Samstag, 18. November 2017

30. Oktober 2016 09:57 Uhr

Hintergrund

Am Lech kommt es jetzt zum Schwur

Beim naturnahen Ausbau des Lechs gibt es große Spielräume. Werden die Planer ihre Chance zum großen Wurf nutzen? Von Eva Maria Knab

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Beim naturnahen Ausbau des Lechs gibt es große Spielräume. Werden die Planer ihre Chance zum großen Wurf nutzen?
Foto: Ruth Plössel/Archiv

Da passt etwas grundsätzlich nicht zusammen: Einerseits ist der Lech einer der artenreichsten und biologisch wertvollsten Flüsse in Bayern. Andererseits ist er einer der am stärksten verbauten Gewässer in Deutschland, weil er möglichst viel Strom liefern soll. Dieser Gegensatz sorgt inzwischen für so große Probleme, dass etwas getan werden muss.

Weil sich der kanalisierte Fluss immer tiefer in sein Bett eingräbt, drohen instabile Ufer. Weil am geschundenen Lech auch immer mehr wertvolle Naturräume gefährdet sind, muss der Freistaat den ökologischen Zustand dringend verbessern. Die Lösung soll ein naturnaher Ausbau des Flusses bringen – an Stellen, wo es möglich ist. Ähnliche Projekte gab es an der Isar im Raum München, an der Iller im Allgäu oder auch an der Augsburger Wertach.

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Am Lech kommt es nun aber zum Schwur: Im kommenden Jahr wird sich herausstellen, welche der erwünschten Ausbauziele in der Realität machbar sind. Die Ausgangslage ist nicht ganz einfach. Der Fluss hat teils ein starkes Gefälle, das die Planer im Griff behalten müssen. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass der Hochwasserschutz für die Bevölkerung erhalten bleibt, wenn das Flussbett mehr Raum bekommt. Auch der Grundwasserspiegel soll beim Umbau nicht steigen, damit Anwohner in Gemeinden wie Kissing keine nassen Keller bekommen.

Doch die technische Machbarkeit ist das eine. Entscheidend wird in den kommenden Jahren sein, wie die Planer des Freistaates die Spielräume des technisch Machbaren nutzen. Denn die sind vorhanden und sogar groß.

Im Entwicklungskonzept für „Licca liber“ (der freie Lech) gibt es verschiedene Varianten, wie der Umbau zwischen der Staustufe 23 und dem Augsburger Hochablass erfolgen könnte. Bislang ist nur an einer Stelle eine Aufweitung des Flussbetts mit einer Rückverlegung des Deichs nach Osten fest vorgesehen, und zwar unterhalb des Mandichosees bei Merching (Staustufe 23). In weiteren Abschnitten bis hin zum Augsburger Hochablass wurden wechselnde Verbreiterungen des Flussbetts bislang nur als „Option“ eingeplant. Auch andere bauliche Lösungen wären dort möglich. Entschieden ist noch nichts.

Die heimischen Umweltverbände fordern eine weitreichende Renaturierung. Danach sollte der Lech südlich von Augsburg die maximal möglichen Überschwemmungsflächen zurückbekommen. Und zwar durch eine Rückverlegung von Deichen. Doch gerade am Lech gibt es sehr viele Interessenkonflikte, Vorschriften fast ohne Ende und viele Wünsche und Sorgen der Bevölkerung. Auch das macht den Job für die Planer schwer. Zuständig ist das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth.

Die Probleme: Bei einer maximalen Aufweitung der Lechufer müssten über 250 Hektar Bannwald woanders geschaffen werden, was teuer ist. In den neuen Rückhalteräumen müssten auch größere Bestände von Grauerlen weichen, was naturschutzrechtlich schwierig ist. Mehrere Augsburger Trinkwasserbrunnen müssten verlegt werden. Auch das ist kostspielig.

Und dann gibt es noch die Interessen des Energieerzeugers Uniper (früher Eon) im Hintergrund. Er hält bislang an seinen Plänen für ein neues Wasserkraftwerk mitten im Naturschutzgebiet Stadtwald fest. Ob es gebaut wird, hängt sicherlich auch von Licca liber ab. Je stärker der Fluss renaturiert wird, desto weniger wird sich dort die Stromerzeugung finanziell rentieren.

Kommt also eine Mini-Lösung für „Licca liber“ oder gelingt ein großer Wurf? Das ist die Frage, um die es geht. Der Freistaat muss Farbe bekennen. Es steht viel auf dem Spiel. Der Lech mit seinen Heiden gilt noch immer als einer der wertvollsten und artenreichsten Naturräume in Europa. Doch die Lebensräume sind stark unter Druck. Viele Arten sind hochgradig gefährdet. Wenn dem Fluss ein großes Stück Natur zurückgegeben wird, profitiert auch die Bevölkerung. Davon kann sich jeder am Beispiel der Wertach-Renaturierung überzeugen. Ein Film im Internet zeigt vorher und nachher. Er ist bei Youtube unter dem Stichwort „Wertach vital“ zu sehen.

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