Mittwoch, 28. September 2016

16. Januar 2015 00:34 Uhr

Verkehr

Ein Stückwerk will man in Berlin nicht

Je südlicher, umso schwieriger: Die geplante Augsburger Osttangente zwischen Derching und Oberottmarshausen stößt auf Probleme. Was bedeutet das für die Entlastung von Friedberg und Kissing?

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Vierspuriger Ausbau der Kreisstraße AIC25 statt Neubau einer Nordumgehung – auf diese Lösung setzt Friedbergs Bürgermeister Roland Eichmann (SPD), um die Anwohner der B300 zu entlasten. Im Gespräch mit unserer Zeitung kündigte er an, dafür Druck machen zu wollen (wir berichteten). Schließlich werden in Berlin derzeit die Weichen für den neuen Bundesverkehrswegeplan gestellt, der die großen Infrastrukturprojekte für die nächsten zehn bis 15 Jahre festlegt. Angemeldet ist das Projekt samt der Fortführung nach Süden zur Bundesstraße 17 bei Oberottmarshausen – doch über die Erfolgsaussichten, dass der Bund die Kreisstraße tatsächlich in seine Trägerschaft übernimmt und ausbaut, hält man sich in Berlin bedeckt.

Bis zum Sommer soll ein Fachbüro alle 2000 bundesweit angemeldeten Maßnahmen auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis prüfen, für den Herbst ist dann die Verabschiedung durch den Bundestag geplant. Was reinkommt und was rausfliegt, darüber will Ulrich Lange, der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, nicht spekulieren. „Die schwäbischen Abgeordneten haben natürlich die schwäbischen Projekte besonders im Blick“, formuliert der CSU-Politiker aus Nördlingen bewusst allgemein.

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Die vom Landkreis Aichach-Friedberg gebaute AIC25 zwischen Friedberg und der Autobahn bei Derching hat sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Verkehrsachse in der Region entwickelt. Bis zu 20000 Fahrzeuge pro Tag werden dort gezählt, berichtet Stefan Garbsch vom Staatlichen Bauamt in Augsburg. Das sind inzwischen sogar deutlich mehr als auf der B300 zwischen Dasing und Friedberg, wo die Belastung bei rund 11000 Fahrzeugen liegt.

Derzeit bewältigt die AIC25 die Ströme und hat sogar noch eine gewisse Aufnahmekapazität. Garbsch weist jedoch daraufhin, dass die Straße Teil einer geplanten großräumigen Osttangente von Augsburg ist, die von Derching über Friedberg und Kissing nach Süden führt, nahe Mering den Lech überquert und schließlich bei Oberottmarshausen auf die Bundesstraße 17 mündet.

Das Staatliche Bauamt hat dazu einen möglichen Trassenverlauf ermittelt, den der Freistaat Bayern für den neuen Bundesverkehrswegeplan als vordringlichen Bedarf nach Berlin gemeldet hat. Aus Sicht der Fachleute könnte so die B17 im Augsburger Westen entlastet werden, die schon heute an die Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit stößt. Käme es zu dieser neuen Augsburger Osttangente, dann wäre der Abschnitt zwischen Friedberg und der Autobahn mit zwei Spuren zu gering dimensioniert, weil noch einiges an Verkehr hinzukäme, schätzt Stefan Garbsch. Und der Ausbau brächte unter Umständen auch einen Vorteil für die Anlieger der B300 in Friedberg. Dann könnte dort nämlich laut Garbsch mit Verkehrsbeschränkungen, etwa einem Lkw-Fahrverbot gearbeitet werden, was bislang dort nicht möglich ist.

Doch für die geplante Tangente gilt: „Je weiter es nach Süden geht, umso unwahrscheinlicher wird es, dass sie kommt“, sagt Garbsch, der beim Staatlichen Bauamt die Projekte im Wittelsbacher Land betreut. Probleme mit dem Umweltschutz bereiten schon die Lechauen bei Kissing, dann überquert die Straße den Lech und führt am Siebentischwald mit dem Trinkwasser-Schutzgebiet der Stadt Augsburg vorbei. Als durchaus konfliktträchtig schätzen selbst die Straßenbauer diese Planungen ein.

Auch Kissings Bürgermeister Manfred Wolf (SPD) hat seine Zweifel, dass sich die naturschutzfachlichen Schwierigkeiten regeln lassen. Zwar hat die Gemeinde im Flächennutzungsplan die Trasse für eine vierspurige Umfahrung freigehalten. Eine einfachere Lösung verspricht sich Wolf aber von einem kleinen Projekt: Auf zwei Spuren könnte die Straße entlang der Bahnlinie um seine Gemeinde herum und zwischen Kissing und Mering-St. Afra wieder auf die bestehende Bundesstraße führen.

Kommt also möglicherweise ein vierspuriger Ausbau von Derching bis Friedberg, dann zweispurig um Kissing herum und auf der bestehenden Trasse weiter nach Königsbrunn und zur B17? Von einem solchen Stückwerk halten die Verkehrspolitiker des Bundes offenbar nicht allzu viel. „Es muss ein Gesamtkonzept sein“, stellt der CSU-Abgeordnete Lange fest: „Mit Teilstücken haben wir in Berlin unsere Probleme.“

Eine Aussage, die den Kissinger Bürgermeister ärgert. „Da bin ich total enttäuscht“, sagte Manfred Wolf unserer Zeitung: Er erwartet von Lange und seinen Kollegen im Bundestag, nach Lösungen zu suchen und nicht einfach den Kopf in den Sand zu stecken. Dass es in Kissing so nicht weitergehen kann, ist auch dem Stimmkreisabgeordneten Hansjörg Durz (CSU) bewusst. „Dort, wo der größte Bedarf besteht, wollen wir eine möglichst gute Priorität erreichen“, verspricht er für die bevorstehenden Verhandlungen über den Bundesverkehrswegeplan.

Und Kissing erstickt zu Stoßzeiten im Verkehr. 20000 Fahrzeuge wurden zuletzt täglich auf der Ortsdurchfahrt gezählt, und dazu kommt noch ein erheblicher Schleichverkehr von Autofahrern, die die parallelen Seitenstraßen durch die Wohngebiete nutzen, weil sie auf die Bundesstraße kaum einbiegen können. Eine Umgehung könnte die bestehende B2 um bis zu 13000 Fahrzeuge entlasten, sagen die Gutachten voraus. Nicht ohne Grund sei die Kissinger Umgehung 2002, also noch unter Rot-Grün, in den vordringlichen Bedarf aufgenommen worden, erinnert der Bürgermeister.

Dass es durchaus noch mehr Verkehr werden könnte, wenn der vierspurige Ausbau zwischen Derching und Friedberg kommt, ist Wolf durchaus bewusst. „Wir haben hier einen Flaschenhals“, sagte er. Den Vorstoß seines Friedberger Kollegen und Parteifreundes Roland Eichmann will er dennoch nicht torpedieren: „Wir nehmen anderen Gemeinden nichts weg“, verweist er auf die gut nachbarschaftlichen Beziehungen, die Kissing auch in anderen Fragen praktiziere.

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Ein Artikel von
Thomas Gossner

Friedberger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Friedberg


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