stoppen können wir den Klimawandel von heute auf morgen natürlich nicht“, betonte er. „Aber wir können und müssen ihn dringend abmildern“, sagte Rex. „Jedes Zehntelgrad globale Erwärmung über 1,5 Grad heraus bringt uns in ein Minenfeld von irreversiblen Prozessen im Klimasystem“, warnte der Professor.

Fünf bis sieben Meter Anstieg des Meeresspiegels

„Wenn allein das grönländische Eisschild zusammenbräche, würde das weltweit  zu fünf bis sieben Meter Anstieg des Meeresspiegels führen“, sagte Rex. Diese Prozesse würden zwar nicht in wenigen Jahren stattfinden. „Aber sie bedrohen alle Küstenlinien der Erde“, sagte Rex. „Außerdem würden sich Klimazonen so verschieben, dass in Bereichen, wo heute Landwirtschaft betrieben wird, kein Anbau mehr möglich sein wird“, warnte er. Dies wiederum würde zu Wanderungsbewegungen und dem weltweiten Explodieren von Konflikten führen, die man noch gar nicht absehen könne.

Der Expeditionsleiter ist mit dem Ergebnis der über einjährigen Forschungsreise ins ewige Eis zufrieden. „Wir kommen mit einem Schatz an Daten und Proben aus der Arktis zurück, wie es sie noch nie gegeben hat.“ Die Erkenntnisse würden die Wissenschaft dauerhaft verändern. „Das sind 150 Terrabyte an Daten und tausende von Proben von Atmosphärenbestandenteilen, Schnee- und Eis, Ozeanwasser und von Kleinstlebewesen“, sagte Rex.

Eis ist nur noch etwa halb so dick wie vor 40 Jahren

Die Expedition hinterließ auch bei dem Wissenschaftler bleibende Eindrücke: „Im Winter war die Temperatur fast durchgehend um zehn Grad wärmer als die, die der berühmte Arktisforscher Fridtjof Nansen auf seiner Expedition vor knapp 130 Jahren gemessen hat“, sagt er. „Das Eis ist nur noch etwa halb so dick wie vor 40 Jahren. Das zeigt schon, wie dramatisch der Wandel in der Arktis ist.“

Mit Noch-US-Präsident Donald Trump würde sich der Forscher übrigens nicht auseinandersetzen: „Ich glaube, ich würde bevorzugen, meine Zeit mit produktiveren Dingen zu verbringen als mit Donald Trump über Klimawandel zu sprechen.“ (AZ)

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