Sonntag, 4. Dezember 2016

24. Januar 2014 07:12 Uhr

Fall Peggy

Ist das Peggy im Kinderporno?

Ein Foto aus der Pädophilen-Szene beschäftigt die Ermittler im Fall Peggy. Auf dem Foto ist ein Mädchen aus einem Kinderporno zu sehen. Sie hat die gleiche Narbe am Kinn wie Peggy.

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Zweimal dasselbe Mädchen? Rechts ein Porträt der seit 2001 vermissten Peggy Knobloch aus Lichtenberg. Links ein kinderpornografisches Foto, das ein nacktes Mädchen zeigt. Ist das auch Peggy? Die Ermittler überprüfen das Bild.
Foto: AZ

Das Foto zeigt ein nacktes Mädchen mit gespreizten Beinen in einem Badezimmer. Es ist eindeutig Kinderpornografie. Aber wer ist das Mädchen? Könnte es die kleine Peggy sein, die 2001 in Lichtenberg (Oberfranken) spurlos verschwand? Rechtsanwalt Michael Euler sieht eine „frappierende Ähnlichkeit“.

Narbe am Kinn soll das Mädchen auf dem Foto als Peggy entlarven

Ihn beschäftigt eine kleine Narbe am Kinn des Mädchens auf dem Foto. Peggy sei einige Tage vor ihrem Verschwinden gefallen und habe sich exakt an dieser Stelle verletzt. Euler ist der Anwalt, der den neuen Prozess um den Fall Peggy durchgeboxt hat. Er vertritt Ulvi Kulac, der 2004 vom Landgericht Hof in einem umstrittenen Prozess wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist.

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Das Foto wurde Michael Euler zugespielt. Es stammt offenbar aus dem Umfeld der Pädophilen-Szene. Der Rechtsanwalt hat das Foto an die Ermittler weitergegeben. Seit vielen Monaten wird der Fall Peggy dort noch einmal untersucht. Die Polizei will die Aufnahme aber noch nicht bewerten. Ein Gutachten stehe noch aus.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, das Foto sei bekannt, bisher aber „nicht zielführend“. Schon vor Jahren waren kinderpornografische Fotos aufgetaucht, die angeblich Peggy zeigten. Damals stellten sie sich als Fälschung heraus.

Das neunjährige Mädchen schminkte sich plötzlich stark

Anwalt Euler sieht sich in seinen Vermutungen bestätigt. Schon vor dem Auftauchen des Fotos hielt er es für sehr wahrscheinlich, dass Peggy vor ihrem Verschwinden Opfer sexuellen Missbrauchs geworden war. Es gebe etliche Indizien dafür. Mehrere Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass das neunjährige Mädchen in den Wochen vor ihrem Verschwinden ihr Verhalten auffällig geändert hat.

Sie soll auch plötzlich kurze Röcke getragen und sich stark geschminkt haben. Peggy war ein „Schlüsselkind“ und galt in Lichtenberg als Streunerin, die oft stundenlang allein durchs Dorf zog. Auch neue Ermittlungen gegen einen inhaftierten Kinderschänder, der engen Kontakt zu Peggys Familie hatte, zielen in Richtung sexueller Missbrauch.

Möglicherweise auch im familiären Umfeld? Die Polizei hatte nach Peggys Verschwinden ein urinverschmutztes Kleidungsstück des Mädchens sichergestellt. Die Urinspuren stammten vom damaligen Lebensgefährten der Mutter. Wie ist das passiert? Laut Anwalt Euler haben sich die Angaben des Ex-Partners zu dieser Frage als falsch erwiesen. Beweise, dass der Mann Peggy missbraucht oder etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat, fand die Soko aber nicht.

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Ein Artikel von
Holger Sabinsky-Wolf

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt

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