Sonntag, 22. Oktober 2017

17. Juli 2017 06:00 Uhr

Landkreis Günzburg

Mobilfunkmast stößt auf heftigen Widerstand der Bevölkerung

Kaum sind die ersten Teile der Anlage in Wasserburg montiert, formiert sich spontan der Protest gegen das Projekt. Ein Stadtrat bekennt: „Das ist hier nicht glücklich gelaufen“. Von Sandra Kraus

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Etwa 60 Wasserburger trafen sich in Sichtweite des Mobilfunkmastes, der zum Teil bereits montiert worden ist und protestierten dagegen.
Foto: Sandra Kraus

So überrascht wie die Wasserburger waren, als auf dem Gebäude der früheren Metzgerei in der Dorfmitte die ersten Teile eines Mobilfunkmastes montiert wurden, so schnell formierte sich ihr Widerstand. Aus zwei oder drei rotweißen „Stoppt-den-Mobilfunkmast“-Plakaten in den Vorgärten der Denzinger Straße wurde binnen zwei Tagen eine Plakatflut in der Ortsstraße. Und über Nacht wurde für Samstag ein Treffen zur Unterschriftensammlung organisiert.

Winfried Birnmann hatte die Listen vorbereitet, deren Unterzeichner den Rückbau des Mobilfunkmastes in der Ortsstraße fordern. 43 Wasserburger haben sich am Ende eingetragen. Sie unterschrieben diese klare Forderung: „Da mir insbesondere auch die Gesundheit unserer Kinder am Herzen liegt, welche noch viel empfindsamer für Belastungen wie Strahlung durch Mobilfunkantennen sind, spreche ich mich ausdrücklich für den Rückbau dieser Mobilfunkantenne und gegen den Bau einer solchen Anlage innerhalb des bewohnten Gebiets in unserem Ort aus. Ich würde als Alternative eine Standortwahl außerorts befürworten, sodass sich die Wohngebiete außerhalb des Strahlungsfeldes der Antennenanlage befinden.“

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Furcht vor den Folgen der Strahlung

Im Fokus des Bürgerprotests stehen Gesundheitsrisiken, wie erhöhtes Krebsrisiko, allgemeines Unwohlsein, Schlafstörungen, ADHS bei Kindern, Hautausschläge, Depressionen und Demenz, deren Ursache für die Unterzeichner in der von Mobilfunkantennen erzeugten Strahlung liegt. Birnmann sagte: „Man hat uns den Mobilfunkmast einfach hingesetzt. Niemand wusste davon. Wenn es harmlos wäre, hätte darüber doch informiert werden können.“ Für jede Dachgaube oder Gartenhütte müsse man einen Plan einreichen. Dagegen werde so ein sensibles Bauvorhaben einfach unter den Tisch gekehrt.

Eigentümer des Hauses, auf dem der Mast gerade gebaut wird, ist Heinrich Bierling. Er ist mit seiner Familie auf dem Weg zur Vorabendmesse, als er die Gruppe von 60 Bürgern sieht und sofort das Gespräch mit ihnen sucht. „2016 kam die Telekom als Betreiber des Mobilfunkmasten auf mich zu. Zuerst sollte der Mast auf die Alte Schule schräg gegenüber kommen, doch da die Stadt überlegte, dieses Gebäude abzureißen, entfiel diese Alternative“, erklärte Bierling. „Darauf angesprochen, ob ich für den Bau sei, habe ich ,Ja’ gesagt. Und ja, es gibt Geld für den Mast. Ich sehe für mich und meine Familie keine Gefahr durch den Mobilfunkmast.“

Jeder der Anwesenden weiß, dass Bierling nicht in diesem Haus wohnt, sondern im südwestlichen Wasserburg. Dementsprechend fühlen sie sich die Anwohner in der Nähe des Mastes nicht ernst genommen, alte Freundschaften drohen zu zerbrechen.

Die Diskussion wird am Samstag sehr emotional geführt, niemand außer Heinrich Bierling, seiner Frau und den beiden erwachsenen Töchtern versteht, warum der Mast für das D1-Netz in die Dorfmitte kommen muss – im ehemaligen Dreieck Kirche, Schule, Metzger und den vielen Wohnhäusern rund herum. Die Sorge um die Folgen der unsichtbaren elektromagnetischen Wellen, die die Sendeantenne in Kürze abgeben wird, treibt die Menschen um.

Die Bewohner stellen sich immer wieder die gleiche Frage

Immer wieder wird die Frage gestellt: Warum sind wir so heimlich vor vollendete Tatsachen gestellt worden? Stadtrat Manfred Proksch, der einzige Wasserburger in diesem Gremium, muss sich sagen lassen, dass er doch zum Hingucken gewählt worden sei. Proksch erklärt gegenüber der Günzburger Zeitung: „Das ist hier nicht glücklich gelaufen. Eine Information vorher wäre besser gewesen. Jetzt haben wir einen großen Streitfall. Emotionale Argumente gegen baurechtliche Argumente.“ Baurechtlich sind in Bayern Mobilfunkmasten unter zehn Metern Höhe genehmigungsfrei. Fünfzehn gibt es in Günzburg bereits. Prüfkriterien sind unter anderem Gebäudestatik und Brandschutz. Beides stellt Birnmann in seinem offenen Brief an die Stadt Günzburg, der unserer Zeitung vorliegt, in Frage. Das Haus sei 100 Jahre alt oder noch älter und es sei im Zweiten Weltkrieg von Bomben beschädigt worden. Auch die Positionierung des Funkmastes unten im Günztal und nicht oben auf der Anhöhe löse bei ihm als Laien Unverständnis aus.

Die Nachbarn kennen den offenen Brief ebenso wie ein Schreiben der Stadt an die Telekom Technik GmbH, in dem die Stadt gegen die Nutzung des ehemaligen Metzgerei-Gebäudes für einen Sendemast „keine Einwände“ vorbringt. Unterzeichnet hat Zweiter Bürgermeister Anton Gollmitzer. Um die Wogen zu glätten, verspricht Heinrich Bierling mit einem Vertreter der Telekom die Anwohner zu besuchen, um technische Details erörtern zu können. Viele wünschen sich eine öffentliche Informationsveranstaltung. Die Unterschriftensammlung wird in den nächsten Tagen weitergeführt. »Kommentar

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