Montag, 25. September 2017

15. November 2011 13:59 Uhr

Energiegewinnung

Kritiker fühlen sich übergangen

Die Stadtwerke wollen schon ab März bauen, doch die Initiative „Lechallianz“ vermisst die Bürgerbeteiligung.

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Sie sind nach eigenen Worten nicht gegen Wasserkraftwerke – auch nicht gegen das am Hochablass. Vertreter der Lechallianz sind trotzdem über die Pläne der Stadtwerke verärgert: Sie haben das Gefühl, dass der Bau des Restwasserkraftwerks am Hochablass über die Köpfe der Bürger hinweg schon beschlossene Sache ist. Damit verlässt die Diskussion aus ihrer Sicht die sachliche Ebene. Auch diejenigen, die nicht grundsätzlich dagegen sind, reagierten daher emotional.

Zur Lechallianz gehören zahlreiche Verbände, unter anderem der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz. Die Kritiker geben sich auch gesprächsbereit – noch könne man die notwendigen Verbesserungen realisieren: „Wir verlieren sonst mehr, als wir gewinnen“, sagt Günther Groß, einer der Sprecher der Lechallianz. Wenn er auf das geplante Restwasserkraftwerk angesprochen wird, vermisst er vor allem die Bürgerbeteiligung. Wie sein Kollege Günter Bretzel und Eberhard Pfeuffer warnt er vor allem vor einer überstürzten Vorgehensweise, die einen Baubeginn im März vorsieht.

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Bürger zweifeln an Wirtschaftlichkeit

Gemeinsam stellen die drei die Frage: „Kann ich den Hochablass opfern, wegen so einem bisschen Strom?“ Fest steht, dass das Kraftwerk für die Versorgung von 3900 Haushalten vergleichsweise klein ausfallen würde. Ziemlich klar scheint zu sein, dass die Augsburger am Rande des Naherholungsgebietes in einem Fünftel des Jahres auf trockengelegte Wehrmauern blicken werden. Das Fazit der Kritiker: „Wir sind der Meinung, das Kraftwerk ist unwirtschaftlich.“

Groß kommt es so vor, als werde das Kraftwerk am Bürger vorbei „durchgepeitscht“. Fraglich sei, ob die Wassermengen am Hochablass überhaupt für eine kontinuierliche Energiegewinnung ausreichen. Der Lech führe aufgrund des Klimawandels zu manchen Zeiten Niedrigwasser, was sich in Zukunft noch verschärfen werde. „Eine berechtige Befürchtung“, wie Groß mit Blick auf das Eisenbahnerwehr etwas weiter nördlich feststellt. Zum wiederholten Male bekräftigen die Vertreter der Lechallianz „nicht prinzipiell gegen Wasserkraft und auch nicht gegen das genannte Kraftwerk“ zu sein. Jedoch sind sie auch für die Einhaltung strenger Vorgaben, soll das Bauwerk den Ansprüchen einer Umweltstadt Augsburg gerecht werden. Moniert wird, dass niemand aus dem Kreis der Umweltschützer je eine Computer-Simulation des Unterwasser-Kraftwerks gesehen habe. Beim Erörterungstermin sei lediglich ein schlechtes Bild herumgereicht worden.

Die Ortsgruppe des Bund Naturschutzes war zu einer Stellungnahme aufgefordert worden, sieht ihre Einwände aber nicht berücksichtigt. Für eine fundierte Beurteilung mit anschließender Genehmigung des Projekts haben die Antragsunterlagen ihrer Meinung nach nicht die geforderte Qualität. Unter anderem fehle die fischökologische Untersuchung. „Augsburg sollte eigentlich wissen, dass mit solchen Maßnahmen Widerstand erzeugt wird“, sagen die Naturschutz-Vertreter. „Die Bevölkerung wird Sturm laufen“, mutmaßen Groß und seine Mitstreiter, nach deren Überzeugung am Rande des Naturschutzgebietes besonders hohe Standards gesetzt werden müssten. Wenn schon bis zu zehn Millionen Euro in das einfach zu realisierende Kraftwerk investiert werden, sollten die Stadtvertreter und Planer über intelligente Alternativen nachdenken. Auch Solarenergie sei ein Thema, das zusammen mit den Bürgern auf Industriedächern realisiert werden könne.

Von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird laut Stadtwerke-Projektleiter Anton Asam nun vieles abhängen. Wenn das Kraftwerk wegen der schwierigen Bodenverhältnisse mehr koste, sagt er, „brauchen wir einen neuen Beschluss vom Aufsichtsrat“. Seiner Einschätzung zufolge ist rechtlich aber alles „ganz sauber gelaufen“.

Die Stadtwerke verteidigen ihre Pläne

Er plädiert wegen der optimalen Voraussetzungen weiter für die Anlage, die er als sinnvolle Investition in die Zukunft erachtet. Zunutze mache man sich, dass bereits eine Staumauer vorhanden ist. Und auch die Energiegewinnung von elf Millionen Kilowattstunden pro Jahr (bei durchschnittlich 2400 Kilowattstunden pro Haushalt) sei viel.

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