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Diabetes Typ 1

10.11.2017

Sensor statt Piekser: Moderne Lösungen für Diabetiker

Nie wieder? Schon jetzt können Diabetiker dank technischer Hilfsmittel ohne den ständigen Piekser leben - ganz ohne geht es aber noch nicht.
Bild: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa (Symbolbild)

Die Behandlung von Diabetes Typ 1 ist aufwendig: Blutzucker messen, Kohlenhydrate errechnen, Insulin spritzen. Es gibt aber neue Systeme, die Teile der Prozedur automatisch erledigen.

In den Finger pieken, Blutzucker messen, überlegen, wie viele Kohlenhydrate in diesem Teller Nudeln stecken und welche Menge Insulin vonnöten ist. Dann das Hormon spritzen - und hoffen, dass man sich nicht verschätzt hat. So oder so ähnlich sieht der Alltag vieler Menschen mit Diabetes Typ 1 aus. Sie benötigen künstliches Insulin, daran ist momentan nicht zu rütteln. Moderne Technik kann das Leben eines Diabetikers aber erheblich erleichtern. 

In Deutschland leben mehr als sechs Millionen Menschen mit Diabetes. Ungefähr 300.000 davon haben Diabetes Typ 1 und müssen Insulin spritzen.

Bei gesunden Menschen stellen die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse dieses Hormon her. Es wird zum Beispiel ausgeschüttet, wenn der Mensch etwas gegessen hat. Das Insulin schließt die Zellen auf, damit die Kohlenhydrate aus der Nahrung in die Zellen eingebaut werden können. Dadurch sinkt der Zuckerspiegel im Blut.

Diabetes Typ 1: Neue Techniken erleichtern den Alltag

Bei Menschen mit Diabetes Typ 1 funktioniert dieses ausgeklügelte System nicht mehr. Ihr Immunsystem richtet sich fälschlicherweise gegen die Inselzellen und zerstört sie. Sind nur noch sehr wenige insulinproduzierende Zellen übrig, muss der Betroffene Insulin spritzen. Das hört sich einfach an, ist aber einigermaßen lästig und kompliziert. Zudem besteht die Gefahr von Fehlern, die zu Über- oder lebensbedrohlichen Unterzuckerungen führen können.

Ein Stück weit vorbeugen lässt sich dem durch eine kontinuierliche Glukosemessung (CGM). Dafür platziert der Patient mit einer Stechhilfe eine dünne Nadel mit einem Sensor unter der Haut. Alle fünf Minuten misst der Sensor den Zuckerwert im Unterhautfettgewebe, rund um die Uhr. "So sehen die Patienten nicht nur ihren aktuellen Glukosewert, sondern auch, wie er in der Vergangenheit war und wie er sich entwickelt", erklärt Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes-Hilfe. Fällt der Wert zu schnell, muss der Patient etwas essen. Droht eine Überzuckerung, kann er rechtzeitig Insulin nachschießen.

Neue Technik soll Diabetikern das Leben erleichtern.
Bild: Jens Kalaene, dpa (Symbolbild)

Wer auf so ein CGM-System umsteigen möchte, kann sich vom behandelnden Diabetologen beraten lassen. "Es gibt spezielle Schulungen, die Patienten unbedingt in Anspruch nehmen sollten", rät Kröger.

Blutzuckerspiegel bei Diabetes messen: Sensor für Insulinzufuhr?

Die Messung des Zuckerspiegels ist aber nur das eine. Wie wäre es, wenn der Sensor auch noch die Insulinzufuhr übernehmen würde? "Viele Typ-1-Diabetiker träumen schon lange von einem Closed-Loop-System", sagt Prof. Hans-Georg Joost, der bis zu seiner Pensionierung wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) war.

Die Idee: Der Sensor unter der Haut misst nicht nur den Zuckerspiegel, er versorgt den Körper über eine Pumpe auch stets mit der richtigen Menge Insulin. So ein System hält den Blutzuckerspiegel idealerweise Tag und Nacht stabil, was Folgeerkrankungen zum Beispiel an den Augen, Nieren oder Nerven vorbeugt. Außerdem muss der Patient sich nicht mehr ständig Gedanken um Kohlenhydrate und Insulinmenge machen.

Noch ist das Zukunftsmusik. Allzu lange dauert es aber wohl nicht mehr, bis der Traum in Erfüllung geht: In den USA sind erste Systeme bereits auf dem Markt, in Europa soll es 2018 soweit sein. Experten nennen den Closed Loop übrigens künstliche Bauchspeicheldrüse, weil die Technik von außen die Aufgabe des Organs übernimmt.

Diabetiker träumen von einem Closed-Loop-System

Von einem künstlichen Pankreas, wie die Bauchspeicheldrüse in der Fachsprache heißt, träumen auch Ärzte und Wissenschaftler an der Dresdner Uniklinik. Allerdings unterscheidet sich ihr Ansatz erheblich von den Closed-Loop-Systemen, erklärt Barbara Ludwig. Sie arbeitet am einzigen deutschen Zentrum für klinische Inseltransplantation. Dort setzen sie und ihr Team Menschen mit schwerem Diabetes Typ 1, die sich auf herkömmlichem Weg nicht einstellen lassen, Inselzellen von Spendern ein.

Um an diese Zellen zu gelangen, benötigt Ludwig allerdings eine komplette gesunde Bauchspeicheldrüse. "Leider gibt es viel zu wenig Spender-Organe", sagt sie. Wissenschaftler überlegen daher schon lange, ob man nicht Inselzellen von anderen Säugetieren nehmen könnte. Das Insulin, das die Zellen von Schweinen produzieren, ist dem des Menschen beispielsweise sehr ähnlich. Setzt man einem Menschen Inselzellen vom Schwein ein, erkennt sein Immunsystem diese jedoch als fremd - und zerstört sie. 

Dieses Problem versuchen die Dresdner momentan zu lösen. Sie haben ein kleines Kästchen entwickelt, das Inselzellen vor einem Angriff des Immunsystems schützt. Ein Jahr lang produzierten die so verpackten Inselzellen im Bauch eines Diabetes-Patienten zuverlässig Insulin. Nun haben Ludwig und ihre Kollegen den kleinen Bioreaktor mit Inselzellen vom Schwein befüllt und Affen eingesetzt. Auch dieser Test war erfolgreich.

Diabetes: Eine klinische Studie soll den Fortschritt bringen

"Ein Vorteil dieser Art künstlicher Bauchspeicheldrüse ist der Ersatz natürlicher Zellen, die Insulin produzieren und gleichzeitig den Blutzucker messen", sagt Ludwig. Gedacht ist der Bioreaktor im ersten Schritt für Menschen, die bisher immer wieder mit schweren Unterzuckerungen zu kämpfen haben. "Bis das Ganze beim Menschen zum Einsatz kommt, wird es aber noch dauern", sagt die Ärztin. Der nächste Schritt ist eine klinische Studie. Ludwig und ihr Team wollen sie noch im Jahr 2017 beantragen. Teresa Nauber, dpa

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