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Psychologische Belastung
26.06.2014

Wie gehen unheilbar Kranke mit ihrer Diagnose um?

Martina Kopera aus Berlin hat Lymphangioleiomyomatose (LAM): Die Sauerstoffaufnahme in der Lunge ist blockiert.
Foto: Franziska Koark,dpa

Tausende Menschen bekommen jährlich die Diagnose, dass sie schwer oder unheilbar krank seien. Doch wie gehen Menschen mit dem Wissen um, dass ihr Leben in Gefahr ist?

Viele Menschen haben den Arzt wegen kleiner Beschwerden aufgesucht, erfahren dann aber von einer unheilbaren Erkrankung. Das kann Betroffenen den Boden unter den Füßen wegziehen. Im ersten Moment schockiert zu werden, ist völlig normal.

Pia Heußner, Krebsärztin und Psychotherapeutin am Klinikum Großhadern der Universität München, erklärt: Ein Schock, das ist zunächst eine normale Reaktion, wenn Menschen von ihrer Diagnose "sehr schwer oder unheilbar krank" erfahren. Tausende sind Betroffen - oft fallen sie psychisch erst einmal in ein Loch. Dann müsse jeder Patient seinen eigenen Weg finden, um mit der neuen Situation zurecht zu kommen. Dann muss geklärt werden, was wichtig ist. Dazu gehört auch die Wahl des richtigen Arztes.

Martina Kopera ist unheilbar krank - und kämpft um ihr Leben

Martina Kopera ist eine Betroffene. Die Berlinerin kam 2010 auf eine Intensivstation, nachdem sie schon länger Atembeschwerden hatte. Dort bekam sie die Diagnose, dass sie an LAM leide, einer lebensbedrohlichen und seltenen Krankheit, bei der die Lunge keinen Sauerstoff aufnehmen kann. Für Kopera war klar: Entweder kämpfen oder sterben.

Die heute 46-Jährige ist an Sauerstoff-Tonnen angeschlossen, doch sie ist sich sicher, dass sie kämpfen will. "Ich will leben", betont Martina Kopera. Sie wartet auf eine neue Lunge, die ihr Leben verlängern kann. Doch anfangs hatte sie Depressionen, Panikattacken. Im zweiten Jahr nach der Diagnose ging es ihr besser, dann folgte ein Rückschlag mit regelmäßigen Todesängsten. Ihre Familie, vor allem ihre Kinder, gaben ihr Kraft zum Weiterkämpfen.

Psychische Betreuung Betroffener ist wichtig

Auch Pia Heußler betont, wie wichtig ein stabiles soziales Netzwerk mit Angehörigen und Freunden ist, wenn Menschen unheilbar krank sind. Es geht dabei um die psychische Betreuung. Auch Beratungsstellen und Selbsthilfeorganisationen können Unterstützung bieten. Dort ist ein Informationsaustausch und gegenseitiges Bekräftigen möglich. Eine weitere Anlaufstelle ist die Telefonseelsorge.

Martina Kopera holt sich professionelle Hilfe und spricht mit Seelsorger oder Psychologen, wenn die Krankheit sie psychisch zu zermürben droht. Benno Bolze vom Deutschen Hospiz- und Palliativverband spricht sich dafür aus, dass Betroffene frühzeitig mit Beratern sprechen, um Möglichkeiten der Versorgung und Begleitung am Lebensende zu klären. So gibt es für unheilbar Kranke zumindest ein wenig Sicherheit. dpa/tmn(Sabine Meuter)/sh

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