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Tierversuche
24.04.2014

Darum sterben in deutschen Labors jährlich Millionen Tiere

Vor allem Versuche an Affen sorgen immer wieder für Kritik. Meistens wird aber an und mit Nagetieren experimentiert.
Foto: Peter Förster, dpa

Die Zahl der Tierversuche steigt: Jährlich experimentieren Forscher in Deutschland an Millionen von Fischen, Vögeln und Vierbeinern. Doch welchen Nutzen hat das für uns Menschen?

Gegner von Tierversuchen rufen ab Donnerstag zu Aktionstagen auf. Aber auch wenn der Widerstand in Deutschland groß ist: In den Labors sterben immer mehr Fische, Vögel und Vierbeiner. Welche Arten müssen als Versuchtiere herhalten? Welchen Nutzen haben sie für die Forschung? Und welche Alternativen gibt es? Wir geben die Antworten.

An wie vielen Versuchtieren experimentieren deutsche Forscher?

Im Jahr 2012 haben Forscher in Deutschland etwa 3,1 Millionen Tiere für Experimente eingesetzt. Ungefähr die Hälfte davon lebte bei den Versuchen. Die anderen Tiere wurden vorher getötet, da nur ihre Organe oder Zellen benötigt wurden.

Das Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft erfasst die Zahl der Versuchtiere seit 1989. Nachdem sie bis 1997 zuerst von 2,6 auf 1,5 Millionen fiel, steigt sie seitdem wieder. Die 3,1 Millionen Tiere im Jahr 2012 sind daher ein Rekord. Neuere Zahlen gibt es noch nicht.

Welche Tierarten werden eingesetzt?

Für Versuche sind in Deutschland grundsätzlich nur Wirbeltiere erlaubt. Es gelten allerdings einige Ausnahmen - unter anderem für Fische. Meistens setzten die Forscher Nagetiere ein - vor allem Mäuse oder Laborratten. Die Zahl der Pferde, Schweine, Fische, Vögel, Kaninchen oder Meerschweinchen liegt jeweils im einstelligen Prozentbereich. Hunde, Katzen oder Affen müssen nur sehr selten als Versuchtiere herhalten. Menschenaffen kommen in Deutschland schon seit zwei Jahrzehnten nicht mehr zum Einsatz.

Welchen Zweck haben die Tierversuche?

Die meisten Tierversuche dienen der sogenannten Grundlagenforschung. Sie verfolgen damit keinen konkreten Anwendungszweck, sondern sollen grundlegende Prinzipien der jeweiligen Wissenschaft aufdecken. Außerdem werden an Tieren Arzneimittel oder die Wirkung giftiger Stoffe getestet. Generell verboten sind Tierversuche bei der Entwicklung von Kosmetik, Waschmitteln, Tabak oder Waffen.

Wie laufen die Experimente ab?

Wenn es um Medikamente oder giftige Stoffe geht, werden den Tieren meistens Substanzen gespritzt. Bei der Grundlagenforschung können die Experimente je nach Zweck sehr unterschiedlich aussehen. Die Vereinigung "Ärzte Gegen Tierversuche" wirft Forschern vor, dabei immer wieder unethisch zu handeln. Große Proteste gab es in den vergangenen Jahren unter anderem an Experimenten in Tübingen, die in wissenschaftlichen Zeitschriften genau beschrieben sind.

Die Tübinger Wissenschaftler erforschen das Zählvermögen von Rhesusaffen. Dafür bohrten sie den Tieren ein Loch in den Schädel, um Elektroden zur Hirnstrom-Messung einzusetzen. Bei den Versuchen werden die Affen an einen Stuhl geschraubt. Wenn sie etwas richtig machen, läuft ihnen über einen Schlauch Saft in den Mund. Das ist eine Belohnung für sie, da sie abseits der Experimente nichts trinken dürfen.

Wie werden Tierversuche genehmigt?

Für alle Tierversuche ist eine Genehmigung von den Behörden nötig. Der Antragsteller muss dafür wissenschaftlich begründen, dass der verfolgte Zweck nicht mit anderen Methoden erreicht werden kann. Die Behörden müssen auch darüber entscheiden, ob das jeweilige Experiment ethisch vertretbar ist.

Welche Alternativen gibt es?

Es werden immer mehr alternative Forschungsmethoden entwickelt. Meistens vermischen Forscher dafür die Test-Stoffe in Reagenzglas mit Zellen. Dafür könnte beispielsweise Gewebe genutzt werden, dass in Krankenhäusern nach Operationen als Abfallprodukt übrig bleibt. Eine andere Alternative sind Computermodelle, mit denen sich die Wirkung von Stoffen immer zuverlässiger berechnen lässt.

Sind Tierversuche verzichtbar?

Viele Wissenschaftler halten Tierversuche für unersetzbar für die Entwicklung von neuen Medikamenten und Therapien. Wenn es um das Wechselspiel verschiedener Organe geht, sind einzelne Zellen in einem Reagenzglas keine gleichwertige Alternative. Solche komplexen Versuche sind unter anderem bei der Entwicklung von Impfstoffen nötig. Forscher argumentieren damit, dass Tierversuche viele Menschenleben retten können.

Kritiker halten dagegen, dass sich die Ergebnisse solcher Experimente nicht immer auf den Menschen übertragen lassen. Ein bekanntes Beispiel ist Aspirin. Das für den Menschen unbedenkliche Medikament ist für viele Tiere giftig. Gegner der Tierversuche fordern daher, mehr Geld in alternative Forschungsmethoden zu investieren.

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