Montag, 11. Dezember 2017

12. April 2017 09:11 Uhr

Test

Volvo S90 und V90: Schöne neue Oberklasse

Mit der Limousine S90 und dem Kombi V90 bietet Volvo zwei reizvolle Alternativen zur (deutschen) Oberklasse. Dabei setzten die Schweden ganz eigene Akzente. Der Test-Bericht.

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Wenn Zlatan Ibrahimovic für Volvo Werbung macht, dann will das etwas heißen. Der Fußballstar sieht sich bekanntlich als (sportliche) Oberklasse – eine klare Botschaft. Allerdings dürfte sich auch ohne Unterstützung des schwedischen Enfant terrible inzwischen herumgesprochen haben, dass der Autobauer derzeit wohl zu den angesagtesten Marken am Markt gehört. Die einst praktisch-soliden Skandinavier haben eine beeindruckende Metamorphose hinter sich – und scheinen noch lange nicht am Ende.

Anfang des Jahrzehnts wurde das neue Produktprogramm SPA (skalierbare Produkt-Architektur) aufgesetzt, das neue Maßstäbe bei Design, Entwicklung und Produktion setzen soll. Bereits der Auftakt 2015 mit dem Premium-SUV XC90 war vielversprechend. Im vergangenen Jahr hat Volvo mit der Limousine S90 und dem Kombi V90 zwei weitere Modelle nachgelegt.

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Was man in München, Ingolstadt und Stuttgart ungern hören wird: Beide Autos sind eine echte Bereicherung für die Oberklasse und eine reizvolle Alternative zum deutschen Establishment. Das mag vor allem am unverkrampften Schweden-Schick liegen, der den Fahrer in beiden Autos sofort in eine ganz eigene Atmosphäre hüllt: eine Mischung aus Harmonie, Eleganz und Frische, die man bei der Konkurrenz in dieser Form vergeblich sucht.

Volvo setzt bei S90 und V90 auf hochwertige "Einfachheit"

Augenfällig wird das zunächst beim Design, das das neue Selbstbewusstsein regelrecht herausschreit. Die Front mit dem aggressiven Kühlergrill und den markanten Scheinwerfern, die an den Hammer von Donnergott Thor erinnern sollen, strahlt in Verbindung mit den wuchtigen Maßen eine kühle Stärke aus. Das Heck mit den C-förmigen Rückleuten bleibt weiter Geschmackssache, insgesamt sind aber sowohl Limousine als auch Kombi ein absoluter Blickfang.

Stilvoll geht es auch innen zu. Hier herrscht hochwertige „Einfachheit“, wie es die Schweden nennen. Und der Eindruck, dass etwas angenehm anders ist, setzt sich lückenlos fort. Sofort ins Auge fallen die Luftausströmer, die die wuchtigen Armaturen vertikal durchbrechen, und der mittig platzierte, stattliche Touchscreen. Das 12,3 Zoll große Display ist in doppelter Hinsicht das Herz des Cockpits. Denn auf analoge Knöpfe und Regler hat Volvo fast vollständig verzichtet. Nahezu alles lässt sich digital regeln: Sitzheizung, Temperatur, Assistenzsysteme, Multimediawelt.

Für letzteres braucht es tatsächlich dieses große Wort. Denn was Volvo im Audiobereich bietet, ist wahrlich eine Welt für sich. Mit dem Soundsystem des britischen Elektronikherstellers Bowers & Wilkins bekommt der Kunde (gegen Aufpreis) 19 intelligent im Innenraum integrierte Lautsprecher – und damit ein unübertroffenes Klangerlebnis. Auf Wunsch kann sich der Fahrer sogar mit Opernhallen-Akustik beschallen lassen.

Volvo S90 und V90: Motor, Preis, Daten

Technologische Opulenz herrscht auch beim Thema Sicherheit. Beim Markenkern geben sich die Schweden keine Blöße. Serienmäßig ist eine ganze Liste an Sicherheits- und Assistenzsystemen im Angebot, die bis Tempo 130 sogar ein teilautonomes Fahren zulassen.

Was das Gefühl der Geborgenheit verstärkt: Trotz der stattlichen Maße und der herausfordernden Optik sind sowohl Limousine als auch Kombi auf der Straße recht ruhige Gesellen, was sowohl an der vorbildlichen Dämmung als auch der Motorisierung liegt. In beiden Modellvarianten setzt Volvo durchgängig auf einen kultivierten Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum aus der hauseigenen Drive-E-Motorenfamilie. Das klingt für ein knapp zwei Tonnen schweres Auto erst mal mickerig, braucht sich in der Praxis aber hinter größeren Maschinen definitiv nicht verstecken. Der getestete Top-Diesel D5 mit 240 PS bringt es auf satte 500 Newtonmeter Drehmoment. Turboloch? Fehlanzeige. Die Leistung ist - auch dank Allradantrieb und einer gut abgestimmten Achtgang-Automatik - nahezu aus dem Stand weg verfügbar.

Umso mehr überrascht der Verbrauch, den Volvo durchschnittlich mit 4,8 Liter angibt. Dass dieser Wert in der Realität nicht gehalten wird – klar. Im Test schnitten der S90 und der V90 dennoch recht zufriedenstellend ab: Das Spektrum lag zwischen 5,7 Litern im umweltschonenden Fahrmodus und 8,7 Litern bei „Dynamic“.

Bleibt noch die Frage nach dem Preis. An diesem Punkt hebt sich Volvo letztlich nicht von der Konkurrenz  ab. Will heißen: Wer Premium will, muss tief in die Tasche greifen. Mit dem Einstiegsdiesel D3 steht der S90 ab 41.500 und der V90 für knapp 43.000 Euro beim Händler. Die getestete Limousine in der mittleren Ausstattungsvariante „R-Design“ und der Kombi der Top-Linie „Inscription“ lagen inklusive üppiger Zusatzausstatttung allerdings bei satten 84.000 bzw. 86.000 Euro. Willkommen in der Oberklasse...

 

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Ein Artikel von
Stefan Drescher

Augsburger Allgemeine
Ressort: Online-Redaktion


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