Sonntag, 22. Oktober 2017

11. August 2017 06:37 Uhr

Umwelt

Plastikmüll: Umweltorganisation sagt Strohhalm den Kampf an

Plastikmüll setzt den Weltmeeren zu, seine Menge soll enorm sein. Ein Hauptproblem stellt dabei Alltagsabfall dar – zum Beispiel Trinkhalme. Umweltverbände wehren sich dagegen.

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Nicht nur im Urlaub werden Strohhalme verwendet: Allein in Deutschland werden jährlich 40 Milliarden Stück verbraucht. Eine Umweltorganisation will dagegen nun vorgehen.
Foto: Jens Kalaene (dpa)

Es sind erschreckende Szenen, die ein Video auf der Internetplattform Youtube zeigt. Darin versuchen Wissenschaftler, einer Meeresschildkröte ein Röhrchen aus der Nase zu ziehen. Das Tier windet sich, es fließt Blut, doch das Teil will einfach nicht raus, so fest steckt es. Letztlich schaffen es die Wissenschaftler doch. Hinterher stellt sich heraus, dass sich das Tier einen etwa 15 Zentimeter langen Plastikstrohhalm eingefangen hatte.

Lonely Whale Foundation sagt Strohhalmen den Kampf an

Damit sich solche Szenen in Zukunft nicht mehr wiederholen, hat die US-amerikanische Umweltorganisation Lonely Whale Foundation den Plastik-Trinkhalmen den Kampf angesagt. #StopSucking heißt die Initiative, mit der die Lonely Whale Foundation Verbraucher auf die Gefahren des Plastiks für die Meere und seine Tiere aufmerksam machen will. "Wir sehen Trinkhalme als Einstiegsplastik zum Verständnis der Verschmutzungsproblematik", sagt Adrien Grenier, Mitbegründer der Foundation und Umwelt-Sonderbotschafter der Vereinten Nationen. Der Geschäftsführer der Stiftung, Dune Ives, ergänzt: "In der Kampagne geht es nicht nur um Trinkhalme aus Plastik, sondern darum, weltweit ein motiviertes Publikum zu finden, dem die Gesundheit der Ozeane am Herzen liegt."

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Ein ähnliches Ziel hat auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), dem die Erhaltung der Ozeane und Meere ebenfalls am Herzen liegt. Zwar seien Strohhalme kein vorherrschendes Problem, erklärt Kim Cornelius Detloff, Teamleiter Meeresschutz des Nabu. Trotzdem komme es an den sogenannten "Cleanup Days", an denen deutsche Strände gereinigt werden, vor, dass Strohhalme gefunden werden. Für ihn sind sie daher eher ein "Symbol des sorglosen Umgangs mit Plastik". Der ist angeblich enorm. Das Umweltbundesamt spricht von 100 bis 140 Millionen Tonnen Plastikmüll, die in den Weltmeeren vermutet werden.

Eine Plastikflasche ist erst nach einem halben Jahrhundert zersetzt

Die Gefahren für Tiere sind zahlreich. Viele von ihnen verfangen sich in Netzen oder sonstigen Arten von Müll, andere halten die Teile für Futter. "Sie verhungern mit vollen Mägen", sagt Detloff. Denn im Müll sind keinerlei Nährstoffe. Zudem ist er häufig mit Bakterien oder anderen giftigen Stoffen belastet, die den Tieren schaden. Ein Problem dabei ist, dass Plastik Jahrzehnte, oft Jahrhunderte benötigt, ehe es sich zersetzt. Einer Statistik des Umweltbundesamtes zufolge braucht eine Plastiktüte um die 20 Jahre, bis sie zerfällt. Lächerlich wenig im Vergleich zu einer Plastikflasche, die dafür fast ein halbes Jahrhundert benötigt. Bei einer Angelschnur dauert das sogar bis zu 600 Jahre.

Gegen den Müll wehrt sich auch das Bundesland Niedersachsen, das vom Abfall in der Nordsee betroffen ist. 600.000 Kubikmeter Müll soll es in der Nordsee geben. "Das ist zunehmend ein Problem", sagte Justina Lethen, Pressesprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums, unserer Zeitung. Der Müll in den Meeren komme vor allem von der Seefahrt und Fischerei, erklärt sie weiter. Auf See gibt es keine Mülltonnen, in die Seefahrer ihren Abfall werfen könnten. Viele werfen ihn deshalb lieber ins Meer. Deshalb engagiert sich das Land Niedersachsen zusammen mit dem Nabu an der Initiative "Fishing for Litter". Die stellt an den Häfen Container auf, in die Fischer und Seeleute den Müll werfen können, den sie unterwegs eingesammelt haben. So seien im vergangenen Jahr etwa zwei Tonnen Abfall zusammengekommen, erklärt Justina Lethen.

In Deutschland werden jährlich 40 Milliarden Strohhalme verbraucht

Auch wenn die Strohhalme laut Nabu dabei nicht das Hauptproblem sind, gibt es Alternativen, die Verbraucher nutzen können. Das Unternehmen Bio-Strohhalme aus dem bayerischen Raubling (Landkreis Rosenheim) bietet beispielsweise Trinkhalme aus Papier oder Kartoffelstärke an. "In Deutschland werden jährlich etwa 40 Milliarden Strohhalme verbraucht", erklärt Jana Gessert von Bio-Strohhalme. Deshalb habe sich das Unternehmen vor einigen Jahren dazu entschieden, ressourcenschonende Materialien zu verwenden. Das sei zur Zeit ohnehin ein Trend, sagt Gessert.

So gibt es beispielsweise verschiedene Möglichkeiten, um den Gebrauch von Coffee-to-go-Bechern einzuschränken. Pfandsysteme oder wiederverwendbare Becher sind hier schon im Einsatz. Auch große Unternehmen beginnen damit, umzusteigen. So kündigte McDonald’s an, Heißgetränke in seinen Filialen in Tassen und Gläsern anstelle von Pappbechern verkaufen zu wollen.

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Ein Artikel von
Gideon Ötinger

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontär


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