Samstag, 18. November 2017

13. Februar 2014 09:12 Uhr

Augsburg

Eon will Kraftwerk bauen - auch wenn die Bürger dagegen sind

Der Lech wird renaturiert. In einer Umfrage können Bürger ihre Meinung abgeben, ob trotzdem ein neues Wasserwerk kommen soll. Für den Energie-Konzern spielt das keine Rolle.

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Hier plant Eon ein Wasserkraftwerk, das Strom für 8000 Haushalte erzeugen kann. Der Konzern ist der Meinung, dass das Projekt der Renaturierung des Lechs nicht schadet.
Foto: Silvio Wyszengrad

Soll mit der Renaturierung des Lechs ein Wasserkraftwerk im Naturschutzgebiet Stadtwald kommen? Das ist eine der Fragen, zu der Bürger bei der Online-Umfrage des Freistaates aktuell ihre Meinung sagen können. Umweltschützer meinen, nein. Vertreter der Wasserkraft von Eon halten beide Projekte für vereinbar. Wir sprachen mit Johann Sachmann, Leiter der Flussgruppe Lech bei Eon.

Warum will Eon trotz Renaturierung ein weiteres Kraftwerk bauen?

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Sachmann: Das Projekt Licca liber und Wasserkraftnutzung gehen Hand in Hand. Es gibt eine breite Überlappung von Zielen. Alle Beteiligten sind gegen die weitere Eintiefung des Flusses, für Trinkwasserschutz, Hochwasserschutz und Ökologie. Bei der Lösung können wir uns einbringen.

Beim geplanten Bau eines Wasserkraftwerks gibt es aber Unstimmigkeit. Hält Eon an den Plänen für die umstrittene Anlage fest?

Sachmann: Auch bei Licca liber bleibt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Lech sich nicht weiter eintieft. Diese ohnehin notwendige Maßnahme kann man ohne oder mit energetischer Nutzung machen. Es wäre aber volkswirtschaftlicher und energiewirtschaftlicher Unsinn, den Nebeneffekt von 28 Millionen Kilowattstunden schadstofffreien Stroms nicht zu nutzen, wenn das Lechwasser ohnehin über eine Schwelle hinunter fließt.

Bei einer Renaturierung geht es darum, den Fluss möglichst von Stauschwellen zu befreien, damit Fische wandern können. Wie passt da ein Kraftwerk mit Anstau hinein?

Sachmann: Auch bei einer Renaturierung müssen eine oder mehrere Treppen im Lech entstehen, wenn man das Gefälle in den Griff bekommen will. Wir glauben, dass bei Flusskilometer 50,4 eine Schwelle in der heutigen Höhe von sechs Metern bestehen bleiben wird. Auch die Alternative, nämlich der Bau einer Rampe an dieser Stelle, wäre mit großen Eingriffen in die Natur verbunden.

Ist der Bau eines Wasserkraftwerkes nicht auch ein großer Eingriff?

Sachmann: Nach unserem Konzept wird das Kraftwerk neben dem Fluss entstehen und sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Es wird keinen Stausee geben, außerdem ist ein eigenes Umgehungsgerinne für die Fische vorgesehen.

Ein Problem bleibt die Wanderung flussabwärts, bei der Fische leicht in die Kraftwerksturbinen geraten...

Sachmann: Das Umgehungsgerinne ermöglicht auch die Durchgängigkeit flussabwärts. Der Lech in seinem bisherigen Bett bliebe außerdem erhalten, sodass ein Teil der Fische flussabwärts am Kraftwerk vorbeiwandern kann.

Wie viel Strom erzeugt Eon insgesamt am Lech?

Sachmann: In unseren 23 Kraftwerken sind es insgesamt rund eine Milliarde Kilowattstunden im Jahr. Das reicht rechnerisch, um den Jahresbedarf der Augsburger Haushalte rund zweimal zu decken.

Wie viel Strom soll die neue Anlage im Stadtwald produzieren?

Sachmann: Es wären rund 28 Millionen Kilowattstunden im Jahr, das würde für knapp 8000 Haushalte reichen.

Könnte Eon die vergleichsweise geringe Strommenge auch über eine Modernisierung bestehender Kraftwerke erreichen?

Sachmann: Die alten Kraftwerke arbeiten schon sehr effizient. Wenn wir dort den Wirkungsgrad um das Restpotenzial erhöhen wollten, käme das jeweils einem Neubau gleich. Das wäre deutlich aufwendiger, als das neue Vorhaben im Stadtwald, und würde an zahlreichen anderen Stellen ökologische Eingriffe nötig machen.

Könnte Eon nicht wesentlich mehr an Umweltimage gewinnen, wenn es auf die umstrittene Anlage im Naturschutzgebiet verzichten würde?

Sachmann: Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist ein Ziel des Freistaates und im Sinn der gesellschaftlich gewünschten Energiewende. Wir sind deshalb verpflichtet, die energetische Nutzung an bestehenden Schwellen zu prüfen. Strom aus Wasserkraft dient außerdem der zuverlässigen CO2-freien Grundversorgung der Region.

Wie sehen Ihre Überlegungen aus, wenn das neue Kraftwerk eine Verbreiterung des Flussbetts verhindert?

Sachmann: Eine Verbreiterung des Flusses oberhalb und unterhalb unserer Anlage würde weiterhin möglich sein. Die Workshops zu Licca liber haben aber ergeben, dass Verbreiterungen ohnehin nur in moderatem Rahmen möglich sein werden.

Wird Eon noch Jahre warten können, bis die Licca-liber-Planung fertig ist?

Sachmann: Über die Eckpfeiler für die Licca-liber-Planung wird man bald entscheiden müssen. Damit wird auch Klarheit über die Wasserkraftnutzung herrschen.

Zum Flussumbau läuft eine Bürger-Umfrage. Angenommen, die Mehrheit der Teilnehmer würde sich gegen ein Kraftwerk an dieser Stelle aussprechen, würde Eon das akzeptieren?

Sachmann: Die Befragung ist ja kein Bürgerentscheid für oder gegen das Kraftwerk. Es ist Aufgabe der Planungsbehörden, mit dem Stimmungsbild zu einer Entscheidung zu kommen. Wir haben gute Argumente und hoffen, damit Gehör zu finden.

Interview: Eva Maria Knab

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