Freitag, 21. Juli 2017

06. Juli 2017 09:21 Uhr

Neuvorstellung

Neuer Ford Fiesta: Wenn weniger Zylinder mehr Spaß machen

Die Benziner im neuen Ford Fiesta besitzen nur noch drei Töpfe. Trotzdem legt das Modell erstaunliches Temperament an den Tag. Ein erster Test. Von Michael Gebhardt

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Die Kleinen werden langsam groß: Gerade erst hat VW den neuen Polo vorgestellt, der selbst einen Golf III mittlerweile übertrifft, und auch der dieser Tage zum Händler rollende, neue Ford Fiesta misst inzwischen stolze 4,04 Meter. Dementsprechend stämmig tritt der wie gehabt als Drei- und Fünftürer erhältliche Wahl-Kölner auf. Vor allem von hinten kann man die nunmehr achte Generation fast schon für einen Kompakten halten.

Anders sieht’s dagegen aus, wenn man einsteigt: Der Radstand ist gegenüber dem Vorgänger nahezu unverändert geblieben und dementsprechend ist das Platzangebot immer noch nicht auf Top-Niveau. Das gilt für die Passagiere gleichermaßen wie für das Gepäck: Mit 269 Litern hinkt der Ford seinen Mitbewerbern hinterher, die eingangs erwähnte Polo-Neuauflage etwa bringt es auf stolze 351 Liter.

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Gesteigertes Wohlfühlambiente gibt es im Innenraum trotzdem, denn Ford hat das bisherige Mäusekino ausgemustert und zusammen mit den vielen Tasten auf der Mittelkonsole durch einen bis zu acht Zoll großen Touchscreen ersetzt. Außerdem gibt es nun auch für den Fiesta Annehmlichkeiten wie Lenkradheizung, Panoramaschiebedach und ein Bang-&-Olufsen-Soundsystem. Wer es besonders luxuriös will, kann ab Herbst auf die Vignale-Ausführung (ab 20600 Euro) mit edlen Dekorteilen zurückgreifen. Auf die Sportfraktion wartet ab Frühjahr 2018 die optisch durchtrainierte ST-Line (ab 17800 Euro) und für alle Abenteurer bringt Ford noch das höher gelegte Active-Modell mit Plastik-Schutzplanken.

Aufgerüstet hat Ford auch bei der Sicherheit: Neben Notbremsassistent, Einparkautomatik und Abstandstempomat hält der Fiesta jetzt auf der Autobahn allein die Spur. Bei den Motoren dagegen ist weiterhin Downsizing angesagt: Auf der Ottoseite gibt es zukünftig nur noch Dreizylinder: Neben dem bekannten 1,0-Liter-Turbo mit 100, 125 und 140 PS hält ein neuer, freiatmender 1,1-Liter-Einstiegsmotor (ab 12950 Euro) mit 70 und 85 PS Einzug und selbst das sportliche ST-Modell muss zukünftig auf eine Brennkammer verzichten. Dank Zylinderabschaltung läuft der rund 200 PS starke 1,5er mitunter sogar nur auf zwei Töpfen. Weiterhin im Angebot: Zwei Vierzylinder-Diesel mit 85 und 120 PS. Die beiden neuen Basis-Ottos koppelt Ford an ein manuelles Fünfgang-Getriebe, alle anderen bekommen eine sechste Übersetzungsstufe und für die 100-PS-Version steht sogar eine Wandlerautomatik zur Verfügung.

Zur ersten Ausfahrt trat der Fiesta mehr als gut motorisiert mit 140 PS unter der Haube an, die in dem nicht mal 1,2 Tonnen schweren Kleinwagen jede Menge Spaßpotenzial entfalten. Der Dreizylinder reagiert auf kleinste Zuckungen mit dem rechten Fuß, schickt seine 180 Newtonmeter schon bei 1500 Umdrehungen an die Vorderachse und dreht stürmisch bis in den Begrenzer. Vor allem aber trifft die Kraft im neuen Fiesta auf einen Unterbau vom Feinsten. Dank des neu entwickelten Fahrwerks mit breiterer Spur und der nochmals überarbeiteten Lenkung macht der Ford nicht nur als City-Flitzer eine gute Figur, sondern ist bestens für Landpartien mit hohen querdynamischen Ansprüchen gerüstet: Lustvoll durchpfeilt er Kurve um Kurve, ohne während unserer Testfahrt dabei auch nur einmal das ESP auf den Plan zu rufen. Dass er dabei mehr als die angegebenen 4,5 Liter Sprit verbraucht, versteht sich von selbst. Ganz zurückhaltend ist das kleine Motörchen dagegen in Sachen Akustik: Außer wenn er unter Volllast kernig knurrt ist der Dreizylinder so leise, dass man manchmal sogar das Hochschalten vergisst.

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