In der Stadtpfarrkirche Ichenhausen darf am Dreikönigstag ein Konzert nur unter Auflagen stattfinden. Von Dominik Mai
Ichenhausen Ein besonderes Konzert erwartet die Besucher der Stadtpfarrkirche St. Johannes in Ichenhausen am Dreikönigstag: Erstmals nach vielen Jahren wird dort ein festliches Weihnachtskonzert stattfinden. Besonders sind auch die Auflagen, die Pfarrer Georg Alois Oblinger zur Bedingung gemacht hat.
Wie unsere Zeitung erfuhr, ist während und nach dem Konzert das Klatschen strengstens verboten. Zudem darf nur kirchliche Musik und kein weltliches Liedgut gespielt werden. Diese Regelungen stoßen manchen Gemeindemitgliedern sauer auf. Sie wünschen sich eine liberalere Haltung des Pfarrers.
Nach Informationen unserer Zeitung hatte es mehrere Verhandlungen zwischen ihm und den Veranstaltern bezüglich des Konzertes gegeben. Oblinger selbst bestätigt die Regelungen und betont, dass er sich dabei streng an die von der Diözese vorgegebenen Richtlinien hält. „Danach darf in Kirchen ausschließlich geistliches Liedgut zu hören sein“, sagt der Ichenhauser Stadtpfarrer. Er zitiert aus einem 2005 vom damaligen Augsburger Bischof Walter Mixa verfassten Regelwerk: „Die innere Ruhe und Stille eines Kirchenraumes, die für viele Menschen unserer Zeit von hoher Bedeutung ist und geschätzt wird, muss auch bei Konzerten und Aufführungen im Kirchenraum gewahrt bleiben“, steht darin geschrieben.
Rein weltliche Stücke dürften in Kirchenkonzerten nicht aufgeführt werden. Zudem gibt es laut den Richtlinien die Möglichkeit, dass ein Geistlicher eine „geistliche Einführung in das Programm“ gibt. Dies will Oblinger nutzen und zu Beginn des Konzertes geistliche Worte vortragen.
Auch der Beifall für die Künstler ist genauestens geregelt: „Beifallskundgebungen zwischen einzelnen Musikstücken sollen unterbleiben. Beifall am Ende eines Konzerts soll, wenn überhaupt, nur in gemessenem Abstand zur Musik gegeben werden, zum Beispiel nach einer Schweigeminute mit Glockengeläut.“ Diese Ausnahme soll es beim Konzert in Ichenhausen laut Informationen unserer Zeitung nicht geben. Vielmehr werde man die Besucher zu Beginn darauf hinweisen, dass das Konzert mit dem Glockengeläut zu Ende geht, bestätigt Mitorganisator Thomas Seitz. Das Programm sei rein geistlich. Er freue sich, dass es nach langer Zeit in Ichenhausen nun endlich wieder ein Konzert in der Kirche geben wird. „Ich hoffe auf viele Besucher“, sagt der Musiker.
Auch die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Irmgard Bissinger, freut sich auf das Konzert. Zu den Regeln von Pfarrer Oblinger will sie sich nicht äußern. „Er ist der Chef und entscheidet“, sagt Bissinger. Sie hofft schon jetzt auf eine Wiederholung des Konzertes. Schließlich sei Ichenhausen früher eine „Hochburg der Kirchenmusik“ gewesen.
Andere Gemeindemitglieder, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen, sprechen deutlichere Worte. „Nach den Diskussionen in Offingen muss Oblinger in seiner eigenen Kirche ja strenger sein“, so ein Insider. Denn es ist nicht das erste Mal, dass Oblingers Ansichten in Bezug auf ein Konzert in einer Kirche für Aufsehen sorgt.
Erst im Herbst hatte der katholische Geistliche in einem Brief an unsere Zeitung gerügt, dass bei einem Konzert des Chors „Gospel & Joy“ in der Offinger Pfarrkirche St. Georg nicht nur rein religiöses Liedgut zu Gehör gebracht werden soll, sondern auch „internationale Hits aus dem Popbereich“ wie zum Beispiel Songs von Michael Jackson und ein Afrika-Liedblock. „Es müsste den Verantwortlichen bekannt sein, dass weltliches Liedgut in Kirchenräumen streng untersagt ist“, monierte Oblinger. Und hat damit eine kontroverse Diskussion vom Zaun gebrochen.
Hinter vorgehaltener Hand wird in Ichenhausen nun davon gesprochen, dass Oblingers Linie zu konservativ sei. „Eventuell wirkt der alte Bischof Walter Mixa da noch mit“, spekuliert ein Insider und wünscht sich eine liberalere Haltung des Stadtpfarrers, was Konzerte betrifft. Schließlich würden in anderen Kirchen, zum Beispiel in Augsburg, durchaus weltliche Musikstücke aufgeführt.
Dass es überhaupt ein Konzert in Ichenhausen gibt, sieht ein anderer als Schritt in die richtige Richtung. Am 6. Januar wollen um 16 Uhr Thomas Seitz an der Trompete, Johanna Spengler-Haug an der Orgel und der Kirchenchor Kissendorf neben festlicher Musik weihnachtliche Weisen, wie „Adeste fideles“ oder „Es ist ein Ros entsprungen“, in verschiedenen Versionen spielen. Ein Glanzpunkt des Konzertes wird laut Veranstaltern ein Allegro von Domenico Gabrielli sein, von Thomas Seitz auf einer Naturtrompete gespielt. Applaudiert soll aber bitte nicht werden.
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