Dienstag, 21. November 2017

23. Februar 2017 07:34 Uhr

Geburt

Geburtsstationen: Immer weniger Platz für hochschwangere Frauen

In Freistaat kommen mehr Kinder auf die Welt. Gleichzeitig schließen viele Geburtsabteilungen. Wie die Entwicklung weitergeht und was Bayerns Ministerin Huml plant.

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Viele Geburtsstationen schließen, was zum Problem für schwangere Frauen wird.
Foto: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Ein Horror für jede schwangere Frau: Die Wehen setzen ein, die Nervosität steigt, die Klinik wird erreicht, doch dort heißt es: Sorry, kein Platz. Dieses Szenario scheint sich in München öfter abzuspielen. Doch glaubt Astrid Giesen, dass es sich bis jetzt noch um ein Münchner Phänomen handelt. Allerdings schließt die erste Vorsitzende des bayerischen Hebammenverbandes nicht aus, dass sich die Lage für gebärende Frauen weiter zuspitzt. Denn immer mehr Geburtsstationen in Bayern schließen.

In unserer Region kämpfen Bürger aktuell um die Wiedereröffnung der Geburtsstation in Illertissen. Hebamme Giesen weiß aber auch, dass Weilheim und Bad Tölz gefährdet sind. Nach Einschätzung von Siegfried Hasenbein geht die Schließungswelle weiter. Der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft sagt, dass das Thema in einigen kleinen Krankenhäusern im Freistaat diskutiert wird.

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Mehrere Gründe für das Aus vieler Geburtsstationen

Die Gründe für das Aus der Geburtsstationen sind seinen Angaben nach vielfältig. Vor allem machten die steigenden Qualitätsanforderungen kleinen Kliniken schwer zu schaffen. Je mehr Vorgaben erfüllt werden müssen, desto teurer werden die Angebote. Das sei gerade bei der Geburtshilfe der Fall.

Hinzu kommen die massiv gestiegenen Haftpflichtprämien für Hebammen und für Belegärzte. Sie steigen nicht etwa, weil mehr Fehler bei den Geburten passieren, sondern weil sich die Folgekosten für einzelne schwere Komplikationen erhöhen. Die teuren Prämien haben aber längst dazu geführt, dass immer weniger ausgebildete Hebammen in der Geburtshilfe arbeiten. Dennoch werden nach Beobachtung von Hasenbein nur in Ausnahmefällen hochschwangere Frauen von Kliniken in Bayern abgewiesen. „Das gibt es. Das sind aber wirklich Einzelfälle.“

In der Zentralisierung der Geburtsstationen sieht er auch Vorteile für die Mütter. Schließlich steigen ganz allgemein die Qualitätsanforderungen für Krankenhausbehandlungen „und das ist im Sinne des Patienten“. Allerdings warnt er davor, das Rad hier zu weit zu drehen. Denn, wenn wirklich nur noch in wenigen Gesundheitszentren die hohen medizinischen Qualitätsanforderungen gewährleistet sind, sei die wohnortnahe Geburtshilfe tatsächlich in Gefahr.

Gesundheitsministerium untersucht Problem

Das Klinikum Augsburg spürt bereits einen Anstieg an Geburten. Abgelehnt werden hier keine Schwangeren. Das Hebammenteam wurde mit Blick auf die gestiegenen Geburtenzahlen vergrößert und aufgrund der hauseigenen Hebammenschule sei man zuversichtlich, genügend Nachwuchs zu haben.

Auf die Diskrepanz zwischen steigenden Geburtenzahlen und immer weniger Geburtshilfestationen angesprochen, antwortet Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml gegenüber unserer Zeitung: „Die Situation bei den Geburtshilfestationen in Bayern beschäftigt mich auch als zweifache Mutter sehr. Deshalb nehme ich Hinweise sehr ernst, denen zufolge in München hochschwangere Frauen von Kliniken abgewiesen wurden.“

Dem bayerischen Gesundheitsministerium seien bislang keine solchen Fälle bekannt. „Wir werden diesen Hinweisen nachgehen.“ Insgesamt hält die CSU-Politikerin die Geburtshilfe in Bayern aber derzeit für „ausreichend und flächendeckend gesichert“. Derzeit könne jede werdende Mutter eine Geburtshilfeabteilung „in zumutbarer Entfernung erreichen“. Um genau zu wissen, wie es wirklich um die Hebammen im Freistaat bestellt ist, soll nun eine umfassende Studie erstellt werden.

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Ein Artikel von
Daniela Hungbaur

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt


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