Freitag, 19. Januar 2018

08. September 2011 13:14 Uhr

Natur

Das Sterben der Schmetterlinge

Durch intensive Landwirtschaft werden die Lebensräume der Falter vernichtet. 80 Prozent sind gefährdet oder bereits ausgestorben. Von Iris Jilke

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Der prächtige Perlmuttfalter mit seiner auffälligen Zeichnung gehört zu den Schmetterlingsarten, die vom Aussterben bedroht sind.
Foto: dpa

Fast 80 Prozent der Tagfalter stehen laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Demnach sind sie entweder ausgestorben, verschollen oder gefährdet.

„Einige Arten, die früher häufig in Bayern vorkamen, sieht man jetzt nur noch sehr selten“, sagt Christian Stettmer, Experte für Arten, Lebensräume und biologische Vielfalt an der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in München. Dazu gehörten beispielsweise der Schachbrettfalter, das Stiefmütterchen und der Perlmuttfalter. Andere Arten wie der Regensburger Gelbling, das Moorwiesenvögelchen oder der kleine Waldportier seien in den letzten Jahren ausgestorben.

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„Der Artenschwund der Schmetterlinge geht ungebremst weiter“, sagt Andreas Segerer, Schmetterlingsexperte der Zoologischen Staatssammlung München. Es kämen zwar auch neue Arten aus dem Süden oder Norden nach Bayern. Jedoch verschwänden 10 Prozent mehr als nachkämen.

Dem Landesamt für Statistik zufolge wird inzwischen fast die Hälfte der Gesamtfläche Bayerns landwirtschaftlich genutzt. Segerer sieht in der intensiv betriebenen Landwirtschaft einen entscheidenden Grund für den Rückgang des Schmetterlingsbestandes: „Der Dünger beispielsweise breitet sich großflächig durch die Luft aus und schadet so den Schmetterlingen.“

Monokulturen schaden der Artenvielfalt

Stettmer hält die zunehmenden Monokulturen für einen weiteren Faktor: „Vor allem der großflächige Maisanbau ist ein Problem für viele Insekten.“ Der aus Lateinamerika stammende Mais biete zu wenig Nahrung für die einheimischen Schmetterlingsarten und müsse intensiv gespritzt werden. „Monokulturen sind immer schlecht für die Artenvielfalt“, ist sich Stettmer sicher.

Zwar gäbe es in Bayern wegen der unterschiedlichsten Lebensräume über 3200 verschiedene Schmetterlingsarten, der Bestand werde jedoch immer kleiner. Verantwortlich dafür sei der Wegfall der Lebensräume. Der Hochmoorgelbling, der vorwiegend in sumpfigen Landschaften lebe, sei beispielhaft für diese Entwicklung. „In den letzten Jahren hat sich der Bestand um die Hälfte verkleinert, denn wegen der Temperaturveränderung gibt es auch immer weniger Moorlandschaften“, sagt Stettmer.

Um die Artenvielfalt zu erhalten, legen inzwischen viele Bauern in Bayern sogenannte „Blühflächen“ an. Das Projekt wurde 2008 vom Institut für Agrarökologie, Ökologischen Landbau und Bodenschutz in Bayern ins Leben gerufen. Christian Wagner, Mitarbeiter des Projektes, sagt: „Bestimmte Ackerflächen werden für fünf Jahre aus der Nutzung genommen und mit blütenreichem Saatgut bepflanzt.“ Auf etwa 19000 Hektar Ackerfläche seien seit Beginn des Projektes Sträucher und Blumen ausgesät worden. Als Entschädigung erhielten die beteiligten Landwirte dafür Fördergelder vom Bayerischen Staatsministerium, vom Bund und aus den Europäischen Landwirtschaftsfonds. Die „Blühflächen“ seien für Schmetterlinge und Bienen hervorragend geeignet.

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