Donnerstag, 18. Januar 2018

15. Juni 2010 05:24 Uhr

Triumph der Kontur

Ob ein Mensch gegenständlich zeichnen kann, ist häufig schon an der Kontur, am Umriss des Dargestellten, abzulesen. Picasso war ein Meister auch darin. Viele seiner Zeichnungen und Radierungen (und auch seine berühmten, filmisch festgehaltenen Taschenlampen-Zeichnungen in der Nacht) überwältigen allein durch Konturen. Es bedarf gar nicht abgestufter Schraffuren oder Tönungen, um Tiefe und Plastizität und Lichtverhältnisse zu "konstruieren".

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Schauen wir uns diesbezüglich im Zentrum für Gegenwartskunst (H2, Glaspalast) die jüngste Ausstellung der Augsburger "Gesellschaft für Gegenwartskunst" an. Sie präsentiert unter dem Titel "schwarz auf weiß" in drei abgedunkelten Kammern rund drei Dutzend Arbeiten auf Papier von zum Teil großen Namen der jüngeren und jüngsten Kunstgeschichte - zusammengestellt aus Galerienbesitz und Privateigentum.

Das älteste Blatt stammt von dem Schriftsteller Victor Hugo (1801 - 1885), auf dessen Teilhabe an der Geburt der Abstraktion eine Frankfurter Ausstellung vor gut zwei Jahren hingewiesen hat. In Augsburg aber sind keine Hugo-"Kleckse" und ihre Uminterpretation ins Gegenständliche zu sehen, sondern "Species" des Menschen - dargestellt als leicht karikierte Umriss-Profile.

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Mit breiter und weicher Bleistift-Mine

Sprung ins 20. Jahrhundert. Nun ist es Ernst Ludwig Kirchner, dem die Kreide-, Tusche- oder Kohle-Kontur reichen kann, um treffend drei kniende Akte bzw. einen Eishockeyspieler zu umreißen. Und wieder ein paar Jahrzehnte später beweist Andy Warhol, dass er viel, viel mehr konnte, als in einer Kunst-Factory arbeiten zu lassen. Sein Bleistift-Strich in Porträts und (Halb-)Akten ist so sicher und fest wie der von Picasso und Matisse - selbst wenn er wie bei "Vesuv" eine breite, weiche Mine nutzt. - Sprung ins 21. Jahrhundert. Thomas Houseago (*1972) zeichnet sich selbst. Wie aber tut er es? Mit sparsamer, strenger, stilisierter Linie. Sein Selbstporträt könnte das Abbild eines romanischen Christuskopfes sein. Wieder triumphiert die Kontur. Und letztlich bleiben auch die gezeigten Beispiele von Tobias Rehbergers dokumentarischen Aufrissen (Felsen/Vereinsheime) nichts anderes als perspektivenlose Ansichten. Letzter Künstler in diesem Bunde: Georg Baselitz mit einem Bleistift-Stillleben.

Hingegen sind die vier Baselitz-Tusche-Aquarelle "Am Boden" (nicht auf dem Kopf stehend!) in ihren Ergänzungen einer liegenden Figur malerischer, flächiger, expressiver gehalten.

Bergdorf-Ansicht von Alberto Giacometti

Wollte man nun die Gegenstücke benennen zu jenen geschilderten Zeichnungen, die den Umriss favorisieren, so müsste zuerst Jean Dubuffet erwähnt werden mit seiner "Personage discourant" (1960), die zart ins Detail geht, sodann Andreas Hofer (*1963) mit seinen plastisch ausgearbeiteten Arthur-Rimbaud-Bleistift-Porträts, auch Rosemarie Trockel mit ihren halb surrealen, halb albtraumhaften Tusche-Skizzen - und natürlich Alberto Giacometti in der relativ großen, feinnervig ausgearbeiteten Bergdorf-Ansicht "Stampa". Schließlich Gerhard Richter und seine außergewöhnliche Tusche-Arbeit "Abstract VII 91": Das Blatt ist gleichsam eine Schwarzweiß-Fassung einer seiner starkfarbigen Aquarelle, in denen Pigment-Flächen ineinander verschwimmen.

Um aber die konstruktiv wirkenden Arbeiten von Wade Guyton (*1972) einschätzen zu können, ist es fast ein wenig zu dunkel in der dritten Kammer.

Ausstellungsdauer Bis 22. August, Di. von 10 bis 20 Uhr, Mi. bis So. von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 7,-/5,50 Euro. Ein Katalog wird noch erscheinen.

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Ein Artikel von
Rüdiger Heinze

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