Donnerstag, 19. Januar 2017

09. Januar 2017 15:19 Uhr

Augsburg

Das Haus dieser Augsburger steht auf Rädern

Wie zwei junge Augsburger ihren Traum vom Wohnen wahr machen. Aus ihrem „Tiny House“ soll ein ganz besonderes Hotel werden. Dafür gibt es ein Vorbild. Von Eva Maria Knab

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Philipp Sanders und Stefanie Beck vor dem Tiny House, das sie derzeit in der Augsburger Hammerschmiede aufbauen. Sie wollen mit solch kleinen Häusern eine Hotelanlage im Fichtelgebirge aufbauen. Doch dafür fehlen noch Genehmigungen.
Foto: Annette Zoepf

Es ist ein Mini-Haus auf Rädern. Die beiden Augsburger Studenten Stefanie Beck und Philipp Sanders bauen es gerade in Eigenregie in der Hammerschmiede zusammen. Anders als ein Wohnwagen oder ein Wohnmobil ist das rollende Häuschen nicht dafür gedacht, in den Urlaub zu fahren. Aber umziehen kann man damit schon. Vorbild sind die „Tiny Houses“ in Amerika. Sie heißen so, weil sie winzig sind. In den USA haben sie eine wachsende Fangemeinde. Auch die beiden jungen Augsburger haben mit ihrem kleinen Haus große Pläne.

Philipp Sanders und Stefanie Beck beschäftigen sich schon länger mit dem Gedanken an ein „Tiny House“. Sie sind beide 22 Jahre alt und studieren an der Hochschule Augsburg das Fach „Energieeffizientes Planen und Bauen“. Privat sind sie seit fünf Jahren ein Paar und packen vieles im Leben gemeinsam an. Im Sommer 2015 gingen sie zusammen für ein Jahr nach Kanada und in die USA. Dort finanzierten sie sich ihren Urlaub mit Jobs vor Ort. Abends beim Fernsehen sahen sie öfter Sendungen über „Tiny Houses“. Sie wurden immer neugieriger auf dieses ungewöhnliche Projekt und wollten es unbedingt näher kennenlernen.

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„Seit der Immobilienkrise in den USA sind diese Häuschen ein wachsender Trend in Amerika“, sagt Stefanie Beck. Sie sind vergleichsweise preisgünstig, sodass man sich nicht hoch verschulden muss. Sie sind praktisch für Leute, die öfter umziehen, weil man sie mitnehmen kann. Durch ihre einfache Bauweise und Ausstattung sie sind auch beliebt bei Menschen, die umweltbewusst und ressourcenschonend leben wollen. Beck und Sanders entschieden sich dafür, nach Portland in Oregon zu fahren, um sich die Sache genauer anzuschauen.

Hotelanlage aus Mini-Häusern

Portland ist eine der Hochburgen für Tiny Houses in den USA. Dort steht sogar eine Hotelanlage aus Mini-Häusern. „Die Managerin hat uns aufgesperrt und wir waren sehr überrascht von der Größe, dem Design und der perfekten Raumnutzung“, erzählen Stefanie Beck und Philipp Sanders. Die beiden waren begeistert von dem, was sie sahen. Für sie stand fest: „Wir wollen auch ein kleines Tiny-House-Hotel eröffnen.“ Zurück in Deutschland, geht es für die beiden Augsburger nun darum, ihren Traum wahr zu machen. Gerade bauen sie ihr erstes Mini-Haus. Es steht bereits im Rohbau und soll bis Ende April fertig werden. „Mit 23 Quadratmetern Wohnfläche ist es etwa so groß wie ein Studentenapartment, aber viel besser organisiert und ausgestattet“, sagt Philipp Sanders.

Das Häuschen steht auf einem Spezialanhänger, damit es transportabel ist. Es soll auf kleinem Raum möglichst viel Wohnkomfort bieten. Deshalb bekommt es eine Schlafnische, Bad, eine Küchenzeile mit Essbereich und ein optisch abgetrenntes Wohnzimmer mit einer großen, gemütlichen Couch.

Auch technische Fragen wurden genau durchdacht: Eine Solaranlage mit Batterie sichert die Energieversorgung, Wände aus diffusionsoffenen Holzplatten mit Isolierung sollen ein gutes Raumklima schaffen. Acht Fenster und eine große Tür sorgen für viel Licht. „Umweltbewusstsein soll nicht in Verzicht enden“, erläutert Philipp Sanders die Planung. Eine Konstruktion aus vollverzinkten Stahlträgern sorgt außerdem dafür, dass das Häuschen stabil genug ist, um einen längeren Transport auf der Straße unbeschadet zu überstehen.

Ein Haus kostet im Eigenbau rund 25.000 Euro

Im Eigenbau wird das Augsburger Tiny House rund 25.000 Euro kosten. Der große Traum der beiden Studenten wäre, selbst in ein solch ungewöhnliches Eigenheim einzuziehen. Wegen des geltenden deutschen Rechts sehen sie dafür aber keine realistische Chance. Deshalb haben sie andere Pläne. Das rollende Häuschen soll das erste einer künftigen kleinen Hotelanlage im Fichtelgebirge werden. Ein passendes Grundstück in einem Skigebiet haben die beiden bereits gefunden. Auch der Gemeinderat habe dem Projekt schon zugestimmt, sagt Sanders.

Weil die Rechtslage aber nicht ganz einfach und die Tiny-House-Bewegung in Deutschland neu ist, ist auch noch die Genehmigung der Baubehörde in Bayreuth nötig. Die beiden hoffen auf einen positiven Bescheid. Denn das Tiny-House-Hotel soll ein attraktives neues Übernachtungsangebot für Touristen werden. Auch an der Finanzierung des Projekts arbeiten die beiden Augsburger gerade noch. Die Investitionskosten von 25.000 Euro sollen über eine Crowd-Funding-Kampagne im Internet zusammenkommen. Interessenten können vorab eine Übernachtung buchen. Das Geld wird aber nur dann abgebucht, wenn das Kampagnenziel von 25.000 Euro bis 15. Januar zusammenkommt, erläutert Sanders.

Die Zeit ist knapp. Doch auch wenn es mit der Geldsammlung im Netz nicht klappen sollte, wollen die beiden jungen Augsburger nicht aufgeben. „Sobald uns Bayreuth das Okay gibt, werden wir die Chance nutzen und unser Projekt umsetzen“, sagen sie. Stefanie Beck und Philipp Sanders glauben fest daran, dass es für „Tiny Houses“ auch in Deutschland eine Zukunft gibt. Der Platz wird weniger, bauen immer teurer. „Zielgruppe für diese Lösung sind Menschen, die unabhängig und frei bleiben wollen“, sagen sie.

Kampagne Infos zum Crowd Funding für das Augsburger Tiny House gibt es unter www.startnext.de/tiny-house.

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Eva-Maria Knab

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Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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