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Gesundheit

28.04.2015

Wie Chirurgen die Gefahr von Klinik-Keimen einschätzen

Chirurgen bei einer OP. In München informieren sich derzeit Mediziner aus Deutschland über technische Innovationen. Auch Klinik-Keime sind Thema bei dem Kongress der Chirurgen.
Bild: fotolia

Peter Vogt ist der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Im Interview erklärt er, wie der wirtschaftliche Druck in Kliniken die Patienten gefährden.

Mehr als 5000 Ärzte tagen seit gestern beim Deutschen Chirurgenkongress in München. Das Kongressmotto lautet „Chirurgische Heilkunst im Wertewandel“. Was muss man sich darunter vorstellen?

Das ist ein Spannungsfeld, in dem wir uns befinden. Chirurgische Heilkunst ist das Zentrum unseres Arbeitens. Aber die gesellschaftlichen Veränderungen spielen natürlich auch immer eine Rolle. Da geht es um veränderte Wertvorstellungen – zum einen in unserer Berufsgruppe selbst, zum anderen aber auch in der Gesellschaft. Einerseits wird Chirurgie immer weiblicher. Vergleichsweise immer mehr Frauen entscheiden sich für diesen Beruf – sie wollen ihn ausüben und gleichzeitig auch eine Familie gründen. Darauf müssen wir uns einstellen. Und andererseits nimmt die Gesellschaft Krankheiten zunehmend anders wahr. Die Krankheit wird nicht mehr als Schicksalsschlag gesehen, sondern als eine Störung des Lebensplanes, die beseitigt werden muss. Und dafür bedient man sich der Chirurgie. Die rettet immer mehr Leben.

Bei solchen Ärztekongressen geht es ja auch immer um Innovationen. Was sind die neusten Operationsmethoden?

Da gibt es viele Beispiele. Vor allem wäre da die Weiterentwicklung der minimalinvasiven Techniken zu nennen, bei denen nur noch kleine Schnitte gemacht werden müssen. Das gibt es zum Beispiel auch in der Verbrennungsmedizin. Da wird eine großflächige Narbenbehandlung möglich, die in dieser Form bisher undenkbar war. Dann natürlich die Robotik, die wiederkommt. Das sind sehr teure Systeme, aber das ist ein Weg, um in bestimmten Körperregionen noch schonender zu operieren, wenn die Hand nicht mehr hinkommt. In der Neurochirurgie ist eine große Neuerung die Möglichkeit, im sogenannten Hybrid-OP zu arbeiten, mit der Diagnostik in einem Saal. Was auch eine großartige Entwicklung ist: Die sogenannten Exo-Skelette, also automatisierte, elektrisch betriebene Skelette, in denen Patienten etwa mit Querschnittslähmung wieder laufen können. Dann gibt es da noch Schrauben, die aus Magnesium hergestellt sind, die sich von selbst auflösen – und nicht mehr entfernt werden müssen. Und das sind nur einige Schlaglichter.

Was auch für Chirurgen immer mehr zum Problem wird, sind die sogenannten Klinik-Keime...

Professor Peter Vogt ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und Direktor der Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover.

Ja. Das Thema haben wir auch im Programm, da findet eine eigene Sitzung statt. Ich halte die Keim-Problematik für eine der größten Bedrohungen der modernen Chirurgie. Das Problem stellt sich vor allem in großen Kliniken, wo es eine hohe Arbeitsdichte und einen hohen Patientendurchsatz gibt. Da ist es sehr schwierig, die Sicherheitsvorkehrungen umzusetzen. Und diese Vorkehrungen müssen aber umgesetzt werden. Deshalb muss dieser enorme ökonomische Druck auf das medizinische System gemindert werden.

Wenn Sie sich etwas für die Chirurgie wünschen dürften – was wäre das?

Ich würde mir wünschen, dass die positive Wahrnehmung dieser Disziplin überwiegt, das Bewusstsein für die segensreichen Errungenschaften, die Leben retten. Denn nur so werden wir auch in Zukunft noch begeisterte Ärzte finden, die dieses wichtige medizinische Fachgebiet voranbringen.

Interview: Karin Seibold

Professor Peter Vogt ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und Direktor der Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover.

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