Donnerstag, 18. Januar 2018

22. Oktober 2017 07:35 Uhr

Augsburg

Stadt kämpft um Pfand-Kaffeebecher

Umweltreferent Reiner Erben hätte gerne ein einheitliches Pfandsystem für Mehrwegbecher. Warum aber zum Beispiel Bäckereien lieber eigene Wege gehen.

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Täglich werden in Augsburg geschätzte 27.000 Einwegbecher genutzt und dann entsorgt. Ein Pfandsystem als Ersatz ist zunächst gescheitert.
Foto: Silvio Wyszengrad

Jeden Tag landen allein in Augsburg schätzungsweise rund 27000 Einweg-Kaffeebecher im Müll. Etlich davon schlimmstenfalls in der Natur. Umweltreferent Reiner Erben will weiter darum kämpfen, Bäckereien und Cafés von einem einheitlichen Pfandsystem mit Mehrwegbechern zu überzeugen. Die Bemühungen seiner Partei (Grüne) und der SPD haben nämlich einen herben Dämpfer erlitten. Das Pfandsystem der Firma Recup, das die Stadt neulich einigen Betrieben vorgestellt hat, hat diese aus verschiedenen Gründen nicht überzeugt.

Der Grundgedanke sei absolut richtig und wichtig“, sagt Stefan Wolf von der gleichnamigen Bäckerei mit den zahlreichen Filialen. „Man muss schon sehen, was da an sinnlosem Müll produziert wird.“ Dennoch glaube er nicht an das Konzept des Start-Up-Unternehmens Recup. Wie berichtet, offeriert die Münchner Firma der Gastronomie Becher aus dem Kunststoff Polypropylen, der als recycelbar gilt. Die Becher können 500 Mal verwendet werden. Für einen Euro Pfand kann der Kunde der teilnehmenden Cafés das To-Go-Gefäß behalten und auch in anderen Gastro-Betrieben zurückgeben.

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Die Deutsche Umwelthilfe geht davon aus, dass sich ein Mehrwegbecher bereits nach fünfmaligem Gebrauch ökologisch lohnt. In sieben deutschen Städten ist das Recup-System mit einer eigenen Edition eingeführt, darunter auch in München. Zudem habe man deutschlandweit 400 Betriebe als Partner, heißt es bei Recup. An die 60.000 Mehrwegbecher seien derzeit im Umlauf. In Augsburg gilt es aber als vorerst gescheitert. Die Betriebe gehen lieber eigene Wege.

Eigene Becher mitbringen

„Letztendlich sind diese Mehrwegbecher auch aus Kunststoff und liegen irgendwann im Gebüsch“, befürchtet Stefan Wolf bei dem Recup-System. Zudem findet er einen Euro Pfand als Anreiz, um den Becher aufzubewahren, zu gering. Seine Bäckerei wolle lieber ein internes Mehrwegsystem ohne Plastikbecher einführen. Man sei gerade am Testen. Abgesehen davon könne der Kunde seinen eigenen Becher mitbringen und befüllen lassen, betont der Geschäftsführer. So wird es auch in anderen Bäckereien oder Gastrobetrieben in der Stadt gehandhabt.

Im Henry’s am Rathausplatz etwa bekommt der Gast sogar 30 Cent Rabatt, wenn er seinen eigenen Kaffeebehälter dabei hat, erzählt Betreiberin Katharina Ertl, die seit wenigen Wochen auch eigene Mehrwegbecher anbietet. In seiner Bäckerei seien die Einwegbecher für das kommende Jahr zwar schon bestellt, berichtet Christian Balletshofer. Aber man beschäftige sich derzeit mit dem Thema kompostierbare Trinkgefäße. „Wir schauen, dass wir uns ökologisch aufstellen.“

Die Landbäckerei Ihle plant, noch in diesem Jahr ein eigenes Mehrwegsystem einzuführen. „Weil eine abgestimmte Lösung auf sich warten lässt“, meint Geschäftsführer Willi-Peter Ihle. Sein Kollege vom Qualitätsmanagement, Jürgen Schweier, sagt, man sei von der Becher-Qualität der Firma Recup nicht überzeugt. Zudem lebe dieses System von den Lizenzkosten. „Wir steuern die Dinge lieber selber.“ Umweltreferent Reiner Erben bedauert, dass bei den Firmen noch keine Bereitschaft zur Teilnahme an einem gemeinsamen System zu erkennen ist. „Ich hätte mir gewünscht, für einen Pilotversuch eine der großen Augsburger Bäckereien gewinnen zu können.“ Aber man wisse aus anderen Städten, dass viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse.

So lief es in Freiburg

Einer, der das bestätigen kann, ist Michael Broglin, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg. Die Stadt im Breisgau war die erste deutsche Kommune mit einem eigenen Mehrwegsystem. Im November 2016 wurde der FreiburgCup eingeführt, ein Becher aus spülmaschinenfestem Kunststoff mit eigenem Stadtlogo darauf. Das Konzept ist das, wie bei Recup. Anfangs machten 16 Betriebe mit, inzwischen sind es 92, erzählt Boglin. Dennoch habe man in Freiburg auch das Problem, Großbäckereien zu gewinnen. „Ihnen ist das eigene Branding wichtig.“ In Wasserburg am Inn hat man eine etwas andere Erfahrung gemacht.

In der kleinen Stadt sowie in der größeren Nachbarstadt Rosenheim wird mit Recups gearbeitet. Auch die dort ansässige Großbäckerei Bergmeister, die 19 Filialen hat, ist dabei. „Bei den Teilnehmern werden diese Becher als gute Werbung betrachtet, weil sie ihnen ein nachhaltiges Image verpassen“, berichtet Wasserburgs Klimaschutzmanager Josef Allio und fügt hinzu: „Aber wir sind eine Kleinstadt. Viele Leute hier sind bedacht. Das ist nicht so, wie in großen Städten, wo jeder gerne sein eigenes Süppchen kocht.“ Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben will nicht aufgeben: „Die Stadt wird ihre Bemühungen für ein Pfandsystem fortsetzen.“ Ein Augsburger Café gibt es allerdings, das die Mehrwegbecher der Startup-Up-Firma Recup künftig verwendet: Im „Bricks“, das demnächst in der Maximilianstraße neu eröffnet, will man diese Becher ausgeben. „Wenn wir den ersten Schritt machen, gehen andere vielleicht mit“, sagt die 23-jährige Betreiberin Nadja Weinrich. Man wolle bei bestimmten Themen „first mover“ sein, auch beim Umweltschutz. „Wenn es die Kunden annehmen, ist es gut. Wenn nicht, liegt das nicht an uns“, fügt ihr Geschäftspartner Fabian Sageder dazu.

Sollte das mit dem Pfandsystem gar nicht klappen, sagt Grünen-Politiker Erben, müssten die Menschen sensibilisiert werden, auf Einweggefäße zu verzichten. Doch erst mal landen weiterhin in Augsburg täglich um die 27.000 der To-Go-Becher im Müll.

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Ina Kresse

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