Sonntag, 23. April 2017

13. Juli 2013 00:33 Uhr

Kongress am Park

Neun Beweise von Bedeutung

Die zweite Jahresausstellung ist Karl Kunz (1905–1971) gewidmet und zeigt, wie unbeirrt der Augsburger Maler seine eigene künstlerische Wirklichkeit schuf Von Hans Krebs

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Es hätte auch umgekehrt sein können, nämlich erst Karl Kunz (1905 bis 1971) und dann Georg Bernhard (geb. 1929). Das wäre eine chronologische Folge der Kunstpräsentation im Kongresszentrum am Wittelsbacher Park gewesen. Bernhard hat Kunz persönlich gekannt, ihn als „unbedarfter junger Spund“ in seinem Augsburger Atelier besucht und als einen „zurückgezogenen Menschen“ in Erinnerung. Bernhard weiß auch noch um die schockartige Wirkung der drei Ausstellungen von Ende 1945 bis 1947 im Schaezlerpalais, die Karl Kunz mitorganisiert hatte, um die Nachkriegskunst wieder an die von den Nazis gekappte Moderne anzuschließen.

Kunz selbst war 1933 als „Entarteter“ gebrandmarkt und seiner Tätigkeit auf Burg Giebichenstein (mit dem Bauhaus korrespondierende Kunstgewerbeschule in Halle/Saale) entbunden worden. Zurückverwiesen auf den väterlichen Furnierhandel in Augsburg, malte Kunz trotz Berufsverbot heimlich weiter und musste erleben, wie in der Augsburger Bombennacht 1944 fast seine ganze künstlerische Arbeit von 20 Jahren vernichtet wurde.

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Massiv und konvulsiv mit dem Raum verzahnt

Sein Neuanfang nach dem Krieg und der Anfang von Georg Bernhard fielen ungefähr zusammen. Doch wie unterschiedlich, wiewohl beide der menschlichen Figur verpflichtet, sind ihre künstlerischen Aussagen! Hier der so feinnervig wie schemenhaft aus der Rohrfeder geborene, auf sich selbst bezogene Mensch des Georg Bernhard, dort der so massiv wie konvulsiv mit dem Raum verzahnte Mensch des Karl Kunz. Nach Bernhard und Kunz könnte bei der Jahresausstellung 2014 ein Künstler der jüngeren Generation eine dritte Position des Menschenbildes aufzeigen.

So erwägt es Stefan Schrammel als Vorstand der „Gesellschaft für Gegenwartskunst“ (GfG). Sie ist für das Ausstellungskonzept des 2012 wiedereröffneten Kongresszentrums von dessen Geschäftsführer Götz Beck gewonnen worden.

Zusammenspiel mit dem nüchternen Sichtbeton

Es geht darum, den nüchternen Sichtbeton der 1972er Architektur von Max Speidel künstlerisch aufzuladen. Das geschieht nach der zweijährigen energetischen Sanierung vor allem durch variierende Lichtmilieus, aber auch durch die im Jahresturnus wechselnden Ausstellungen regionaler Künstler. Die Ausstellungsfläche an den Foyerwänden engt sich allerdings durch das neue Beleuchtungskonzept ein.

So sind es diesmal bei Karl Kunz lediglich neun Gemälde der Jahre 1954 bis 1970. Es handelt sich um Leihgaben des in München lebenden Kunz-Sohnes Michael, allesamt in Öl auf Hartfaserplatte ausgeführt und beweiskräftige Beispiele dafür, wie dieser Augsburger Maler und Zeichner dem geradezu doktrinären Nachkriegsverlangen nach Abstraktion und Informel widerstand und fortfuhr, mit seiner im Kubismus und Surrealismus wurzelnden Kunst eine eigene Wirklichkeit zu schaffen.

Der Kunstbetrieb lohnte es ihm nicht, obwohl er noch 1954 auf der 51. Biennale von Venedig im Deutschen Pavillon vertreten war. Die jetzige Augsburger Schau mit ihren plakativen Figurationen bedeutet einen weiteren Schritt auf dem Weg neuer Wertschätzung. Es folgt am 30. März 2014 die Eröffnung einer Kunz-Ausstellung im Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum.

Der jüngere Sohn des Künstlers, Wolfgang Kunz in Berlin, hat Anfang dieses Jahres das grafische Werk seines Vaters zusammengefasst (Verlag St. Johann GmbH, Saarbrücken; 40 Euro) und hofft auf Förderung bei der Erstellung eines Werkverzeichnisses der Gemälde. Wie prägend das ausfallen könnte, davon geben der im Kongresszentrum aufliegende Prospekt, eine (leider bereits vergriffene) Begleitpublikation und natürlich die Ausstellung selbst einen Vorgeschmack.

Laufzeit der Kunz-Ausstellung bis Mai/Juni 2014. Besichtigung zu Veranstaltungszeiten oder nach telefonischer Vereinbarung unter 0821/4553550.

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