Montag, 24. April 2017

21. Mai 2014 00:54 Uhr

Kulturmarkt

Lebensweisheiten in schwäbischen Gedichten

Erinnerungen durch dialektgefärbte Texte bei der Lesung mit Musik im Rathausfestsaal Von Gernot Walter

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Gerhard Winkler, Reinhard Eberhardt und Gerhard Schmidt (von links) trugen im Rathausfestsaal schwäbische Gedichte vor.
Foto: Walter

Ein Lauinger Ehrenbürger, ein Namensgeber für die örtliche Mittelschule und ein Kesseltaler Bauernsohn standen bei der samstagnachmittäglichen Dichterlesung im Mittelpunkt. Die Hoffnung von Kulturmarktvorsitzendem Anton Grotz auf erfrischende Erinnerungen durch dialektgefärbte, gereimte literarische Texte erfüllte sich aufs Schönste. Authentisch Reinhard Eberhardt, der Sohn des Zoltinger Heimatdichters Michel Eberhardt; beziehungsreich Gerhard Winkler, der als Lauinger Nachbar Hermann-Josef Seitz schätzte; wesensverwandt Studiendirektor Gerhard Schmidt aus Laugna mit Affinität zum königlichen Seminarlehrer Hyazinth Wäckerle alias Joseph Fischer. Alle drei Vortragenden skizzierten den Lebenslauf ihrer Verseschmiede und ordneten die Texte bestimmten Ereignissen zu. „Gau, stau, bleiba lau“ war das Motto des 1836 in Ziemetshausen geborenen und 1896 in Lauingen begrabenen Wäckerle.

Vortrefflich seine Landsleute charakterisiert

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Dank seines Pseudonyms konnte J. Fischer unbeschwert seine humorvollen Gedichte veröffentlichen, mit denen er vortrefflich seine Landsleute charakterisierte. Trotz eines möglichen „Durcheinanders“ in der Schreibweise plädierte Wäckerle für das schwäbische Idiom, mit dem er intensiver die echte oder gedachte Wirklichkeit ausdrücken konnte. „Hei, grüaß di Gott. Ländle“, die „schwäbische „Nationalhymne“, das „Guckerle“ im Haus des Schätzles, die Tatzen des Schuladjutanten, Witwe und alte Jungfer, „Geld auf Geld“, “Muckatanz“, „Vergiss-meinnicht“ oder die engelsgleiche Nacht waren Beispiele für die Sprachkraft Wäckerles. G. Schmidts sängerisches und rezitatorisches Talent brachte die Paarreime eindrucksvoll zur Geltung. Lehrer und Schauspieler Gerhard Winkler las aus einem Büchlein, das Hermann-Josef Seitz (1902-1995) seiner geliebten Gattin Mini am 85. Geburtstag gewidmet hat.

Aus Anlass der diamantenen Hochzeit („Mei liabs Mädle“) machte sich H-J. Seitz Gedanken zur Psychologie der Ehe, die er ironisch als zweimal Dreißigjähriger Krieg bezeichnete. Viele schwäbische Sprüche waren Sentenzen aus seiner reichen Erlebniswelt („Lieber dumm und a Glück“). In „Blühenden Gärten“ oder im „Korafeld“ kennzeichnet der langjährige Kreisheimatpfleger die Schönheit der Natur, die es zu bewahren gilt. Ein Simplicissimusbild regte Seitz zu einem Friedensappell in Prosa an. In der ihm eigenen hintersinnigen Sprechweise verdeutlichte Winkler die Vorstellungen des ehemaligen Berufsschuldirektors.

Nur 63 Jahre alt wurde der 1976 verstorbene Michel Eberhardt aus Zoltingen. Sein Sohn Reinhard konnte die Verbundenheit des Autors zum Kesseltal, die gesellschaftlichen Veränderungen, das Leben im Wandel der Jahreszeiten, Freud und Leid im menschlichen Dasein mit Nachdruck schildern. Zeitlos gültige Antworten formuliert Eberhardt, die er oft an den Schluss seiner Betrachtungen stellt. Die Maienzeit sieht er deshalb im Kontext zum Sommer und Herbst, Johanni wird zum Lebenskulminationspunkt, die Kinderzeit als Wunderwelt apostrophiert. Michel Eberhardt preist die Einsamkeit und Stille des Kesseltals abseits vom Fabriklärm, bringt fein austarierte Liebesgedichte und wertet die bäuerliche Feststellung „Der Fuhrmann bist du selbst“ als Quintessenz und Lebensmotto. Umrahmt wurden die Lesungen durch die Beiträge des Landsberger Zitherduos. Uwe Schmid und Gerhard Seidenspinner spielten wohlklingende eigenarrangierte Tänze.

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