Mittwoch, 29. Juni 2016

06. März 2015 10:30 Uhr

Augsburg

Überfall auf Juwelier: So raffiniert versteckten die Täter ihre Beute

Nachdem der Raubüberfall auf einen Augsburger Juwelier bei Aktenzeichen XY vorgestellt wurde, gibt es nun neue Details. Die Bande arbeitete mit raffinierten Tricks.

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Nach dem Überfall auf einen Juwelier in Augsburg fasste die Polizei zwei Männer. Sie sollen zu einer Bande gehören und für viele Taten verantwortlich sein.
Foto: Silvio Wyszengrad

Den 16. Dezember werden die Mitarbeiter, die an diesem Tag im Juweliergeschäft Herbert Mayer in der Annastraße stehen, nicht vergessen. Zwei Räuber überfallen das Geschäft. Die Täter bedrohen die Angestellten, sie nehmen mehrere Dutzend Uhren mit einem Verkaufswert von mehr als einer Million Euro mit. Die Mitarbeiter haben die beklemmenden Erlebnisse relativ gut verarbeitet, sagt Geschäftsführer Christoph Sieber. Er hat den Überfall selbst miterlebt.

Was den Mitarbeitern geholfen hat, war der Fahndungserfolg. Ein Passant und ein Beschäftigter des Juweliers verfolgten die Räuber auf ihrer Flucht durch die Stadt. Sie lotsten per Handy die Polizei – bis die Beamten zuschlugen und die Täter, 37 und 47 Jahre alt, auf offener Straße überwältigten. Dabei gab es, wie jetzt bekannt wird, eine dramatische Szene.

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Ein Täter zielte mit seiner täuschend echten Schreckschusswaffe auf die Verfolger. „Es ist zum Glück alles gut gegangen, alle Beteiligten haben hervorragend reagiert“, sagt Christoph Sieber. „Es ist einfacher, das Erlebte zu verarbeiten, wenn man weiß, dass die Täter ermittelt sind.“ Die Experten der Kripo sind sich zwischenzeitlich sicher, dass sie eine internationale Raubserie von enormem Ausmaß klären können. Am Mittwoch stellten sie den Fall auch in der TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ vor.

Überfall in Augsburg: Täter raubten Luxusuhren

Inzwischen sind neue Details bekannt, wie die Räuber bei ihren Taten vorgingen. Lev Galyamov und Sergey Gulakov, beide kommen aus dem Nordwesten Russlands, sind wohl Mitglieder einer Bande, der zahlreiche weitere Täter angehören.

Dazu gehören Helfer, Organisatoren und vermutlich auch Frauen, die vorab die Juweliere ausgekundschaftet haben. Bei zahlreichen Überfällen in Deutschland und anderen europäischen Ländern in den vergangenen 15 Jahren soll die Bande Beute im Wert von mehreren Millionen Euro gemacht haben. Die beiden jetzt Festgenommenen sind vor den Überfällen wohl auf jeweils unterschiedlichen Wegen von Russland nach Deutschland gereist – und nach den Taten schnell wieder aus dem Land verschwunden.

Ihre Beute, überwiegend Luxusuhren, haben sie den Ermittlungen zufolge nach der Taten zuerst vergraben. Später sollen dann Helfer die Beute wieder geborgen haben, sagt Hauptkommissar Peter Frodl. Experten zufolge lassen sich Uhren auf dem Schwarzmarkt gut zu Geld machen; besser als andere Schmuckstücke.

Die Polizei entdeckte in Augsburg einen Mietwagen, den die Räuber benutzt hatten. Darin lagen nicht nur Ausweispapiere. Die Beamten fanden auch einen Spaten und Behältnisse, in denen die Täter die Uhren wohl verpackten, bevor sie sie in der Erde vergraben haben.

Haben zwei Frauen die Juwelierläden ausspioniert?

Wie groß das kriminelle Netzwerk wirklich ist, wissen die Ermittler nicht. Auf einige Komplizen der Räuber gibt es aber eindeutige Hinweise. So waren bei früheren Überfällen mindestens zwei weitere Täter beteiligt. Zudem sollen zwei Frauen zur Bande gehören, welche die Juwelierläden ausspionieren. Von den Frauen gibt es ein Bild einer Überwachungskamera. Sie waren am Tag vor dem Raub, gegen 12.30 Uhr, beim Juwelier Herbert Mayer und ließen sich Uhren zeigen. Die Ältere der Frauen sprach Russisch, die Jüngere übersetzte. Die Ermittler vermuten auch, dass die Räuber bei Helfern in Deutschland übernachten konnten.

Ein wichtiges Beweisstück in dem Kriminalfall ist eine Outdoor-Jacke der Marke „Jack Wolfskin“. Einer der Täter hatte sie im vorigen Jahr, nach einem Überfall in Fürth bei Nürnberg, auf der Flucht zurückgelassen. Zeugen brachten die Jacke später zur Polizei. Auf ihr finden sich DNA-Spuren von einem der Räuber, die nun in Augsburg festgenommen worden sind. Der genetische Fingerabdruck passt noch zu weiteren Überfällen aus der Vergangenheit, heißt es.

Der Fall aus Fürth ist auch ein Beispiel dafür, wie rücksichtslos die Täter vorgegangen sind. Ein Video aus dem Geschäft zeigt, wie einer der Täter eine Angestellte, die sich anfangs wehrt, grob durch den Verkaufsraum zerrt. Eine ältere Mitarbeiterin bricht zusammen und kauert am Ende auf dem Boden.

Hinweistelefon Die Kripo Augsburg ist erreichbar unter 0821/323-3810.

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Ein Artikel von
Jörg Heinzle

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg



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