Montag, 20. November 2017

14. November 2017 17:06 Uhr

Interview

Augsburger pendelt mit dem Rad nach München: "Stehe ungern im Stau"

Herbert Schwarzer hat im Wettbewerb Stadtradeln die längste Strecke zurückgelegt. Der 58-Jährige erklärt, warum er mit dem Rad täglich von Augsburg nach München pendelt. Von Alexander Rupflin

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Herbert Schwarzer fährt nicht nur mit dem Liegerad nach München. Auch in den Bergen ist er damit unterwegs.
Foto: Herbert Schwarzer

Sie sind 2944 Kilometer während der dreiwöchigen Aktion „Stadtradeln 2017“ mit ihrem Liegerad gefahren. Wie viele Stunden am Tag sitzt man dafür im Sattel?

Herbert Schwarzer: In der Regel, an einem Arbeitstag, vier bis fünf Stunden. Ich habe zwei Startorte – Augsburg und Kösching (Landkreis Eichstätt) – und zwei Zielorte: Garching bei München und München Innenstadt. Die Start- und Zielorte kommen in allen Kombinationen vor. Je nachdem ergibt sich so eine einfache Strecke von 73 bis 100 Kilometer. Für die Fahrten zu den Arbeitsstellen in Garching und der Münchner Innenstadt nehme ich immer das Rad. Ich steh einfach nicht gern im Stau. In der Regel brauche ich mit dem Rad etwa doppelt so lange wie mit dem Auto und etwas weniger lang, als wenn ich den öffentlichen Nahverkehr nutze. Hinzu kamen zufällig auch längere Fahrten wie etwa nach Altötting.

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Waren Sie schon immer ein so passionierter Radfahrer?

Herbert Schwarzer: Ich war mal ziemlich schwer krank und musste was tun, um den Körper wieder in Form zu kriegen. Und Rad fahren ist ein Sport, den kann man alleine ausführen, man muss nicht warten, bis man eine ganze Mannschaft zusammenbekommen hat und daraus hat sich das bei mir entwickelt. Und wenn man viel fährt und fitter wird, dann macht Rad fahren auch immer mehr Spaß. Den Sport habe ich dann für mich abgewandelt zur reinen Fortbewegung. Heute ist das Fahrrad für mich mehr Transportmittel als Sportgerät.

Die Stadt Augsburg bewirbt sich selbst als radfahrerfreundlich. Ein leeres Versprechen oder Tatsache?

Herbert Schwarzer: Augsburg macht deutlich Fortschritte. Allerdings sehe ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Für die klassischen Radfahrer sind Radwege sicher in Ordnung, besonders Leute dich sich unsicher im Verkehr fühlen, profitieren davon. Jemand der aber längere Strecken fährt mit höheren Geschwindigkeiten, der ist auf Radwegen extrem gefährdet.

Das müssen Sie bitte genauer erklären. Sonst hört man immer nur Beschwerden über fehlende Radwege.

Herbert Schwarzer: Gerade Autofahrer stehen regelmäßig auf den Radwegen. Und wenn man dann mit hoher Geschwindigkeit ankommt, gerade jetzt, wo die Straßen nass sind und voller Laub, da können Sie gar nicht so schnell bremsen. Auf den Radwegen in Deutschland hat man überall Kanten und Absätze. Und wenn sie ein schnelles Rad mit dünnen Reifen haben, müssen Sie eigentlich auf die Straße ausweichen, um schnell zu fahren. Mein Liegerad ist sowieso zu groß für den Radweg. Auf der Straße fahr ich dann 40 bis 50 km/h. Würden sich die Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Stadt halten, könnte ich da problemlos mithalten.

Gibt es denn Ihrer Meinung nach eine konkrete Stelle in Augsburg, die für Radfahrer dringend besser ausgebaut werden sollte.

Herbert Schwarzer: Der Radweg von der Friedberger Straße an der Berliner Allee entlang Richtung Lechhausen ist dermaßen bucklig durch Baumwurzeln. Und dabei ist das mal eine sehr schöne Strecke mit wenig Ampeln. Radfahrer profitieren ja von ampelarmen Strecken, denn die Grünphasen sind nur für die Autofahrer und für die Busse ausgelegt. Der Radfahrer hat an der Ampel die längste Wartezeit. Wenn eine schöne Strecke in schlechtem Zustand ist, dann ist das sehr unangenehm.

Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge hält ein Drittel der Deutschen Radfahrer für rücksichtslos. Können Sie sich das erklären?

Herbert Schwarzer: Ich habe selbst schon einige Anfeindungen erlebt. Es ist sicher richtig, dass es einen gewissen Prozentsatz an rücksichtslosen Radfahrern gibt. Den gibt es aber auch bei den Autofahrern, Lastwagenfahrern und Motorradfahrern. Es gibt immer gute Menschen, weniger gute Menschen – und ein paar, die gehören bestraft. Wenn man einen Radfahrer sieht, der bei Rot über die Ampel fährt, dann übersieht man gleichzeitig die anderen zwanzig, die stehen bleiben. Aber vielleicht ist das Problem bei Radfahrern doch präsenter. Denn wer fährt Fahrrad? Das sind viele Menschen, die sehr jung sind, und die Jugend tut nicht immer, was man ihr sagt. Dementsprechend fehlt es da manchmal an Reife.

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