Freitag, 20. Oktober 2017

17. Juli 2015 12:54 Uhr

Reichertshofen

Anschlag auf Asylbewerberheim war eindeutig Brandstiftung

Das Feuer im künftigen Asylbewerberheim in Winden bei Reichertshofen (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm) wurde vorsätzlich gelegt. Dafür sprechen einige Spuren und Hinweise.

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Die 25-köpfige Sonderkommission, die den Brand in dem künftigen Asylbewerberwohnheim in Winden bei Reichertshofen aufklären soll, hat am Wochenende Sonderschicht. Die Kripo Ingolstadt würde den Fall am liebsten so schnell wie möglich klären. Auch der politische Druck ist groß.

In der Nacht zum Donnerstag brannte ein Nebengebäude eines ehemaligen Landgasthofes, in dem der Landkreis Pfaffenhofen ab September knapp 70 Flüchtlinge unterbringen will. Das Gebäude steht schon längere Zeit leer. Gleich nach dem Alarm morgens kurz vor drei Uhr war davon die Rede, dass es sich eigentlich nur um vorsätzliche Brandstiftung handeln kann.

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Die Polizei hat Reste eines Brandbeschleunigers gefunden

Zur Frage der Ursache ist die Kripo nun auch einen Schritt weiter: Der Brandmittel-Spürhund hat angeschlagen und die Fahnder haben Reste eines Brandbeschleunigers gefunden, die jetzt vom Landeskriminalamt untersucht werden. Sicher sei auch, dass an mindestens zwei Stellen außen am Gebäude Feuer gelegt worden ist, sagte Polizeisprecherin Michaela Grob unserer Zeitung.

Außerdem habe man ein knappes halbes Dutzend Hinweise, hauptsächlich aus der Nachbarschaft und von anderen Bewohnern der beschaulichen Ortschaft. Die Rede ist von Gestalten, die sich nachts im Umfeld des Landgasthofes aufgehalten haben sollen. Aber konkrete Beobachtungen, die direkt in Zusammenhang mit der Brandstiftung stehen könnten, machte niemand. „Es ist nicht die heiße Spur dabei“, sagte die Polizeisprecherin. Trotzdem: Allen Hinweisen wird akribisch nachgegangen.

Reichertshofen ist bundesweit in den Schlagzeilen. Man stemmt sich gegen jeden Eindruck von Ausländerfeindlichkeit. Heute wird es eine Mahnwache geben. Organisiert wird sie allerdings von der Linksjugend Ingolstadt. In der Bevölkerung herrscht Nachdenklichkeit. Manche sind überzeugt, dass der oder die Täter nicht aus dem Ort kommen. Aber wer kann das beweisen?

Die Ermittlungen in Winden werden sich noch länger hinziehen

Pfaffenhofens Landrat Martin Wolf lässt alles offen, was eine Zuordnung der Täterschaft anbelangt. In Winden habe es im Vorfeld natürlich auch Kritik gegen das Wohnheim gegeben. Er habe den Menschen klargemacht, dass ein Protest in einer so kriminellen Form aber niemals hingenommen werde. Wer Sachwerte vernichte, „überschreitet alle Grenzen“.

Die Ermittlungen der Brandfahnder werden sich noch länger hinziehen. Aus diesem Grund verzögern sich auch die Umbauarbeiten in dem Gebäude. Landkreis und Gemeinde wollen ihre Einquartierungspläne auf jeden Fall realisieren. „Jetzt erst recht!“, sagt Bürgermeister Michael Franken. Aber der Bezugstermin 1. September kann sicher nicht mehr gehalten werden.

Vor allem auch deshalb, weil Landrat Wolf alle Spuren des Feuers restlos beseitigt haben möchte, bevor die Flüchtlinge dort einziehen. „Was sollen diese Menschen sonst denken, wenn sie hierher kommen und sehen, dass es schon gebrannt hat, noch bevor sie da waren!?“, sagt Wolf. Auch die Bauhandwerker werden also bald Sonderschichten einlegen müssen.

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