Dienstag, 12. Dezember 2017

11. Oktober 2017 06:46 Uhr

Landkreis Augsburg

Kinder sind schon in der Krippe gestresst

Der Landkreis Augsburg sorgt sich um die Jüngsten und ihre Familien. Mit einer Studie will das Jugendamt zeigen, wann die Erziehung in Krippen schwierig werden kann

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Ein Teil der Krippenkinder im Augsburger Land weint oder schreit über das übliche Maß hinaus, wenn es sich von seinem Alltag in der Betreuungseinrichtung gestresst fühlt. Auslöser sind oft große Gruppen mit 15 Kindern und eine lange Verweildauer der Kinder in der Krippe.
Foto: Peter Endig, dpa

Sie sind noch nicht einmal drei Jahre alt und zeigen schon deutliche Symptome einer gestressten Persönlichkeit. Sie beißen, kratzen, schlagen ihre Altersgenossen oder weinen und schreien einfach ganz laut. Andere werden teilnahmslos. Ihr Alltag in Krippe und Familie ist für sie mit Druck verbunden. Weil Kinder in diesem Alter ihre Gefühle aber nicht anders ausdrücken können, versuchen sie auf diese Weise, sich aus der Situation zu befreien.

So hat es jetzt die Leiterin des Familienzentrums Meitingen, Doris Zahn von der St. Gregor Jugendhilfe, den tief beeindruckten Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses berichtet. Freilich käme die Mehrheit der Krippenkinder mit ihrer Situation gut zurecht, aber die anderen Fälle gebe es eben auch. Dieser ernüchternde Einblick in den Alltag in Krippen im Landkreis würde ihn aufrütteln, fasste stellvertretender Landrat Heinz Liebert zusammen. Das Dilemma: Eine Betreuung von kleinen Kindern ist gesellschaftliche Realität, aber nicht für alle Kinder ideal. Der Landkreis Augsburg hat es sich jedoch nun zur Aufgabe gemacht herauszufinden, was die Betreuung in Krippen noch besser machen kann. Federführend hat Doris Zahn deshalb mit Familien und Erzieherinnen über das Leben in den Einrichtungen gesprochen. Ihr Fazit: Die Situation in den Krippen „bereitet in unterschiedlichen Bezügen Sorgen“.

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Am Anfang steht das Wissen, das Kinder unter drei Jahren ihre Gefühle noch nicht selbst regulieren können. „Sie brauchen dazu die prompte Hilfe der Erwachsenen.“ Aber bei einer Gruppengröße von 15 Kleinkindern sind die Erzieherinnen nicht immer gleich verfügbar. Schon allein der Übergang von einer Tagessituation in die nächste, etwa vom Spielen zum Mittagessen kann dann für anfällige Kinder schwer zu verkraften sein. Hinzu kommt, dass immer mehr Kleinkinder so lange in der Krippe sind, wie ihre Eltern für ihren kompletten Arbeitstag samt Hin- und Rückweg benötigen und sie im Laufe dieser Zeit in der Krippe auch noch verschiedene Bezugspersonen erleben. „Hier könnte es helfen, mit Eltern über eine kürzere Besuchszeit zu sprechen“, so Doris Zahn. Gleichzeitig müsste diesen Familien jedoch Hilfe angeboten werden, wie ihr Alltag auf andere Art und Weise gemeistert werden könnte. Denn schließlich ginge es bei der Arbeit der Eltern ums Einkommen der Familie. Fakt sei jedoch, der größte Stressfaktor für die Kinder sind die lange Verweildauer und die Gruppengröße, fasst Fachbereichsleiterin Angelika Steinbrecher zusammen.

Doch das ist nur die eine Seite. Auf der anderen steht das Personal der Krippen. Das hätte oftmals einfach zu wenig Zeit, manchmal nicht die richtige Ausbildung oder auch nicht die geeignete Persönlichkeit, um richtig auf alle Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Außerdem müsse das Krippenpersonal nicht nur mit den Kindern gut umgehen können, sondern auch mit den Eltern. Aus dem typischen Elterngespräch sei heute eine Erziehungspartnerschaft geworden. 80 Prozent der Einrichtungen klagten inzwischen über einen Fachkräftemangel – und davon würden alle sagen, dass das auf Kosten der Qualität geht, sagt Günter Katheder-Göllner von der Fachstelle für Jugendhilfeplanung. „Aber das Personal ist nur eine Stellschraube. Auch die Träger und Arbeitgeber müssen mitziehen“, so Doris Zahn auf die Frage des SPD-Kreisrats Florian Kubsch, was denn nun politisch aus diesen Erkenntnissen mitgenommen werden könnte. Das sah auch Kreisrätin Marlies Fasching (CSU) so. „Arbeitgeber dürfen nicht auf Modellen von entweder 40 oder 20 Wochenstunden bestehen. Auch 30 Stunden für beide Elternteile müssen möglich sein.“ So sah es auch Gabi Olbrich-Krakowitzer (ÖDP): „Wir brauchen nicht arbeitsplatzgerechte Kinder, sondern endlich Arbeitsplätze, die den Familien entgegenkommen.“ »Kommentar

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Ein Artikel von
Jana Tallevi

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