Freitag, 26. August 2016

15. Juli 2015 07:19 Uhr

Landkreis Donau-Ries

Asyl: Wenn die Kinder alleine kommen

Minderjährige, alleine auf der Flucht. Erst kamen sie in Bayerns Grenzregionen an, jetzt werden sie auf die Landkreise verteilt. Jugendamt steht vor großen Herausforderungen.

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Ohne Eltern gestrandet in der Fremde. Das Phänomen der Kinder und Jugendlichen, die alleine als Asylbewerber in Deutschland ankommen, hat erst kürzlich auch den Landkreis Donau-Ries erreicht.

Flüchtling ist nicht gleich Flüchtling, Asylbewerber nicht gleich Asylbewerber. So will es das Gesetz. Allesamt stehen sie zwar unter dem Schutz des Staates, Minderjährige allerdings im Besonderen. Sie kommen immer öfter allein nach Europa. Wegen der wachsenden Zahl sogenannter „unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge“ in Bayerns Grenzregionen werden diese von der Regierung auch dem Binnen-Landkreis Donau-Ries zugewiesen. In der Realität wirft dies mitunter große Schwierigkeiten auf, mit denen sich nun auch der Kreis verstärkt auseinandersetzen muss.

Derzeit sind 42 Asylbewerber unter 18 Jahren im Landkreis untergebracht. Betreut werden sie vor allem in einer speziellen Einrichtung der evangelischen Rummelsberger Dienste in Nördlingen. Bislang könne man die Zahl der jungen Flüchtlinge angemessen betreuen, wie Landrat Stefan Rößle unserer Zeitung mitteilt. Doch die Zahl der Plätze in besonders beaufsichtigten Einrichtungen, wie sie das Gesetz für Minderjährige, sei begrenzt, man suche nun händeringend nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten. Es sei davon auszugehen, dass die Regierung von Schwaben dem Kreis Donau-Ries bis Jahresende bis zu 120 Minderjährige zugewiesen hat. Die Zahlen sind im gesamten Freistaat nach ministeriellen Daten drastisch gestiegen: Im Jahr 2013 waren es bayernweit noch 574 jugendliche Asylbewerber, die alleine kamen, 2014 fast 3400. In diesem Jahr könnten es zwischen 10000 und 15000 in Bayern werden, wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt.

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Man sei nun im Gespräch mit Betreuungseinrichtungen und Trägern. Der sozialpädagogische Markt in Bayern gilt nach Informationen unserer Zeitung aktuell allerdings als weitgehend abgegrast. Und die Kosten der Maßnahmen pro Jugendlicher und Tag sind hoch. Sie belaufen sich nach DZ-Recherchen derzeit auf bis zu 160 Euro. Dafür kommen in Bayern die Bezirke auf.

Das Phänomen der unbegleiteten Minderjährigen, wie sie im Amtsdeutsch genannt werden, es ist vielschichtig und bisweilen problematisch. Etwa, was die tatsächliche Feststellung des Alters angeht. Wie Jugendamtsleiter Alfred Kanth erklärt, hätten nicht alle Jugendliche Dokumente bei sich. Trotzdem müsse ein Alter ermittelt werden. Jene Festlegung sei aber immer ein Stück Interpretation. Sie geschehe anhand von physischen Entwicklungsmerkmalen und der Abfrage des schulischen Kenntnisstands durch den Arzt sowie das Jugendamt. Sowohl die Amtsärzte als auch die Mitarbeiter des Jugendamtes stellt dieses im Landkreis relativ junge Phänomen vor große Herausforderungen. Kanth gibt unumwunden zu, dass das Verfahren zum Teil durchaus spekulativ, also alles andere als wasserdicht sei. Zuletzt habe man in Donauwörth in zwei Fällen die Anerkennung als Minderjährige abgelehnt. Es gebe das Ganze allerdings auch in der anderen Richtung: Jugendliche, die sich als Erwachsene ausgeben, weil sie lieber in einer regulären Gemeinschaftsunterkunft wohnen würden.

Die 42 Jugendlichen, die der Landkreis bis dato gesondert beherbergt hat, sind zwischen 16 und 18 Jahre alt, sie stammen laut Amtsleiter Kanth sämtlich aus nachweislichen Krisengebieten, vor allem aus Syrien, Afghanistan und Eritrea. Die Gründe, warum sie alleine eingereist sind, seien vielfältig. Teils würden sie von den Eltern alleine losgeschickt, teils hätten sich unterwegs jedoch dramatische Ereignisse abgespielt, wie Kanth berichtet: Beispielsweise, dass es die Eltern nicht mehr auf den Lastwagen der Schleuser geschafft hätten und ähnliche menschliche Tragödien.

Die Jugendämter sind strikt dazu verpflichtet, minderjährige Flüchtlinge selbst in Obhut zu nehmen. Deutschland hat die dafür ausschlaggebende Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen unterzeichnet. Ferner weist die hiesige Sozialgesetzgebung in die gleiche Richtung – demnach darf es in der Jugendhilfe keine Benachteiligung gegenüber einheimischen Jugendlichen geben. Jene Standards erschienen zuletzt zahlreichen bayerischen Landräten angesichts der Vielzahl an Flüchtlingen als zu weitgehend, weil sie in der Masse momentan nur schwer realisierbar wären.

Das Jugendamt in Donauwörth, das sich auch um zahlreiche Kinder aus der Glaubensgemeinschaft der Zwölf Stämme zu kümmern hat, sei mittlerweile vor allem im Bereich der Vormundschaften „überlastet“, so Amtsleiter Kanth: „Wir können kaum noch planen.“

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Ein Artikel von
Thomas Hilgendorf

Lokalredaktion Donauwörth
Ressort: Kreispolitik und südlicher Landkreis


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