Freitag, 28. Juli 2017

22. Juni 2009 13:31 Uhr

Münchner Ideen

Nie wieder fremde «Noagerl» trinken

Maßkrug-Verwechslung im Bierzelt könnte bald Vergangenheit sein. Zwei Münchnerinnen haben nämlich eine pfiffige Idee. Von ddp-Korrespondentin Ursula

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Die beiden Designerinnen Natalie Weiss (l.) und Sandra Zito präsentieren zwei ihrer "Mei Mass"-Baender, einem Erkennungszeichen fuer Masskruege.

München (ddp-bay). Wer kennt das nicht: Bei schönem Wetter drängeln sich die Biergartenbesucher gruppenweise um die Tische. Kehrt man vom Breznkauf zurück, stellt sich die immer gleiche Frage: Welcher Maßkrug war gleich noch mal meiner?

Doch damit ist jetzt Schluss: Dank einer pfiffigen Erfindung zweier Münchnerinnen kann ausgeschlossen werden, vielleicht doch das «Noagerl» vom Sitznachbarn zu erwischen. Sie haben das «Mei Maß»-Band entwickelt, einen stoffbezogenen Gummiring, der genau in die Kerbe eines Maßkrugs passt. 200 verschiedene Designs garantieren nicht nur, dass auch wirklich keiner am Tisch dasselbe «Bandl» hat. Das Accessoire lässt sich auch noch auf die Kleidung abstimmen - ob zur Tracht oder zur Trendfarbe Lila.

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«Uns ist das einfach tierisch auf die Nerven gegangen, nie genau zu wissen, welcher der eigene Krug ist», erzählt Natalie Weiß. «Wir haben dann irgendwann angefangen, behelfsmäßig ein Bandl um den Griff zu wickeln. Und dieses Jahr im Januar waren wir zusammen im Urlaub. Da haben wir endlich genug Zeit gehabt und gesagt: Gemma's an.» Gesagt getan: Nach einigem Beratschlagen und Herumbasteln kommt ihnen die entscheidende Idee: «Warum machen wir statt Gummiringen nicht was passend zur Tracht?» Das Maßkrug-Band war geboren.

Inzwischen ist das Projekt so erfolgreich, dass Weiß ihren Job als Eventmanagerin aufgegeben hat und sich nur noch um den Vertrieb der auf mehr als 200 verschiedene Varianten angewachsenen «Mei Maß»-Bänder konzentriert. Zito arbeitet neben all der «Bandlerei» noch im Marketing, Freizeit bleibt da aber längst nicht mehr.

Halfen anfangs noch die Mütter mit den notwendigen Nähkenntnissen bei der Entwicklung der Bänder aus, sind mittlerweile drei Familienbetriebe mit der Fertigung der Bänder beschäftigt. «Wir haben uns bewusst dafür entschieden, in Deutschland zu produzieren», betont Zito. «Wir wollten sie gerade jetzt, in Zeiten der Krise, nicht irgendwo in Tschechien oder Polen nähen lassen. Das kommt auch gut an bei den Kunden.»

Drei Vertriebswege haben die beiden Frauen erschlossen: «Wir haben unseren Online-Shop, vertreiben über verschiedene Händler in ganz Bayern und auch außerhalb, und wir fertigen für Firmen oder Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Junggesellenabschiede», erzählt Zito. Zwei Drittel der Bänder werden in Bayern gekauft, der Rest in ganz Deutschland. Die Preise liegen zwischen 9,50 und 12 Euro.

Neben den unterschiedlichsten Stoffen, Farben und Mustern stehen verschiedene Anhänger zur Wahl - vom Hornknopf bis zur kleinen silbernen Amorfigur. Rot-kariert mit Knopf heißt das Band «Noagerlwächter», in Vichy-Karo mit Liebesgott «Boogie-Biggi Amor». Das Band «RehGini» ist einer Freundin gewidmet, deren Dirndlschürze zufälligerweise genau aus dem Stoff besteht. Jedem Band einen passenden Namen zu geben, sei eigentlich ganz einfach gewesen: «Wir haben uns mit einem Glas Wein hingesetzt und Schmarrn aufgeschrieben», lacht die 31-Jährige. Zito ergänzt: «Die Namen zeigen, dass der Spaß an der ganzen Geschichte im Vordergrund steht.»

Verkaufsschlager sind bislang der «Himmel der Bayern» im klassischen Rautenmuster, auch der «Noagerlwächter» stößt auf reges Interesse. «Gerade Herren mögen besonders gern Karostoffe», hat Weiß festgestellt. «Aber auch Uni läuft gut, weil viele Dirndl oft nicht mehr aus Trachtenstoff sind.»

Ihre Anfangszielgruppe, jüngere, trendbewusste Frauen, hat sich schnell als zu begrenzt herausgestellt. «Die Mädels finden das trendy, und der Opi nimmt das mit als Stammtischidee.» Dass ausgerechnet zwei Frauen so etwas entwickelt haben, könnten viele nicht fassen: «Was, zwei Mädels haben das erfunden?», staunten viele.

Für Aufsehen sorge so ein Band auf jeden Fall, haben die beiden Erfinderinnen festgestellt. Vier Fragen kommen dann immer wieder: Ist das für Kinder? Ist das ein Strumpfband? Ist das was für Hunde oder doch eher etwas für Haar? «Das ist auch einfach ein netter Flirtfaktor», ergänzt Weiß. «Da kommt eher mal einer her und fragt: Was habt's denn ihr da? So ein Maßbandl eignet sich eben auch zum Obandeln.»

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