Samstag, 27. Mai 2017

14. Februar 2017 07:45 Uhr

ITB 2017

Die Unsicherheit hält an - Ausblick auf die Reisemesse ITB

Die weltweite Unsicherheit hat die Urlauberströme verändert. Auch auf der ITB 2017 dürfte die Euphorie gedämpft sein. Urlauber und Veranstalter fragen sich: Wird es 2017 besser?

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Das Jahr 2016 war für Urlauber turbulent. Angesichts zahlreicher Anschläge in Europa und einem versuchten Putsch in der Türkei fiel die Reiseentscheidung oft schwer. Viele Urlauber mieden die Türkei, dafür boomten andere Mittelmeerländer wie Spanien und Griechenland. Auch Städtereiseziele wie Paris und Brüssel litten unter Terror. Große Verunsicherung war die Folge. Wenige Wochen vor der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin Anfang März spricht vieles dafür, dass auch die Saison 2017 unruhig sein dürfte.

Die Zeiten werden wohl chaotisch bleiben

David Ruetz ist Leiter der ITB und spricht angesichts der globalen Unsicherheit von einer «neuen Realität», die sich freilich zur neuen Normalität entwickele. Die Zeiten sind chaotisch - und sie werden es wohl bleiben. Das Kongressprogramm der ITB befasst sich entsprechend erneut mit dem Thema Sicherheit und Ängste. Wo kann ich noch hin? Eine Frage, die sich Urlauber in den Reisebüros stellen. Wo schicken wir die Leute hin? Das fragen sich die Reiseveranstalter.

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«Die Sicherheit wird eine Rolle spielen, aber es wird nicht das alleinbestimmende Thema sein», glaubt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV), und stützt damit die These vom Gewöhnungseffekt. Und natürlich darf auch der Hinweis nicht fehlen, dass die Reiselust nach wie vor ungebrochen ist. Wohin die Reise geht, ist aber noch nicht ausgemacht.

Viele Blicke richten sich auf die Türkei. Immerhin 3,76 Millionen Urlauber aus Deutschland reisten in den ersten elf Monaten des Jahres 2016 in das Land - 1,7 Millionen weniger jedoch als im Vorjahreszeitraum. Der Terror und auch das Gebaren des Präsidenten Erdogan haben viele Menschen abgeschreckt. Tourismusforscher Prof. Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven sagt: «Die große Frage ist jetzt: War das nur ein kurzfristiger Einbruch, oder hält die Flaute an?» 

Für eine definitive Antwort ist es noch zu früh, noch nicht alle Sommerbuchungen sind gemacht. Laut Zahlen des Veranstalters DER Touristik von Ende Januar hält die Flaute in der Türkei aber an: Die Buchungen seien erneut im Minus, sagt René Herzog, CEO für den Bereich Zentraleuropa. Das Land muss wohl erneut auf ein gutes Last-Minute-Geschäft hoffen, befeuert durch Billigpreise und volle Hotels in anderen Ländern wie Spanien. Der DRV hatte zumindest vor dem Jahreswechsel noch nicht viele Türkei-Buchungen registriert.

Dafür dürften die Badeziele in Spanien mit den Balearen und Kanaren sowie Griechenland richtig voll werden. «Griechenland brummt bislang», sagt Schäfer. Marktführer Tui hat das Land wegen der vielen Buchungen bereits zum «Trendziel des Jahres» ausgerufen. Und Mallorca rechnet schon wieder mit einem Rekord-Besucherandrang. Die besten Hotels sind schon fast weg. Die Urlauber scheinen das zu wissen: Viele buchen in dieser Saison wieder früher - nicht nur in Spanien übrigens.      

Bei den zwei anderen Krisenländern Tunesien und Ägypten ist die Lage unterschiedlich. Tunesien dürfte 2017 wieder wenige Gäste anlocken. Für Ägypten jedoch beobachtet die Reisebranche einen Aufschwung. «Das Land wird wieder stärker gebucht», bestätigt Torsten Schäfer. 

ITB 2017 soll Lust auf Urlaub machen

Grundsätzlich stellt sich die Frage: Wie mit den Ängsten der Urlauber umgehen? «Wenn die Reisebranche eine heile Welt vorgaukelt, ist das kontraproduktiv», sagt Prof. Kirstges. Doch das ist auch längst nicht mehr so. Europas Marktführer bei Studienreisen, Studiosus, informiert seine Gäste zum Beispiel seit Jahren aktiv über die Sicherheit der Reiseländer. «Auch die Reisebranche kann keine hundertprozentige Sicherheit garantieren, aber für einen möglichst sicheren Reiseablauf sorgen», sagt DRV-Sprecher Schäfer. Freilich kommuniziert man die Vorteile einer Pauschalreise, mit der ein Urlauber im Ernstfall nicht alleine dasteht: Der Veranstalter bringt ihn nach Hause.

Eine Messe wie die ITB ist aber natürlich in erster Linie dazu da, Lust auf Urlaub zu machen. Kritische Fragen hört man an den Ständen nicht so gerne. «Die ITB ist unpolitisch, und vielleicht ist das auch gut so», sagt Kirstges. Auch die Krise der Türkei werde sich in den Messehallen wohl nicht widerspiegeln, sagt ITB-Leiter Ruetz. «Das Land ist wieder in gewohnter Größe vertreten.»

Und schließlich gibt es ja durchaus positive Ausblicke: Fernreisen sind ungeschlagen beliebt. Der DRV rechnet mit steigender Nachfrage. Das Partnerland der ITB ist in diesem Jahr Botsuana - als erstes Land im südlichen Afrika überhaupt. Es bietet wunderbaren, aber nicht gerade günstigen Safari-Tourismus. Der Höhepunkt: das Okavangodelta. 

Offen ist noch, wie sich die USA-Buchungen nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump entwickeln. Der Einreisestopp für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Staaten hat viele verschreckt und empört. «Das erfüllt uns mit Sorge», sagt DRV-Mann Schäfer. Ein negativer Trump-Effekt bei den USA-Reisen sei vorstellbar. Noch berichten die Veranstalter aber von stabilen Buchungen. Dabei steht der Euro-Dollar-Kurs aus Sicht von Urlaubern gerade schlecht. Das Thema Trump dürfte auf der ITB für viel Gesprächsstoff sorgen.

Ungetrübte Urlaubswelten bietet aktuell vor allem die Kreuzfahrt, die immer mehr Reisende anlockt. «Das Wachstum setzt sich fort», sagt Schäfer. Und auch die Flusskreuzfahrt dürfte 2017 laut DRV eine gute Saison erleben. Möglicherweise ist der Boom nicht ganz vom Thema Sicherheit zu trennen. Torsten Kirstges stellt die Frage: «Wird das Kreuzfahrtschiff die neue sichere Destination?»

Nicht zuletzt werden sich auch die deutschen Reiseziele - ob Städte oder ländliche Regionen - in aller Breite auf der ITB präsentieren. Denn Reisen im eigenen Land machen Urlauber nach wie vor am häufigsten - gerne selbst organisiert, ohne Veranstalter. Auch wenn nach dem Anschlag von Berlin auch in heimischen Gefilden das Thema Sicherheit eine neue Dimension bekommen hat. Von Philipp Laage, dpa

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