Montag, 11. Dezember 2017

12. Oktober 2017 07:00 Uhr

Augsburg

Kolumne Elternzeit: "Ball! Traktor! Kuh!"

Sprache ist vielmehr als Sprechen. Welche Rolle die Oma beim Lernen spielt und warum Franzosen kein „H“ sprechen können.

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Auch beim Bilder anschauen lernen Kinder eine ganze Menge.
Foto:  Symbolbild Andrea Warnecke (dpa)

Japanische Babys verlieren irgendwann während ihrer ersten Lebensmonate die Fähigkeit zwischen „l“ und „r“ zu unterscheiden. Ist kein großes Ding, weil im Japanischen spielen diese Laute keine Rolle. Viel spannender ist etwas anderes – und das verbindet die japanischen Babys mit ihren Altersgenossen überall auf der Welt: dass Babys und Kleinkinder innerhalb von so kurzer Zeit eine Sprache lernen. Und das im Wesentlichen durch Zuhören und Nachplappern. Damit liegt der Ball wieder in unserem Feld. Bei uns Eltern.

Unser Kind soll zwar nicht Japanisch lernen. Aber dennoch nicht nur eine Sprache, sondern zwei. Denn seine Mama ist Französin und die Hälfte der Familie lebt in Frankreich. Wie soll das denn sonst gehen, wenn eine Oma nicht mit ihrem Enkel reden kann? Eben! Aber viel wichtiger: Wie soll man als Mutter oder Vater mit seinem Kind in einer Fremdsprache reden? Egal wie lange man schon in einem anderen Land lebt: Die Sprache, mit der man aufgewachsen ist, bleibt immer die Sprache des Herzens. Und als Mutter oder Vater redet man dann eben so mit seinem Kind. Ohne an so was zu denken, ist man plötzlich mittendrin in ideologischen Grabenkämpfen.

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„Die Familiensprache muss Deutsch sein!“ „Zuhause wird Deutsch gesprochen!“ so und so ähnlich hört man das nämlich regelmäßig in der endlosen Debatte um Zuwanderung und Integration. Nur, dass dann meist nicht von Familien die Rede ist, bei denen einer oder beide Elternteile aus Frankreich kommen. Weil Französisch klingt ja so toll. Und Französisch lernt man ja später im Gymnasium. „Ihr habt ja so ein Glück, dass euer Kind zweisprachig aufwächst!“, hören wir ganz oft. In der wichtigen, aber frustrierend oft fruchtlosen Diskussion geht es in der Regel um Familien, in denen Arabisch, Türkisch oder Russisch gesprochen wird. Ohne, dass sich mal einer trauen würde zu sagen, um was es auch geht: um das soziale Prestige von Sprachen. Wenn man auf die Statistiken blickt, ist Zweisprachigkeit in Augsburger Familien fast schon so etwas wie Alltag. Sagt ja keiner, dass auch diese Kinder nicht ganz dringend gutes Deutsch lernen müssen und dass Deutsch für diese Kinder vielleicht mal wichtiger wird, als die Sprache ihrer Eltern. Aber anstatt andere Sprache schlecht zu machen – und damit unausgesprochen auf den Gefühlen ihrer Sprecher rumzutrampeln, deren Kultur und Identität damit ja eng verwoben sind –, wäre es ja vielleicht auch mal toll, das Beherrschen verschiedener Sprachen allgemein als einen großen Reichtum wahrzunehmen. Wer sich angenommen fühlt, will sich vielleicht auch lieber woanders einbringen und dazugehören.

Wir sind jedenfalls gerade ungefähr auf diesem Niveau: „Ball!“ (Gut, weil in beiden Sprache fast gleich), „Auddo!“ (Laut Mama sagt er aber immer „voiture“, wenn sie alleine sind), „Ssiea!“ ( Hund sagt er nur auf Französisch – liegt das daran an, dass Franzosen Probleme haben mit einem „H“ am Wortanfang ?!), „Rrrroasa“ (Ehrlich, keine Ahnung …)

Matthias Zimmermann, 37, ist Vater eines Sohnes und hofft, dass der ihn mal nicht zu peinlich findet wegen seines deutschen Akzents im Französischen.

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Ein Artikel von
Matthias Zimmermann

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