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Interview

14.05.2018

Suzanna Randall will die erste deutsche Frau auf der ISS sein

Die Astrophysikerin Suzanna Randall aus München trainiert seit Februar auf ihren Flug zur ISS. Wenn alles klappt, wird der Start 2020 sein.
Bild: Marius Becker, dpa

Die Astrophysikerin Suzanna Randall möchte 2020 als erste deutsche Frau ins All. Dafür trainiert sie hart. Ihre Eltern wären froh, wenn sie zur ISS fliegt.

Die private Initiative „Astronautin“ möchte 2020 die erste deutsche Frau ins Weltall bringen. Frau Randall, wie überbrücken Sie die Zeit bis dahin? Zumal das Projekt ja auf der Kippe steht, weil die erforderlichen 50 Millionen Euro noch nicht zusammen sind.

Suzanna Randall: Der Hauptfokus liegt darauf, Sponsoren zu finden. Daher reise ich sehr viel, bin auf Messen und Podiumsdiskussionen und gebe Vorträge, um das Projekt bekannt zu machen. Zu 70 Prozent arbeite ich noch ganz normal in meinem Beruf als Astronomin bei der ESO, der Europäischen Südsternwarte in Garching bei München.

Ruht dann das Astronauten-Training oder sind Sie bereits dabei, ein Überlebenstraining zu absolvieren?

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Randall: Das Überlebenstraining kommt später. Ich habe viel Theorie gepaukt, etwa wie das Computersystem auf der Internationalen Raumstation ISS funktioniert. Einen offiziellen Sportplan gibt’s nicht. Ich mache drei bis vier Mal pro Woche Sport, fahre Rad und mache Yoga.

Was macht die Ungewissheit mit Ihnen, ob es nun klappt oder nicht?

Randall: Natürlich weiß ich jetzt noch nicht, ob sich all die Mühe lohnt. Das Russisch-Lernen schiebe ich deshalb noch etwas auf. Arbeitssprache auf der ISS ist zwar Englisch, aber in der Sojus-Kapsel, in der man zur Station fliegt, wird nur Russisch gesprochen. Aber selbst wenn das Projekt nicht realisiert werden kann, war es eine tolle Erfahrung.

Auch Ihre Konkurrentin Insa Thiele-Eich kämpft um den Platz fürs All. Nur eine von Ihnen kann fliegen. Ist der Konkurrenzkampf spürbar?

Randall: Nein, es fühlt sich nicht nach einer Konkurrenzsituation an. Wir sind vielmehr ein Team. Das Wichtigste ist, dass überhaupt eine von uns fliegt!

Sie haben im März in Bordeaux Ihre ersten Parabelflüge absolviert. Wie war’s?

Randall: Die Schwerelosigkeit zu erfahren, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Man hängt anfangs etwas hilflos wie eine Spinne auf dem Rücken rum. Aber es ist ein tolles Gefühl. Bei meiner ersten Parabel dachte ich: Oh Gott, mir wird schummrig! Bei der zweiten konnte ich alles schon viel besser kontrollieren.

Was ist für Sie der Reiz daran, die erste deutsche Frau im All zu sein?

Randall: Ich wollte schon immer Astronautin werden, schon als Kind. Ich hatte mich auch bereits 2008 beworben. Jetzt habe ich meine zweite Chance. Aber vor allem reizt mich die Vorbildfunktion. Ich würde mich riesig freuen, wenn ich Mädchen und Frauen dazu motivieren kann, ihren Träumen zu folgen. Auch Frauen können in technischen Berufen erfolgreich sein.

Gibt es denn einen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau ins All fliegt?

Randall: Es geht nicht darum, wer besser ist. Aber es geht darum, dass Frauen genauso in der Branche vertreten sind. Bisher waren elf deutsche Männer im All, aber noch keine Frau. Das muss sich ändern. In den USA sind immerhin die Hälfte der neuen Astronauten Frauen.

Gibt es physiologische Unterschiede?

Randall: Große, vor allem beim Hormonzyklus der Frau. Und das soll alles erforscht werden. Beispielsweise haben Frauen im All auch ein höheres Risiko für Osteoporose.

Es braucht eine deutsche Astronautin?

Randall: Es ist sehr wichtig, Vorbilder zu schaffen. Ohne Vorbilder streben die Mädchen nicht in technische Berufe. Der bekannte Astronaut Alexander Gerst hat einmal gesagt, er hat schon früher immer zu Ulf Merbold aufgeschaut (Er war 1983 der zweite Deutsche im All, die Red.) Gerst hat sich gedacht: Dann kann ich das auch! Ich habe mir immer gedacht, mit mir als Mädchen hat das nichts zu tun. Erst als ich von der Amerikanerin Sally Ride erfahren habe, die übrigens im gleichen Jahr wie Merbold ins All geflogen ist, habe ich plötzlich gemerkt: Mit ihr kann ich mich identifizieren.

Was hat denn Ihre Familie dazu gesagt, dass Sie Ihren Kindheitstraum wahr machen und ins All fliegen wollen?

Randall: Sie waren nicht wahnsinnig geschockt. Als Kind habe ich immer gesagt, ich werde die erste Frau auf dem Mars. Jetzt sind sie froh, dass ich nur zur ISS fliegen will.

Haben Sie selbst denn überhaupt keine Angst, dass etwas schiefgehen könnte?

Randall: Natürlich. Aber ich würde das nicht als Angst, sondern als Respekt vor der Aufgabe bezeichnen. Es ist ein kalkulierbares Risiko. Ich bin mir bewusst, dass es ein höheres ist, als wenn ich mit der U-Bahn zur Arbeit fahre. Aber es ist ein vertretbares Risiko.

Mal angenommen, Sie werden zur ISS fliegen. Wie funktioniert das mit schlafen, essen und auf Toilette gehen?

Randall: Man muss sich umstellen. Die Toilette ist mehr wie ein Staubsauger und man muss sich festklemmen. Gegessen wird vor allem etwas, das gut zusammenpappt, wie zum Beispiel Tortilla mit klebriger Füllung. Auch duschen geht nicht. Das funktioniert mit einem Schwamm. Zum Schlafen hängt man sich in einen Schlafsack. Schlafstörungen sind am Anfang normal, aber man gewöhnt sich dran.

Was würden Sie denn mit auf die ISS nehmen?

Randall: Ganz klar. Meine Yoga-Matte. In der Schwerelosigkeit ist der Kopfstand einfach (lacht). Ich habe während der Parabelflüge schon den Lotussitz ausprobiert. Auf der ISS werde ich das Yoga für die Schwerelosigkeit adaptieren.

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