Donnerstag, 18. Januar 2018

26. Dezember 2017 20:49 Uhr

Konzert

Bethlehem ist überall – auch in Unterringingen

Reinhard Eberhardt, Jonas Hillenmeyer und Klaus Ortler schaffen in der kleinen Kirche eine außergewöhnliche Verbindung von Text und Musik – und sorgen auch für nachdenkliche Stimmung

i

Die drei Künstler (von links) Jonas Hillenmeyer, Reinhardt Eberhardt und Klaus Ortler begeisterten in der Unterringinger Dorfkirche, die komplett überfüllt war.
Foto: Johanna Eberhardt

Trompete, Orgel und Mundart sind in der überfüllten Kirche in Unterringingen eine außergewöhnliche Verbindung eingegangen. Nie zuvor erklangen hier Werke von Händel und Vivaldi zu Texten des Rieser Heimatdichters Michel Eberhardt. Sein Sohn Reinhard Eberhardt, sein Enkel Jonas Hillenmeyer und Kantor Klaus Ortler aus Nördlingen nahmen die begeisterten Zuhörer mit in eine ebenso feierliche wie nachdenkliche weihnachtliche Stimmung.

Man hätte eine Stecknadel fallen hören, als Reinhard Eberhardt – auswendig vorgetragen – mit der Schwabenweihnacht das Auditorium in das Geschehen der Weihnachtsgeschichte führte. Der Dichter Michel Eberhardt überträgt die Herbergssuche in das Nördlinger Ries. Nazareth ist ein kleines Rieser Dorf und Bethlehem wird zur zentralen Kreisstadt Nördlingen. Josef und Maria suchen eine Herberge auf dem Weg zum dortigen Landratsamt. Der Sohn Reinhard modulierte mit der Stimme eindrucksvoll den barschen „Moier“, ließ ihn gegen die Obrigkeit wettern und schließlich nahm er das Paar Josef und Maria eben nicht mit zum Landratsamt nach Bethlehem: „Es isch mr wegs ‘m Viech“. An anderer Stelle spürt man die Verzweiflung Marias, die sich dann gehorsam Gottes Willen beugt. Allein mit seiner Stimme charakterisierte Reinhard Eberhardt die einzelnen Personen des Stückes und ließ dessen Dramatik den Zuschauern spüren.

ANZEIGE

Die Schwabenweihnacht war zweifellos der textliche Höhepunkt des Abends. Zuvor trug Reinhard Eberhardt hochdeutsche und mundartliche Texte und Gedichte seines Vaters vor, die die „gute alte Zeit“ im Advent im Kreise der Familie der 1950er Jahre beschreiben. Michel Eberhardt nimmt die Stimmung im „Zwischenlicht“, dem Licht zwischen der frühen Dämmerung des Frühwinters und dem elektrischen Schalter-Licht auf. Dabei wechselte der Rezitator zwischen dem heimischen Dialekt und Hochdeutsch. Mit kleinen Anekdoten aus der eigenen Kindheit brachte er die Zuhörer zum Schmunzeln: Als Neunjähriger hatte er damals eine schier unendliche Liste der Weihnachtswünsche, die Vater Eberhardt in Gedichtform beschrieb. Um die kleinen Schandtaten des Lausebengels wiedergutzumachen, versprach derselbe natürlich schnellstmögliche Besserung. Schließlich ist damals am „Heiligen Mittag“ der Christbaum bei der Familie Eberhardt in Zoltingen kurzerhand umgefallen und die Stimmung spannungsgeladen gewesen, bevor dann die Harmonie des „Heiligen Abends“ mit Großmutters beschwichtigenden Worten in die Großfamilie eingezogen ist.

Jonas Hillenmeyer, Enkel des Heimatdichters, spielte erstmals zu Texten seines Großvaters. Schon bei der Eröffnung der Feierstunde zeigte der Trompeter, der an der Ulmer Philharmonie hauptberuflich angestellt ist, sein präzises technisches Können und seine große Spielfreude bei Georg Friedrich Händels Feuerwerksmusik. Wie selbstverständlich malte und untermalte er die Texte Eberhardts zum Rieser Winterwald mit Vivaldis Auszug aus den vier Jahreszeiten „Der Winter“. Der Nördlinger Kantor Klaus Ortler begleitete einfühlsam und ausdrucksstark, auch das Ostinato der „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski spielte er überragend souverän. Ortler registrierte die pneumatische Orgel stets im Einklang zur Trompete und den vorgetragenen Texten. Mal ließ er die Königin der Instrumente leise tragend singen, mal ließ er sie strahlend jubilieren. J. S. Bachs Kantate „Schafe können sicher weiden“ konzertierten sie wie eine Arie. Die Zuhörer konnten spüren, wie harmonisch die beiden Musiker aufeinander eingestimmt waren. Die Trompetentöne legten sich auf die Musik der Orgel. Hillenmeyers Spiel war stets gefühlvoll, und gerade die hohen Töne des Piccolo-Instruments versetzten die Zuhörer in Erstaunen. Der junge Trompeter zeigte eine solistische Meisterleistung dieser durchaus schwierigen Musikliteratur. Nicht zuletzt kamen die Musikfreunde noch in den Genuss Giuseppe Torellis Sonate G1, die Hillenmeyer ausdrucksstark und gefühlvoll in der Dynamik mit weichen Tönen präsentierte. Den mächtigen Abschluss bildete Händels anspruchsvolles Stück „Einzug der Königin von Saba“. Stehende Ovationen zeigten den Respekt und die Dankbarkeit des begeisterten Publikums für die drei Künstler des Abends, die ohne Zugabe nicht gehen durften … (je)

i

Mehr zum Thema
Ihr Wetter in Dillingen
18.01.1818.01.1819.01.1820.01.18
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Schneeregen
	                                            Wetter
	                                            Schneeschauer
                                                Wetter
                                                Schneeschauer
Unwetter2 C | 8 C
-1 C | 5 C
-2 C | 4 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Das Quiz über das Jahr 2017

Top-Angebote

Alle Infos zum Messenger-Dienst


Anfang vom Ende

Bauen + Wohnen

Unternehmen aus der Region

Partnersuche