Donnerstag, 22. Juni 2017

18. März 2017 14:46 Uhr

Sprachassistent "Alexa"

Sicherheitsexperten: Amazons "Echo" speichert Sprachbefehle

Sprachassistenten wie Amazons „Echo“ zeichnen die Wünsche ihrer Nutzer nicht nur auf, Amazon speichert die Sprachbefehle sogar. Sicherheitsexperten sehen das kritisch.

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Alexa hört zu – in jeder Lebenslage. Sobald der blaue Ring an der Oberseite des Geräts leuchtet, zeichnet das Gerät Amazons „Echo“ die Stimme des Benutzers auf.
Foto: Amazon

„Alexa, wie wird das Wetter nächste Woche?“ Ein blauer Lichtring leuchtet auf und eine weibliche Stimme verkündet, dass es nass und kalt wird. Alexa kann nicht immer gute Nachrichten verkünden. Aber der Sprachassistent von Amazon kann einige andere Dinge, etwa Musik spielen oder die Nachrichten vorlesen. Das Angebot ist interessant für medienbegeisterte Menschen – aber ausgereift ist das System noch lange nicht.

Alexa, das ist ein sprachgesteuertes Betriebssystem von Amazon, das derzeit auf zwei Geräten erhältlich ist: Amazons „Echo“ ist ein zylinderförmiger Lautsprecher, der mit sieben Hochleistungsmikrofonen die Umgebung abhört und nach dem Aktivierungswort „Alexa“ Kommandos entgegennimmt. Der kleine „Dot“ dagegen gleicht in der Größe einem Eishockey-Puck und verzichtet auf einen eigenen Lautsprecher, gleicht in der Funktionsweise ansonsten dem großen Bruder Echo.

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Mit der Alexa-Software zieht nicht nur ein technisches Hilfsmittel ins eigene Zuhause ein – Alexa wird zur Mitbewohnerin. Mit etwas blecherner Stimme steht sie ihrem Besitzer mit Rat zur Seite. Alexa verrät auf Zuruf, wie das Wetter wird, schlägt Kochrezepte vor und verkündet die aktuellen Sportergebnisse. Musikalisch ist sie auch – mit Amazons Musikbibliothek und zahlreichen Radiosendern kommt Stimmung ins Zuhause.

Bei Amazons "Alexa" sollte nachgebessert werden

Doch manchmal ist Alexa nicht die Hellste. Auf viele Fragen kennt sie keine Antwort und erwidert „leider habe ich das nicht verstanden“. Manchmal kommt es auch zu Missverständnissen – wer etwa den Radiosender egoFM hören will, landet bei der zackigen Stimme eines südamerikanischen Radiosprechers. In solchen Momenten wirkt Alexa nicht mehr wie eine intelligente Assistentin, sondern wie ein überforderter Hund, der sein Herrchen nicht versteht. Hier muss Amazon mit weiteren Software-Updates noch nachbessern.

Bei der technischen Ausstattung hingegen zeigen die Geräte ihre Stärken. Die Mikrofone reagieren zuverlässig und verstehen den Nutzer auch aus der Entfernung und bei Störgeräuschen. Alexa reagiert sogar, wenn das Gerät im Wohnzimmer steht und man sie aus der Küche bei laufender Dunstabzugshaube nach einem Kochrezept fragt. Nur mit einem kommen die Mikrofone nicht klar – mit dem eigenen Geräuschpegel der Lautsprecher. Bei Musik auf voller Lautstärke etwa versteht der Sprachassistent kein Wort mehr. In dieser Situation nützt es auch nicht, Alexa lauthals anzubrüllen, dass sie leise sein soll – es hilft nur noch der Griff zum Lautstärkeregler an der Oberseite des Gehäuses.

Doch im Regelfall hört Alexa alles, und das bereitet Sicherheitsexperten Sorge. Denn die Mikrofone der Geräte sind immer aktiv, um auf das Aktivierungswort zu lauschen. Sobald Echo oder Dot „Alexa“ gehört haben, erscheint an der Oberseite des Geräts ein blau leuchtender Ring. Amazon zufolge beginnt Alexa erst dann mit der Aufzeichnung der Umgebungsgeräusche. Ein Druck auf einen Knopf am Gehäuse kann die Mikrofone komplett ausschalten. Dann leuchtet der Lichtring rot und reagiert nicht mehr auf Sprachbefehle.

Sicherheitsexperten: Amazons "Echo" speichert Sprachbefehle

Verbraucherexperten bemängeln Amazons Umgang mit den gesammelten Daten. Denn die Geräte zeichnen die gegebenen Sprachbefehle nicht nur auf, sondern senden sie auch an die Server von Amazon, wo die Aufzeichnungen gespeichert werden. Laut Unternehmen soll das die Spracherkennung verbessern. Doch die Verbraucherzentrale sieht das Vorgehen kritisch, denn die Aufzeichnungen können auch im Ausland landen, wo Behörden einen einfacheren Zugang zu den Daten haben als in Deutschland.

Amazon versichert jedoch, dass die Daten, die in Deutschland erhoben werden, ausschließlich auf europäischen Servern landen. Die aufgenommenen Sprachbefehle gibt Amazon nicht an Dritte weiter – allerdings gilt das nicht für andere Daten. Fragt ein Nutzer, welche Notfallapotheke geöffnet hat, gibt Amazon die Tonaufnahme nicht weiter, das Interesse des Kunden für Apothekenartikel hingegen schon.

Computer-Spezialisten bemängeln die fehlende Transparenz seitens Amazon. IT-Sicherheitsexperte Matthias Friese, Gründer der Sicherheitsplattform „patronus.io“, sieht das Unternehmen in der Pflicht, seine Kunden aufzuklären: „Amazon müsste klar formulieren, welche Daten gespeichert und wie lange sie aufbewahrt werden.“ Er selbst werde sich daher kein Alexa-Gerät in sein Zuhause stellen.

Die Verbraucherzentrale warnt zudem vor der Möglichkeit, dass die Geräte durch unbefugten Zugriff missbraucht werden können. Ein Hacker könnte Echo anzapfen und den Nutzer mit den sieben Hochleistungsmikrofonen belauschen.

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