Startseite
Icon Pfeil nach unten
Geld & Leben
Icon Pfeil nach unten

Natur: Vögel, Eichhörnchen und Igel im Winter: Füttern oder nicht?

Natur

Vögel, Eichhörnchen und Igel im Winter: Füttern oder nicht?

    • |
    Im Moment besteht noch kein Anlass, Vögel zu füttern - erst bei geschlossener Schneedecke.
    Im Moment besteht noch kein Anlass, Vögel zu füttern - erst bei geschlossener Schneedecke. Foto: Patrick Seeger, dpa

    Der Boden ist gefroren, die Bäume sind kahl, es ist kalt. Winter eben. Menschen machen es sich in der dunklen Jahreszeit im Zweifel drinnen gemütlich. Mit einem wohl gefüllten Kühlschrank und beheizten Zimmern kein Problem. Und die Wildtiere? Brauchen Igel, Eichhörnchen oder Wildschweine jetzt Hilfe?

    Grundsätzlich nein, sagt Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz (BN) in Nürnberg. „Wir sind der Meinung, dass Wildtiere kein speziell ausgebrachtes Futter zum Überleben brauchen - das unterscheidet sie ja von Haustieren.“ Der Winter sei ein natürlicher Nahrungsengpass und wichtig, um die Populationen gesund zu halten, so Straußberger. Schwache oder kranke Tiere würden ausgelesen, die Gesunden und Kräftigen überlebten.

    Erst, wenn zwei Wochen lang arktische Temperaturen herrschen und die Natur unter einer dicken Schneedecke verborgen liegt, „muss man aus Überlebensmotiven füttern“, sagt auch BN-Artenschutzreferent Kai Frobel. Noch gebe es in diesem Winter keine solche Notsituation. Trotzdem können Tierfreunde aus Sicht der Naturschützer einiges tun.

    Der Bayerische Landesbund für Vogelschutz und der Naturschutzbund rufen alle Vogelfreunde auf, im Januar alle Vögel in Garten oder auf dem Balkon zu zählen.
    Der Bayerische Landesbund für Vogelschutz und der Naturschutzbund rufen alle Vogelfreunde auf, im Januar alle Vögel in Garten oder auf dem Balkon zu zählen. Foto: Tim Brakemeier, dpa
    • Vögel

    Gut zu wissen: Während Amseln oder Meisen gerne Futterhäuschen besuchen, kommen die seltenen und bedrohten Arten kaum. So verschafft die Winterfütterung den häufigen und an den Menschen angepassten Arten einen Konkurrenzvorteil, heißt es vom BN. Trotzdem raten Naturschützer nicht generell vom Vogelfüttern ab. „Wer aus emotionalen Gründen füttern will, etwa weil er in der Stadt Vögel beobachten möchte, könne das tun“, sagt Kai Frobel. „Aber das Überleben der Arten steht und fällt nicht mit der Zahl der Meisen-Knödel, die verkauft werden.“

    Füttern oder nicht füttern? Aktuell bestehe noch kein Anlass, Vögel zu füttern, so Frobel. Ähnlich wie bei Eichhörnchen gelte: Erst bei dauerhaft geschlossener Schneedecke sei Hilfe sinnvoll. Dann ist es laut BN wichtig, das Vogelhäuschen sauber zu halten und geeignetes Futter wie Sonnenblumenkerne, Hirse, Getreidekörner, Haferflocken, Äpfel oder Rosinen zu verwenden.

    Winterschlaf oder aktiv? Über 100 Millionen Zugvögel verlassen nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) jedes Jahr im Herbst ihre Brutgebiete und fliegen in wärmere Regionen, um dort zu überwintern. Den Arten, die bleiben, hilft ihr Federkleid gegen den Frost: Sie plustern sich auf und die Luftschicht zwischen den Federn wärmt sie wie eine Daunenjacke. So können sie trotz Kälte aktiv bleiben.

    Hilfe für Vögel: Nachhaltiger als jede Futterstelle seien mehr Bäume und Sträucher im Garten, sagt Waldexperte Ralf Straußenberger. Zum Beispiel Vogelbeeren. Zudem könne man Stauden oder Altgras stehen lassen, da darin Insektenlarven überwintern und so ein Nahrungsvorrat für Vögel entsteht. Und: „Nicht jeden kaputten Ast vom Obstbaum abschneiden“, rät der Mann vom Bund Naturschutz. In dem toten Holz finden zum Beispiel Spechte ebenfalls Insekten und Larven.

    Auf keinen Fall: Vogelfutter sollte man nie auf den Boden werfen, da es sich dort mit Kot vermischt und zu Krankheiten führen kann. Außerdem gilt: Speisereste sind für Vögel tabu, da sie Gewürze und Salz enthalten.

    Eichhörnchen halten keinen Winterschlag, sondern nur Winterruhe.
    Eichhörnchen halten keinen Winterschlag, sondern nur Winterruhe. Foto: Matthias Balk, dpa
    • Eichhörnchen

    Gut zu wissen: Eichhörnchen ernähren sich hauptsächlich von Baumfrüchten wie Bucheckern, Eicheln oder Haselnüssen. Sie mögen aber auch Samen und Triebe, Beeren, Obst, Knospen und Pilze sowie Vogeleier oder Kleinvögel. Im Spätsommer und Herbst sind die Tiere mit den buschigen Schwänzen schwer beschäftigt: „Sie vergraben Nüsse im Boden und legen so ihren Wintervorrat selbst an“, sagt Artenschutz-Experte Kai Frobel vom Bund Naturschutz. Allerdings falle das in diesem Jahr in einigen Regionen schwer, denn aufgrund der Trockenheit seien Nüsse teilweise vertrocknet.

    Füttern oder nicht füttern? Problematisch wird es für die Nager, wenn starker Bodenfrost herrscht. Dann könnten sie ihre vergrabenen Vorräte nicht mehr erreichen, sagt Kai Frobel. Dazu komme es aber erst bei Temperaturen von konstant unter zehn Grad Minus. „Erst dann brauchen sie Hilfe, sonst nicht.“

    Winterschlaf oder aktiv? Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf sondern Winterruhe. Nur zur Nahrungsaufnahme verlassen sie ab und an ihr Nest.

    Hilfe für Eichhörnchen: Wer Eichhörnchen im Winter unterstützen möchte, kann beispielsweise große, überdachte Vogelhäuser aufstellen. Gefüllt mit Haselnüssen, Walnüssen, Sonnenblumenkernen oder auch Apfelstücken werden solche Futterstellen gerne von den Nagern aufgesucht. Wichtig dabei: Das Häuschen muss regelmäßig saubergemacht werden. „Einen Haselnussstrauch in den Garten zu pflanzen hilft Eichhörnchen aber langfristig mehr als jede Futterstelle“, so Frobel.

    Auf keinen Fall: Keine ebenerdigen Futterstellen für Eichhörnchen aufstellen, denn die können leicht von Katzen geplündert werden. Und: Brot oder Essensreste schimmeln schnell und eignen sich deshalb nicht als Futter.

    Igel dürfen keine Milch trinken
    Igel dürfen keine Milch trinken Foto: Marcus Merk
    • Igel

    Gut zu wissen: Igel sind Insektenfresser. Sie mögen Käfer, Schmetterlingslarven und Regenwürmer, aber auch Ohrwürmer und Käferlarven. „Wenn sie Anfang November um die 500 Gramm wiegen, haben sie gute Chancen, den Winter zu schaffen“, sagt BN-Experte Ralf Straußenberger. Sieht man bei starkem Frost noch einen Igel herumlaufen, „ist das kritisch“.

    Füttern oder nicht füttern? Igel sehen zwar niedlich aus, sind aber auch Wildtiere. Nur verletzte, hilflose oder kranke Tiere dürfen laut Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen werden, um sie zu pflegen. Als Igelfutter eignet sich zum Beispiel eine Mischung aus Katzenfutter, Igeltrockenfutter und ungewürztem Rührei. Obst hingegen nicht. Generell gilt: Bei der Aufzucht sollte man sich Rat von einem Fachmann holen, so Straußenberger. Denn falsche Hilfe kann schaden.

    Winterschlaf oder aktiv? Im Herbst fressen sich Igel eine Fettschicht an, die als Kälteschutz und Nahrungsvorrat dient. Ab Mitte November heißt es dann: Gute Nacht! Die kalten Monate verschlafen die Tiere in einem Winternest. Erst wenn das im Frühjahr über 15 Grad warm wird, beenden Igel ihren Winterschlaf. Bis zu 40 Prozent ihres Körpergewichts haben sie dann verloren.

    Hilfe für Igel: „Wichtig ist, dass Igel Verstecke finden“, sagt Waldreferent Straußenberger. Und dabei kann der Mensch helfen. Zum Beispiel indem man im Garten „wilde Ecken“ anlegt, Haufen aus Schnittgut und Laub bildet und darin aus Holzstückchen und Steinen kleine Schlupflöcher schafft.

    Auf keinen Fall: Igeln zum Trinken nur Wasser und keine Milch geben, denn sie können Laktose nicht verdauen.

    Rehe müssen normalerweise nicht gefüttert werden.
    Rehe müssen normalerweise nicht gefüttert werden. Foto: Julian Stratenschulte, dpa
    • Rehe

    Gut zu wissen: Rehe sind Pflanzenfresser und lieben Kräuter, Gräser, Triebe, Blätter oder Knospen. In unserer Kulturlandschaft finden sie mit Raps, Klee und Getreide zusätzliche Nahrung. Die Folge: Es gibt zu viele. Pro Jahr werden mittlerweile über eine Million Rehe erlegt.

    Füttern oder nicht füttern? „Rehe brauchen in einem normalen Winter keine Fütterung“, sagt BN-Artenschutzreferent Kai Frobel. Da die Tiere dem Jagdrecht unterliegen, haben die Jäger einen Hegeauftrag. Sie füllen bei starkem Frost Krippen im Wald. „Darüber hinaus ist nichts nötig.“

    Winterschlaf oder aktiv? Winterschlaf halten Rehe zwar nicht. Aber sie leben laut Deutschem Jagdverband (DJV) in der kalten Jahreszeit auf Sparflamme. Atmung und Herzfrequenz verlangsamen sich, um Energie einzusparen, und sogar der Verdauungstrakt schrumpft.

    Wildschweine

    Gut zu wissen: Wildschweine sind Allesfresser, von Wurzeln, Würmern und Pilzen über Triebe oder Früchte bis hin zu Insekten, Vögeln oder Aas. In den vergangenen Jahren ist ihre Zahl in Deutschland stark gestiegen - und das führt zu Konflikten, etwa mit Landwirten.

    Füttern oder nicht füttern? „Die Wildschweine sind pumperlgesund“, bestätigt Kai Frobel. Sie würden auch harte Winter überstehen, es gibt „keine Veranlassung, sie zu füttern“. Im Gegenteil müssten Wildschweine zunehmend bejagt werden.

    „Es gibt keine Methoden, keine Tradition, Hasen zu füttern“, sagt Experte Kai Frobel.
    „Es gibt keine Methoden, keine Tradition, Hasen zu füttern“, sagt Experte Kai Frobel. Foto: Gunther Hasler (Archiv)
    • Hasen

    Gut zu wissen: Kräuter, Knospen, junges Getreide oder auch Raps: Feldhasen essen bevorzugt Grünzeug. Im Winter, bei Schnee, weichen sie laut BN auch mal auf die Rinde von Obstbäumen oder die Triebe junger Laubbäume aus. Allerdings macht die intensive Landnutzung den Hasen das Leben schwer.

    Füttern oder nicht füttern? „Es gibt keine Methoden, keine Tradition, Hasen zu füttern“, sagt BN-Experte Kai Frobel. Und das sei auch nicht nötig. „Denn anders als das Kaninchen im Kinderzimmer ist der Feldhase ein Wildtier.“

    Winterschlaf oder aktiv? Hasen sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in sogenannten Sassen, flachen, geschützten Mulden. Im Winter lassen sie sich darin sogar einschneien. Winterschlaf halten Feldhasen aber nicht.

    Hilfe für Hasen: Stoppelfelder seien die beste Hilfe für Hasen, sagt Kai Frobel, denn dort könnten sie Nahrung und Verstecke finden. Zudem sind geschützte Hecken und Randstreifen an Äckern wichtig. Und: Die Langohren leiden unter dem Einsatz von Pestiziden, „weil dadurch die Wildkräuter-Flora fast völlig verschwunden ist“. Biologische Landwirtschaft würde ihnen helfen.

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden