Dienstag, 23. Mai 2017

20. Februar 2017 07:31 Uhr

Selbstzahler-Leistungen

IGEL in der Kritik: Mehr Schaden als Nutzen

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen zieht eine eher negative Bilanz zu individuellen Gesundheitsleistungen - kurz IGEL. Auch die Patienten seien häufig nicht zufrieden.

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Ärzte müssen Patienten über Nutzen und Risiken einer Selbstzahler-Leistung aufklären. Laut Krankenkassen geschieht das nicht immer zur Zufriedenheit der Patienten.
Foto: Marijan Murat (dpa)

Selbstzahler-Leistungen, die in den Arztpraxen angeboten werden, bringen häufig mehr Schaden als Nutzen. Zu diesem Schluss kommt der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDS) in einer am Donnerstag Bilanz zu den sogenannten individuekken Gesundheitsleistungen (IGEL), die privat zu zahlen sind. »Auch Früherkennung kann schaden», so das Fazit nach fünf Jahren, in denen der MDS über den sogenannten IGEL-Monitor wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfen anbietet. Dabei berät der MDS den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung in allen medizinischen und pflegerischen Fragen, die diesem qua Gesetz zugewiesen sind.

Krankenkassen: IGEL haben negative Bilanz

Die Gesamtbilanz der bisherigen Bewertungen von Igel-Leistungen »fällt nicht gut aus», so das Fazit der Wissenschaftler. Viele dieser IGEL-Leistungen hätten einen größeren Schaden als Nutzen - so etwa die durchblutungsfördernde Infusionstherapie gegen Hörsturz. Insgesamt wurden 17 IGEL-Leistungen mit »tendenziell negativ» bewertet, mit einem deutlich höheren zu erwartenden Schaden als Nutzen. Bei weiteren 15 Bewertungen kommt der Medizinische Dienst zu dem Schluss, dass die Schaden-Nutzen-Bilanz mit »unklar» zu bewerten ist. Mit »tendenziell positiv» wurden lediglich drei Selbstzahler-Leistungen bewertet - keine einzige erhielt eine durchweg positive Bewertung. Auch beliebte IGEL-Leistungen wie Früherkennungstests wie »Lungen-Check» und EKG wurden als »tendenziell negativ» bewertet.

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Information zu Selbstzahler-Leistungen nicht ausreichend

Grund für die tendenziell negativen Bewertungen sei vorallem die Unzufriedenheit der Patienten, die sich oftmals bei der Entscheidung über die angebotenen Leistungen alleingelassen fühlten, sagte MDS-Geschäftsführer Peter Pick bei der Vorstellung der Bilanz. »Es ist nicht hinnehmbar, wenn Patienten unter Druck gesetzt werden oder wenn sie vor der Behandlung weder ausreichende Informationen noch eine nachvollziehbare Kostenaufstellung erhalten», betonte er. »Auch wenn manches besser geworden ist - es ist nicht alles gut.»

Einzig jeder vierte Patient gab im Rahmen einer Befragung des IGEL-Monitors an, zufrieden über die Information zu möglichen Schäden der Selbstzahler-Leistung zu sein. Dabei informieren sich dem MDS zufolge täglich rund 2000 Nutzer auf der Internetseite über die Leistungen.

Die Stiftung Patientenschutz übte nach Veröffentlichung der Bilanz nun scharfe Kritik an dem Angebot der Selbstzahler-Leistungen. Sie wirft den Krankenkassen vor, es gehe »ums Geldverdienen, selbst wenn es dem Patienten schadet», so Vorstand Eugen Brysch. Er forderte eine zweiwöchige Bedenkzeit zwischen dem Angebot des Arztes und der Leistungserbringung. »Was für Haustürgeschäfte gilt, muss auch für Igel-Leistungen gelten», so Brysch. mit afp

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