Freitag, 29. Juli 2016

15. Januar 2016 05:40 Uhr

Augsburg

Sie nähte ein Jahr ihre Kleidung - und kaufte nichts 

Marina Scharrer verzichtete zwölf Monate auf neue Kleidung aus dem Geschäft. Stattdessen nähte sie, was sie brauchte.

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Ein Jahr lang hat sich Marina Scharrer nichts Neues zum Anziehen gekauft. Alles, was sie im Schrank vermisste, hat sie stattdessen selbst genäht. Ihre Bilanz: 52 neue und individuelle Teile – so wie das Shirt, das sie auf dem Foto trägt.
Foto: Anne Wall

Wie viele Frauen würden einen solchen Plan fassen? Ein Jahr lang wird keine Kleidung gekauft. Stattdessen würde sie sich immer dann an die Nähmaschine setzen, wenn sie etwas Neues braucht. Mit diesem Vorsatz startete Marina Scharrer ins Jahr 2015. Die Bilanz zwölf Monate später: rund 50 neue Outfits, kein „Shopping-Schwächeanfall“ und viele Erkenntnisse über sich, das Nähen und die Kleidungsindustrie.

Wie sie auf die Idee kam, ist schnell erzählt: „Ich hatte angefangen zu nähen, worauf schnell die ersten Besuche in Stoffgeschäften und Stoff-Hamsterkäufe folgten.“ Irgendwann geschah, was viele Hobby-Schneiderinnen kennen: Das Stofflager – voll. Die Zeit zum Nähen – zu wenig. Also wurden doch wieder Klamotten gekauft. „Ich gab also doppelt Geld aus: für Stoffe und für Kleidung.“ Marina Scharrer wollte raus aus dieser Spirale. Große Näh-Erfahrung hatte sie Anfang letzten Jahres noch nicht. Könnte sie eine Jeans selber nähen? Ein Abendkleid, das sie für eine Hochzeit im Sommer brauchte? „Das waren Herausforderungen, aber ich habe gelernt, dass man sich die Dinge einfach trauen muss.“ Natürlich stieß die 28-Jährige, die am Samstag beim Kreativtag „Stoff & Schnitt“ im Abraxas (siehe unten) dabei ist, auf Hürden. „Beim Einkaufen habe ich früher immer zehn Teile mit in die Kabine genommen, um eines zu finden, das mir gefällt.“ Beim Nähen fehlt diese Auswahlmöglichkeit. „Man muss sich schon vor dem Stoffkauf Gedanken machen, welche Farbe einem steht und welcher Schnitt.“

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Man muss exakter planen

So stellte sich Marina Scharrer zum ersten Mal die Frage nach dem eigenen Stil, lernte sich und ihren Körper besser kennen: „Ich weiß jetzt, wo ich die Schnitte beim Nähen abändern muss, da mein Körper da nicht der Norm entspricht.“ Auch die Frage, was in einem Kleiderschrank unbedingt vorhanden sein muss, um zu allen Gelegenheiten passend angezogen zu sein, stellte sich die junge Frau erst mit dem Start ihres Projekts. Wenn man alles selbst näht, muss man exakter planen, was man wann braucht; vor allem, wenn das Nähen nur Berufung ist und der Vollzeitjob – Scharrer ist Veranstaltungskauffrau – einen komplett fordert.

Ihre Erfahrungen mit dem einkaufslosen Jahr hat die 28-Jährige in ihrem Blog „metterlink“ geteilt. Es ist, soweit Marina Scharrer weiß, der einzige Näh-Blog, der in Augsburg entsteht. Übers Bloggen kam Marina Scharrer überhaupt erst zu ihrem Hobby: „Ich habe schon immer gerne Blogs gelesen, auch übers Nähen.“ Irgendwann wollte sie selbst einen haben.

Der Bruder hilft

Ihr Bruder hilft ihr, was die Technik betrifft, und macht die Fotos für die regelmäßigen Online-Beiträge. Auf ihr einkaufsloses Jahr hat die 28-Jährige viele positive Rückmeldungen bekommen. „Das hat mich in dem, was ich gemacht habe, oft bestätigt.“ Ihre Einstellung zu Kaufkleidung hat sich seitdem sehr verändert. „Socken, Strümpfe und Schuhe habe ich mir auch vergangenes Jahr gekauft, weil man sie nicht nähen kann.“ Weil sie aber nur selten in Geschäften war, legte sich Marina Scharrer nur dann neue Sachen zu, wenn es unbedingt nötig war. Und: „Ich achte jetzt darauf, faire Kleidung zu kaufen und nur das mitzunehmen, was ich tatsächlich brauche und was alle meine Anforderungen erfüllt.“

Und nun, im neuen Jahr? Marina Scharrer will ihr Projekt weiterführen, aber sich nicht mehr jeden Kauf verbieten. Allerdings wird es in nächster Zeit gar nicht nötig sein, die Garderobe aufzustocken: „Ich habe nach meinem Projekt so viele schöne Sachen im Schrank, in denen ich mich wohlfühle, dass ich eigentlich kaum Neues brauche.“ Und dann ist ja da auch der Stoffschrank, der auch nach einem Jahr intensiven Nähens noch recht voll ist...

Ein Termin für alle Nähbegeisterten

Stoffe, Schnittmuster einer Designerin, Wissenswertes über Nähmaschinen, Bücher für Selbermacher und vieles mehr gibt es diesen Samstag bei „Stoff & Schnitt“ im Kulturhaus Abraxas. Geöffnet ist von 9 bis 18 Uhr. Dahinter verbirgt sich ein Kreativtag unter dem Motto „Besser selber schneidern“, organisiert wird er von Schnittdesignerin Stefanie Kroth (Kissing) und Stoffdesignerin Ines Weizenegger (Karlotta Pink, Schweiz) und Sarah Mundanjohl (Meterwerk Augsburg). Mit dabei sind unter anderem Gudrun Kölz vom Nähtreff Schmiechen, Raphael Wilhelm (Nähmaschinen) und viele mehr. Gedacht ist der Tag für alle Nähbegeisterten, die sich über Schnittmuster und Stoffe informieren oder sie kaufen wollen. Es gibt außerdem Kurse zu Themen wie Schnittmuster anpassen, Necessaire und Dessous nähen, Jeansrock-Upcycling oder Watercolor Quilts, Marina Scharrer gibt Tipps zum Bloggen.

An den Workshops kann man ohne Anmeldung teilnehmen. Der Eintritt zu „Stoff & Schnitt“ ist frei. Bereits am Freitag findet ein „Nasch-markt“ statt, er ist allerdings ausverkauft.

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Nicole Prestle

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Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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