Donnerstag, 19. Oktober 2017

23. August 2016 19:29 Uhr

Kreis Augsburg

Fliegerbombe nahe JVA Gablingen? So könnte die Entschärfung ablaufen

In einem Feld neben der JVA Gablingen vermuten Experten eine Fliegerbombe. Wie läuft am Mittwoch die mögliche Entschärfung samt Evakuierung ab, über die wir live berichten werden?

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Auf dem Feld vor der JVA wird eine 250 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet.
Foto: Andreas Lode

Ob in dem weitläufigen Feld neben der Justizvollzugsanstalt (JVA) tatsächlich eine scharfe Fliegerbombe schlummert, wird sich im Laufe des Mittwochs zeigen. Bei Untersuchungen wurden metallische Gegenstände im Boden festgestellt (wir berichteten). Ab dem frühen Morgen werden Experten damit beginnen, diese freizulegen und zu untersuchen.

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Gelände wurde im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert

Vor dem Bau der Haftanstalt vor fünf Jahren wurde das Gelände bereits nach Bomben und anderen gefährlichen Materialien abgesucht. Mehr als eine 50-Kilo-Bombe förderten die Suchtrupps damals jedoch nicht zutage. Gablingens Bürgermeister Karl Hörmann erklärt, warum nun vermutet wird, dass sich noch mehr Kriegsmunition im Boden befindet: „Die JVA hat damals bei Bau nur ihr Gelände untersucht. Das angrenzende Feld wurde nun erst im Rahmen der Baufeldfreimachung für das Gewerbegebiet sondiert.“

Auf dem Gelände befand sich früher der Gablinger Flugplatz, der während des Zweiten Weltkriegs unter anderem von den Messerschmitt-Werken genutzt und massiv bombardiert wurde. Mit speziellen Geräten wurde das Feld in den vergangenen Wochen abgesucht. Und die Experten sind fündig geworden: Im Boden befinden sich metallene Objekte, möglicherweise Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg.

Luftbildaufnahmen zeigen 13 konkrete Verdachtspunkte

Jürgen Mantel, leitender Feuerwerker bei der Augsburger Firma Geomer, ist spezialisiert auf die Beseitigung von sogenannten Kampfmitteln. Er wird den Einsatz koordinieren: „Wir haben nach der Auswertung von Luftbildaufnahmen aus dem Krieg 13 konkrete Verdachtspunkte, einer davon ist besonders verdächtig.“ Konkret heißt das: Möglicherweise liegt dort eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe.

Jürgen Mantel erklärt, wie die Entschärfung einer Bombe abläuft: Die größte Schwierigkeit bestehe darin, dass vorab nicht erkenntlich ist, um welche Art von Zünder es sich handelt. Je nachdem, ob es sich um einen Aufschlag- oder einen Langzeitzünder handelt, seien unterschiedliche Vorgehensweisen nötig. „Wenn wir heute tatsächlich eine Bombe finden, graben wir uns zunächst Stück für Stück zu ihr vor. Immer wieder messen wir, wie weit wir noch entfernt sind.“ Wenn nur noch wenig fehlt, die Bombe fast schon zu sehen ist, wird der Rest ganz vorsichtig von Hand freigelegt. „Zu diesem Zeitpunkt wissen wir immer noch nicht, welcher Zünder da ist.“

Um das zu erkennen, muss die Bombe daraufhin gesäubert werden, damit der Sprengmeister einen freien Blick auf den Zünder hat. „Das ist eine mühselige Arbeit und kann böse ausgehen, wenn da etwas schiefgeht“, erklärt Mantel. Bei den meisten Funden handelt es sich um einen Aufschlagzünder. Dieser könne mithilfe spezieller Gerätschaften aus der Bombe entfernt werden. „Die Zündsysteme haben Ausbausperren, die auf Erschütterungen reagieren. Da können Sie nicht einfach eine Zange nehmen und das Ding rausziehen“, sagt Mantel. Da Aufschlagzünder bereits auf kleinste Erschütterungen reagieren und eine Explosion auslösen können, sei es nicht möglich, eine scharfe Bombe abzutransportieren.

Ein Langzeitzünder sei noch kniffliger: „Den kann man meist nicht ausbauen, der wird in der Regel kontrolliert gesprengt.“ Das bedeutet, besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. „Gebäude zu evakuieren ist nur eine davon“, sagt er. Zudem werde die Bombe so verpackt, dass möglichst wenig Material herausgeschleudert werden könne. „Den Splitterflug können wir auch eindämmen, indem wir Strohballen auslegen oder mit Erde gefüllte Container aufstellen.“

Auswirkungen einer Explosion sehr unterschiedlich

Doch welche Auswirkungen hätte eine Bombe, wenn sie tatsächlich explodiert? Mantel wiegelt ab: „Das hängt von vielen Faktoren ab. Um was für eine Bombe handelt es sich? Wie tief liegt sie im Boden? Welcher Sprengstoff befindet sich im Inneren?“ Im schlimmsten Falle wären die Schäden enorm: „Da bliebe im Umkreis von einem halben Kilometer keine Fensterscheibe heil“, sagt der Experte. Umherfliegendes Material könnte Dächer beschädigen, „im Umkreis von bis zu 200 Metern kann eine Bombe auch tödlich sein“. Ob und in welchem Umkreis eine Evakuierung vonnöten sein wird, entscheide sich erst nach der Untersuchung der Zünder, sofern überhaupt eine Bombe ans Tageslicht befördert wird, erklärt Polizeihauptkommissar Gottschalk. „Die Maßnahmen hängen zwingend davon ab, was der Sprengmeister feststellt.“

Das Sprengkommando ist nicht nur zuständig für die Entschärfung, sondern auch für die anschließende Vernichtung einer Bombe. Ein Experte vom Sprengkommando München, der am Mittwoch in Gablingen vor Ort ist, erklärt: „Wenn der Zünder draußen ist, ist der Sprengstoff natürlich nach wie vor gefährlich.“ Mit einer ferngesteuerten Säge werde die Bombe dann in mehrere Teile geschnitten und anschließend in Spezialöfen verbrannt, erklärt er. Die Entschärfung einer Bombe findet ihm zufolge grundsätzlich zu zweit statt. Er selbst hat reichlich Erfahrung: „Ich stehe jetzt kurz vor der Entschärfung meiner hundertsten Bombe.“

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Gablingen | Karl Hörmann | München

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Sandra Liermann

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