Montag, 11. Dezember 2017

04. Dezember 2017 20:03 Uhr

Mering

Industriepark Mering: Geteilte Freude in den Fraktionen

Noch ist nicht sicher, ob der Logistikdienstleister Honold sich in Mering ansiedeln wird. Bürgermeister Hans-Dieter Kandler erklärt, warum er so lange geschwiegen hat

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Angrenzend an den Bahnhaltepunkt St. Afra soll ein Industriepark in Mering entstehen. Doch noch ist nicht sicher, ob der Logistikdienstleister Honold in die Marktgemeinde kommt.
Foto: Josef Stöhr

 Zwei Tage nachdem nun bekannt ist, wer ein Auge auf den geplanten Industriepark nördlich der Friedenaustraße in Mering geworfen hat, nehmen die Fraktionsvorsitzenden des Marktgemeinderates Stellung zum Großprojekt.

Bürgermeister Hans-Dieter Kandler hat am Samstag dem Drängen der Bürger nachgegeben und im Rahmen der Demonstration gegen das geplante Industriegebiet nun den Namen genannt (wir berichteten). Der Logistik-Dienstleister Honold mit Sitz in Neu-Ulm will auf 78000 Quadratmetern unter anderem drei große Hallen im nördlichen Teil des Gebiets errichten. „Ich bin den Gemeinderäten sehr dankbar, dass sie mir das Vertrauen entgegengebracht und mir Zeit für die Verhandlungen mit dem Investor gegeben haben“, so Kandler. Dass er nicht früher an die Öffentlichkeit gegangen war, habe einzig daran gelegen, dass die Firma Honold sich bei einem internationalen Konzern um einen Auftrag beworben hatte und um diese Verhandlungen nicht zu gefährden, um Vertraulichkeit bat. „Mein Schweigen, sollte keinerlei Misstrauen gegenüber den Gemeinderäten darstellen“, erklärt Kandler.

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Markus David, SPD-Fraktionsvorsitzender im Marktgemeinderat, bewertet die Pläne des Investors als ein „positives Signal“ für Mering. „Es ist eine große Chance, wenn vor Ort 150 Arbeitsplätze geschaffen werden“, sagt David. Ob es sich dabei um neue Arbeitsplätze handelt oder ob der Investor bereits mit Mitarbeitern in die Marktgemeinde umsiedeln wird, darüber ist David nicht informiert. „Ich hoffe, dass wir diese Fragen klären können, wenn sich der Investor uns im Gemeinderat vorstellt“, sagt er. David zeigt Verständnis dafür, dass Kandler bisher keine Namen genannt hat. „Mich hat es auch gestört, dass es so lange gedauert hat, bis wir ebenfalls informiert wurden, um wen es sich handelt, doch es war ein Wunsch des Investors“, erklärt David. Der SPD-Fraktionsvorsitzende weiß, dass im Vorfeld Kritik laut wurde, dass nur ein großes Unternehmen den Löwenanteil des neuen Industrieparks erhält. „Angesichts der Grundstückspreise vor Ort, ist es aber für kleinere Betriebe auch sehr schwer, sich hier anzusiedeln“, gibt David zu Bedenken.

Petra von Thienen von den Grünen steht gemeinsam mit ihrer Fraktion dem Projekt „sehr kritisch“ gegenüber. Seit der jüngsten Gemeinderatssitzung im November seien sie im nichtöffentlichen Teil über den Namen des Investors informiert worden. „Und auch das nur, weil wir darauf gedrängt haben“, sagt von Thienen.

Sie zweifelt die ersten Hochrechnungen an, die besagen, dass das Unternehmen schon ab 2018 Gewerbesteuer in Höhe von 260000 Euro an die Marktgemeinde zahlt. Den Grünen fehlt eine stichhaltige Kosten-Nutzen-Rechnung. „Bislang wissen wir nicht, was uns das Industriegebiet wirklich kosten wird und welche Folgenkosten auf uns zukommen“, sagt von Thienen. Für sie sei das Risiko zu hoch, wenn über 90 Prozent der Gewerbefläche an einen Investor vergeben werden. Für die Grünen sei dies eine „völlig falsche Wirtschaftsförderung“. Wie bereits mehrfach berichtet, stellt das Industriegebiet im Lechfeld für die Grünen zudem einen enormen ökologischen Eingriff dar.

Georg Resch, Vorsitzender der CSU-Marktgemeinderatsfraktion, freut sich, wenn der Investor in Mering sein Vorhaben verwirklichen kann. „Das ist gut und wichtig für die Marktgemeinde“, sagt er. Die voraussichtlichen Gewerbesteuereinnahmen von 260000 Euro pro Jahr seien eine wichtige Einnahmequelle für den Ort. „Nur so können wir dringend notwendige Projekte verwirklichen“, sagt er. Er bittet um Verständnis, dass nicht jeder, der für das Gewerbegebiet ist, gleich auch ein Feind der Umwelt sei. „Wir haben nur in dem Areal westlich der Bahn Flächen für das Gewerbegebiet und diese Chance müssen wir auch nutzen“, so Resch. Er stellt sich an die Seite von Bürgermeister Kandler, wenn es um die Geheimhaltung des Namens geht: „Das ist bei Grundstückverhandlungen durchaus üblich, dass da im Vorfeld keine Namen genannt werden.“ Es sei noch nichts „in trockenen Tüchern“ und er hoffe, dass der Investor nicht doch noch abspringe.

Über diese Haltung ist sich die CSU intern nicht ganz einig. CSU-Ortsvorsitzender Florian Mayer hält zwar ebenfalls an einem Gewerbegebiet fest, aber er will „den Investor nicht ohne Auflagen und Gedanken an die Zukunft durchwinken“. Auf Anfrage unserer Zeitung sagt er: „Nach meinen Informationen sind Einschränkungen im Rahmen eines Bebauungsplanes oder städtebaulichen Vertrages möglich.“ Mayer will nicht, dass später vielleicht aus dem Unternehmen doch ein reiner Logistiker ohne Produktion wird. Dann nämlich drohe Mering zu einem Verkehrsdrehkreuz zu werden, wenn der Lkw-Verkehr im Ort Richtung Autobahnanschluss Odelzhausen oder auf die B17 bei Königsbrunn fahre. Zudem stellt er sich klar gegen eine „vierspurige, autobahnähnliche Osttangente“. Er hofft, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lerne. „Aufgrund unserer Erfahrungen aus der Vergangenheit ist es gerade der oft fehlende Blick in die Zukunft, der Mering schon öfter so schöne Bescherung gebracht hat“, heißt es in einem CSU-internen Schreiben an die Mitglieder. Meist habe das am fehlenden Weitblick bei den politischen Verantwortlichen gelegen. „Was passiert, wenn die angedachte Montagetätigkeit wegfällt oder das Areals einen Dritten verkauft wird?“, stellt Mayer die Frage in den Raum.

Am Donnerstag, 21. Dezember, werden ab 19.30 Uhr zu diesem Projekt noch einmal die Gemeinderäte in der Sitzung beraten.

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