Donnerstag, 23. November 2017

19. Mai 2017 14:45 Uhr

Augsburg

Umplanung bei der Flugplatzheide: Freistaat baut anders

Trotz der Proteste von Naturschützern bereitet der Freistaat weiter den Neubau von Flüchtlingsunterkünften auf der Flugplatzheide vor. Allerdings wird jetzt anders gebaut. Von Eva Maria Knab

i

Auf der Flugplatzheide soll gebaut werden.
Foto: Michael Hochgemuth

Über ein Jahr lang haben Naturschützer um den Erhalt der historischen Augsburger Flugplatzheide gekämpft. Jetzt treibt der Freistaat die Bebauung der wertvollen Naturfläche in Haunstetten weiter voran. Am Bischofsackerweg sollen Wohnungen vor allem für rund 300 anerkannte Flüchtlinge entstehen. Allerdings wird das Bauvorhaben jetzt noch einmal umgeplant und kommt später.

Die ersten Pläne für die neuen Unterkünfte am Bischofsackerweg waren vor dem Hintergrund der großen Flüchtlingskrise entstanden, als Hunderttausende Menschen nach Deutschland strömten. Deshalb sei ursprünglich geplant gewesen, möglichst viele Wohneinheiten auf dem Gelände nahe dem Landesamt für Umwelt unterzubringen, sagt Ulrich Blickle, Leiter des Staatlichen Bauamtes. Vorgesehen waren 13 Häuser. Die 79 Wohnungen sollten aber nur je 45 Quadratmeter groß sein – für eine vierköpfige Familie.

ANZEIGE

Diese Woche entschied die Oberste Baubehörde des Freistaates: Es wird noch einmal umgeplant. Nun soll es eine Mischung aus größeren und kleineren Wohnungen geben. So können auch Familien mit bis zu acht Personen untergebracht werden. Fachleute gehen davon aus, dass mit dieser Lösung etwa zehn Prozent weniger Personen in der Anlage am Bischofsackerweg leben werden und die Wohnungen besser vergeben werden können. Denn neben anerkannten Flüchtlingen sollen auch Einheimische mit niedrigem Einkommen einziehen.

Flüchtlingsunterkünfte sollen rund neun Millionen Euro kosten

Das Vorhaben entsteht im Rahmen des bayerischen Sofortprogramms „Wohnungspakt Bayern“ und soll neun Millionen Euro kosten. Es wird nun in einem Schritt realisiert und nicht mehr in einzelnen Abschnitten. Laut Blickle gibt es damit einen neuen Zeitplan: Der Landtag werde voraussichtlich erst Ende dieses Jahres die Finanzierung für das Projekt freigeben. Vorarbeiten, etwa der Archäologen, sollen im Frühjahr 2018 laufen. Baubeginn werde frühestens im Herbst 2018 sein, geplante Fertigstellung Ende 2019.

Für das staatliche Bauamt ist es nicht die erste Umplanung bei dem Projekt, das mit Blick auf den Naturschutz äußerst umstritten ist. Die Naturschutzallianz heimischer Verbände kämpft für den kompletten Erhalt des letzten Heiderestes mit vier Hektar Fläche. Dort leben rund 85 geschützte Tier- und Planzenarten, die man teilweise woanders in Augsburg kaum noch findet. Auch das bayerische Umweltministerium hat die Fläche in Teilen als naturschutzfachlich besonders wertvoll eingestuft und gefordert, das Bauvorhaben müsse darauf abgestimmt werden.

Deshalb hatte der Freistaat schon im vergangenen Jahr die ersten Baupläne geändert, um den Eingriff in die Natur zu verringern. Die vorgesehenen Gebäude am Bischofsackerweg wurden anders angeordnet. Parallel wurde entschieden, die dann noch verbleibende Restfläche unter Schutz zu stellen. Zuständig dafür ist die Stadt Augsburg. Laut Umweltreferent Reiner Erben ist geplant, die Flugplatzheide als „geschützten Landschaftsbestandteil“ auszuweisen und das Schutzverfahren noch in diesem Jahr zu eröffnen. Ziel der Stadt sei, das Schutzgebiet auf eine Größe von sechs Hektar auszudehnen, damit also auch auf angrenzende Bereiche.

Ein Problem dabei: Einige der geschützten Tierarten werden nach Einschätzung des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben in enger Nachbarschaft zu Menschen kaum überleben, weil sie empfindlich gegen Störungen sind. Derzeit werde noch nach Lösungen gesucht, sagt Erben. Eine Möglichkeit sei, einen Wall mit Gehölzen als Abgrenzung zu bepflanzen. Doch der Umweltreferent sagt auch: „Dies kann nur funktionieren, wenn die Anwohner über die Schutzwürdigkeit und Einzigartigkeit des Biotopes vor ihrer Haustür informiert werden“. Denkbar sei weiter, Anwohner über ein Umweltbildungsprojekt dazu zu bringen, Rücksicht auf die Natur zu nehmen. Es müsse aber auch eine ausreichend große Grünanlage um die Bebauung angelegt werden, die Bewohner nützen können.

Landtag lehnte Petition der Naturschutzallianz ab

Auf der Heide besteht bereits Baurecht. Der Landtag hat kürzlich eine Petition der Naturschutzallianz abgelehnt, die alte Flugplatzheide doch noch komplett unter Schutz zu stellen. Sprecher Günther Groß kündigte am Donnerstag an, die Allianz werde weiter kämpfen. In den vergangenen Wochen wurden rund 1500 Unterschriften von Bürgern gesammelt. Sie sollen der Regierung von Schwaben übergeben werden. Die Naturschützer argumentieren, die Heide sei durch Bebauung auf eine Mindestgröße zusammengeschrumpft. Jede weitere Verkleinerung berge das Risiko, gefährdete und seltene Arten zu vernichten. Groß verweist auch darauf, dass Flüchtlinge, die inmitten von Gewerbe und Industrie wohnen, wenig Chancen auf eine gute Integration in die Gesellschaft haben. Am Standort auf der Flugplatzheide sei ein sozialer Brennpunkt zu befürchten. Groß: „Solange die Bagger nicht auffahren, geben wir unseren Kampf nicht auf.“

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Dafür ist die geplante Bebauung der Flugplatzheide leider ein Beispiel, schreiben wir hier in unserem Kommentar.

i

Ihr Wetter in Augsburg-Stadt
23.11.1723.11.1724.11.1725.11.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                wolkig
	                                            Wetter
	                                            wolkig
                                                Wetter
                                                Regen
Unwetter3 C | 14 C
4 C | 13 C
1 C | 6 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Ein Artikel von
Eva-Maria Knab

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


Augsburger Geschichte

Jobs in Augsburg



Alle Infos zum Messenger-Dienst
Beilage: Ferien Journal

Bauen + Wohnen

Unternehmen aus der Region