Dienstag, 27. September 2016

09. Februar 2016 06:26 Uhr

Kreis Pfaffenhofen

Volksverhetzung: Fasching-Verein entschuldigt sich für "Asylabwehr"

Eine Panzerattrappe mit der Aufschrift "Asylabwehr" löst beim Faschingsumzug iim Kreis Pfaffenhofen an der Ilm löst Wirbel. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung.

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Ein Panzer mit der Aufschrift "Ilmtaler Asylabwehr" beim Faschingsumzug in Reichertshausen (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm) sorgt für Ärger.
Foto: Florian Simbeck, dpa

Rund 900 Teilnehmer, 9 Wagen, 45 Fußtruppen und schließlich hintendran noch dieser Panzer. Eine Attrappe, aufgebockt auf einen VW Polo. Darauf diese Aufschriften: „Ilmtaler Asylabwehr“ und „Asylpaket III“. Dazu ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund. Und die Deutschlandfahne darf natürlich nicht fehlen.

Dieses graue Gefährt walzte – ohne, dass es jemand (auch die Polizei nicht) aufhielt – als allerletzter Wagen am Faschingssonntag durch die Straßen des oberbayerischen Ortes Reichertshausen-Steinkirchen (Kreis Pfaffenhofen). Es war Teil des sogenannten Gaudiwurms, für dessen Organisation der Oberilmtaler Carnevalsverein (OCV) verantwortlich zeichnet.

Ob da jemand nur ganz außerordentlich großes Pech beim Denken hatte oder ob es doch um Volksverhetzung geht, damit befassen sich nun Staatsanwaltschaft und Kripo in Ingolstadt. Der 49. Gaudiwurm von Steinkirchen ist seit gestern Teil eines Ermittlungsverfahrens. Es bestehe der Anfangsverdacht auf Volksverhetzung, bestätigt ein Polizeisprecher.

Ärger um Panzer zur Asylabwehr: Fasching-Verein entschuldigt sich

Den Panzer fuhren zwei „Buam“ aus Petershausen. Diese „Buam“, wie Konrad Moll vom OCV sie nennt, sind allerdings schon beide um die 30. Die seien schon in den vergangenen Jahren mit dem Panzer mitgefahren. Damals sei es darum gegangen, die schlechte Ausrüstung der Bundeswehr ins Visier zu nehmen. Moll sitzt für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Reichertshausener Gemeinderat und ist beim Carnevalsverein für die Organisation des Faschingszuges mitverantwortlich.

Er versichert, dass die beiden Männer, die er von klein auf kenne, nichts mit rechtem Gedankengut am Hut hätten. Und in dem Trubel bei der Zugaufstellung habe er, Moll, den Schriftzug „Ilmtaler Asylabwehr“ nicht gesehen. Er sei nicht um den gesamten Wagen herumgegangen, sagt Moll. Man habe in dem Trubel nur eine halbe Minute Zeit gehabt. „Wir haben das schlicht nicht überrissen. Uns war nicht bewusst, was wir da machen. Es tut mir richtig leid.“

Panzer löst im Internet Empörung aus

Aber da rollte der Panzer schon und wenig später schwappte eine Empörungswelle auf Facebook hoch, wie sie die Gemeinde noch nicht erlebt hat. Der Schauspieler Florian Simbeck vom Komikerduo Erkan und Stefan, der für die SPD im Kreistag von Pfaffenhofen sitzt, postete das Foto von dem Wagen und schrieb dazu: „Der lustige Faschingswurm schlängelt sich wieder durch unser Ilmtal (Anmerkung: Bayern, nicht das in Thüringen) und offenbart die Dummheit, Niederträchtigkeit und menschenverachtende Gesinnung einiger Beteiligter. Vermutlich längst vor dem demaskierenden Ruf nach einem Schießbefehl durch AfD Frontfrauke ,Lucky Luke‘ Petry muss der Plan gereift sein, ein todbringendes ,Asylpaket‘ in Form eines Panzers zu bauen.“ Es folgten hunderte Kommentare.

Bürgermeister von Reichertshausen: "Wir sind nicht ausländerfeindlich"

Der Bürgermeister von Reichertshausen, Reinhard Heinrich (CSU), war – aus gesundheitlichen Gründen – selbst beim Faschingszug nicht dabei, versuchte den Schaden einzugrenzen: „Wir sind nicht ausländerfeindlich hier. Wir kriegen demnächst 76 Flüchtlinge. Und wir haben einen hoch motivierten Helferkreis.“

Weder die Bürgerschaft noch der OCV seien braun oder rechtslastig. Flüchtlingskinder und Asylsuchende seien auch beim Umzug mitgegangen. Zugleich aber findet er gut, dass die Staatsanwaltschaft nun den Vorfall prüft. Denn: „Es gibt Grenzen. Auch im Fasching.“

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Ein Artikel von
Stefan Küpper

Neuburger Rundschau
Ressort: Ingolstadt

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