Freitag, 21. Juli 2017

12. Mai 2016 18:27 Uhr

Wohnen der Zukunft

Im Container leben - geht das?

Container galten lange als Baracken – für Saisonarbeiter, zur Not für Studenten, aktuell für Flüchtlinge. Ein neuer Trend aber zeigt: Sie liefern ein Modell für das Wohnen der Zukunft.

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Im Container leben - geht das?
Foto: Mbk

Ein blauer, trister Kasten steht am Straßenrand. Autos fahren vorbei und wirbeln Schmutz auf. Die Sonne knallt auf das Stahldach, das wie Wellpappe aussieht. Die Bauarbeiter bleiben draußen – kein Wunder bei der Hitze, die den dunklen Container stickig werden lässt.

Das ist das landläufige Bild eines Containers: Im Winter wird es drinnen bitterkalt, im Sommer ist es viel zu heiß. Dass in so einem Kasten sogar Menschen wohnen sollen, scheint kaum möglich – ja eigentlich unzumutbar. Erntehelfer leben dennoch für einige Monate in diesen Baracken. Maximal. Für den Großteil der Bevölkerung stellt der Container – wenn überhaupt – eine Notlösung dar. Die ist deutlich bekannter geworden, seit vor einigen Monaten tausende Flüchtlinge in Deutschland angekommen sind. Sie alle mussten zeitgleich ein Dach über dem Kopf bekommen – und das schnell.

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Direkt hinter der Haustür steht der Esstisch, gegenüber die Küchenzeile, daneben ein kleines Sofa. Der Container ist zwölf auf zweieinhalb Meter groß und 2,6 Meter hoch. Nicht viel Platz für einen kompletten Hausstand. Jeder Zentimeter muss schlau genutzt werden. Das kleine Bad liegt in der Mitte, ein schmaler Gang passt noch vorbei. Er führt zum Schlafzimmer.

Es gibt vielleicht hübschere Orte zum Leben – doch immerhin garantieren die wenigen Quadratmeter den Asylbewerbern die Privatsphäre, die in Turnhallen nicht möglich war. Und wie sonst bekommt eine Gemeinde möglichst viele Wohnmöglichkeiten in kurzer Zeit? Die Lösung: Container. „Wir mussten die Menschen schlichtweg von der Straße bekommen“, sagt Bernd Düsterdiek vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Der größte Vorteil der Stahlkästen: Sie sind schnell verfügbar.

Das haben auch Firmen schnell erkannt und genutzt: Der Verkauf von Wohncontainern für Flüchtlinge ist lukrativ, die Preise explodieren. In Hochzeiten war die Nachfrage der Städte und Kommunen weit größer als das Angebot. In Deutschland sind in den vergangenen Monaten mehrere Container-Dörfer entstanden. Die Stadt Berlin plant insgesamt 30, in jedem sollen 500 Asylbewerber Platz finden. Die Berliner Regierung aus SPD und CDU war sich einig: Im Vergleich zur privaten Anmietung, wie Zimmern in Hotels, seien die Containerdörfer die günstigste Variante. Die ersten Unterkünfte sollen Ende Juni bezugsfertig sein. Auch in Schleswig-Holstein gibt es ganze Dörfer aus Containern – sie sind bereits großteils belegt.

Asylbewerber in Containern unterbringen?

Die deutsche Bauindustrie hält wenig davon, Asylbewerber in Containern unterzubringen. Heiko Stiepelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, sagt, dass Container-Wohnungen nur Übergangslösungen für Notsituationen seien. Längerfristig müsste kostengünstig und nachhaltig geplant werden. Mittlerweile bleibt mehr Zeit, um die Unterkünfte besser vorzubereiten. Die Situation hat etwas an Not verloren, es kommen aktuell deutlich weniger Asylsuchende in Deutschland an als erwartet. Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund sieht deswegen eine Tendenz zum sozialen Wohnungsbau oder Modulbau. „Eine Fläche von 90 Quadratmetern kann man schnell in drei Wohnungen aufteilen“, sagt Düsterdiek. Denn: „Containersiedlungen sind keine Dauerlösung.“

Der Meinung schließt sich Peter Dussl von der Firma Conhouse an. Conhouse fertigt seine Modulbauten aus Stahlelementen – ähnlich der Container. In eigener Initiative plant die Firma derzeit in Nürnberg mehrere Unterkünfte für Asylbewerber. Die Wohnungen umfassen jeweils 60 Quadratmeter mit Küche und einem eigenen Bad. Sie sind auf lange Sicht geplant. Viele Gemeinden hätten schäbigere Container umgebaut, nach dem Motto „das tut’s“. Doch bei Containern gelte dasselbe wie bei der Massivbauweise: „Man muss es richtig machen, dann sind es hochwertige Gebäude.“ Und dann könnten sie auch nachhaltig genutzt werden: „Wir rechnen damit, dass wir die Module nach fünf bis zehn Jahren abbauen und an anderer Stelle wieder aufbauen“, sagt Dussl.

Etwa für Studenten. Auch sie wohnen zeitlich beschränkt in kleinen Würfeln. Doch als Notlösung betrachtet das kein Student. Im Gegenteil: Die „micro-compact homes“ des Studentenwerks in München sind beispielsweise sehr beliebt. Und das, obwohl die Würfel winzig sind.

Er misst nur sechs Quadratmeter. Diese Fläche muss ein Hundezwinger laut Tierschutzverordnung mindestens haben. Der Flur ist hier gleichzeitig Bad: Über den Duschboden betritt man den Wohnraum, rechts drängt sich ein weißes Klo, die Winterjacken hängen in der Dusche. Wer sie benutzen will, muss vorher die Garderobe räumen.

Mit ein wenig Organisationstalent genug Platz für den Alltag eines Studenten. Den meisten ist vor allem eins wichtig: Privatsphäre. Trotz der Beliebtheit gibt es in Deutschland nicht viele Container-Studentenstädte. Sie sind wegen der geltenden Bauverordnungen beinahe so teuer wie ein Wohnheim. Die deutsche Bauindustrie sieht deswegen auch bei Studentenunterkünften keine nachhaltige Lösung mit Containern. „Vielversprechender sind ganz normale Wohngebäude, die so flexibel geplant sind, dass sie uns heute helfen, die akute Wohnungsnot von Flüchtlingen in den Griff zu bekommen und morgen als Studentenwohnungen nachgenutzt werden können“, sagt Stiepelmann. Darauf setzen die deutschen Unis deswegen mittlerweile.

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Ein Artikel von
Carolin Oefner

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Ressort: Lokalnachrichten


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