Montag, 26. Juni 2017

31. Dezember 2016 09:00 Uhr

Krumbach/Syrien

Ein Zeichen der Menschlichkeit im syrischen Inferno

Wie Adnan Wahhoud den Menschen in seiner Heimat hilft und warum die Unterstützung der Krumbacher Firma UTT so wichtig ist. Von Gertrud Adlassnig

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Seit Jahren gehören die Meldungen über den Krieg in Syrien zur Nachrichtenroutine. Wer Gut von Böse unterscheiden will, tut sich schwer, Partei zu ergreifen in den Konflikten in Syrien. Für Adnan Wahhoud zählen nur die Menschen, die in eine verzweifelte Lage geraten sind. Ihnen will er helfen – und zwar vor Ort. „Ich will, dass die Menschen die Chance haben, in ihrer Heimat zu bleiben. Nur so wird es für sie irgendwann möglich sein, eine Zukunftsperspektive zu entwickeln.“

Der promovierte Maschinenbauingenieur, der mit 19 Jahren aus Damaskus zum Studium nach Aachen kam und bis zu seiner Pensionierung bei Dornier Lindau die Abteilung Forschung und Entwicklung für Webmaschinen leitete, könnte eigentlich seinen Ruhestand genießen. Er selbst ist längst Deutscher, seine syrischen Familienangehörigen leben im vom Krieg nicht betroffenen Damaskus. Doch Adnan Wahhoud hat sich für einen anderen Weg entschieden, einen Weg der aktiven Hilfe, aber auch der unmittelbaren Bedrohung. Denn er fährt alle sechs Wochen dort hin, wo sich kaum mehr ein Kriegsberichterstatter oder ein Hilfstrupp hinwagt: Mitten ins Zentrum des Krieges im Nordwesten des Landes, in die Provinzen Aleppo und Idleb.

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Auf die Frage, ob das nicht gefährlich sei, antwortet er mit dem Gleichmut eines zutiefst von seiner Arbeit Überzeugten: „Ich bin nicht mehr gefährdet als die sechs Millionen Menschen, die dort leben.“ Menschen, denen er helfen will, ganz konkret. 2012, nachdem er in den Ruhestand gegangen war, wollte er für die Opfer spenden, entschloss sich dann aber, sich selbst ein Bild vom Bedarf der Menschen in Nordwestsyrien zu machen. Was er erleben musste, hat ihn so tief getroffen, dass er seither unermüdlich unterwegs ist, um Spenden einzusammeln. Mit denen baut Adnan Wahhoud so genannte Medical Points auf in Gebieten, in denen die Infrastruktur zusammengebrochen ist. „Dort gibt es nur noch Lazarette. Aber nicht jeder, der medizinische Hilfe benötigt, hat eine Kriegsverletzung. Menschen brauchen auch ganz normale medizinische Versorgung. Besonders die Kinder.“ Den ersten Stützpunkt hat Wahhoud selbst finanziert. In ihm und den fünf anderen Behandlungszentren, die inzwischen eingerichtet wurden, finden die Bewohner eine medizinische Grundversorgung. Es gibt einen Arzt, eine Krankenschwester, eine Apotheke, die nötigste Ausstattung inklusive funktionierender Verwaltung und Putzhilfe. „Ich lege strenge Qualitätsstandards an.“ Oft konnte Wahhoud aufgelassene Praxen oder Krankenstationen übernehmen, sodass die Einrichtung verhältnismäßig günstig war.

Auf seinen Reisen in das Kriegsgebiet besucht und kontrolliert der Deutsch-Syrer die Medical Points, die zur Gänze aus Spendengeldern finanziert werden. Bis vor Kurzem war er regelmäßig im Großraum Aleppo unterwegs, wo sich mehrere pharmazeutische Unternehmen befanden, mit denen er Lieferverträge vereinbarte. „Doch die sind jetzt alle aufgelassen. Die Gebäude meistenteils zerstört, die Menschen geflohen. Es wird immer schwieriger, die Kranken mit Medikamenten zu versorgen.“ Er habe zwar bereits neue Firmen aufgetan, sodass eine Lösung gefunden werden könne, aber „der Mangel an Arzneien führt zu einer Verteuerung.“ Das Inferno Aleppo kann Adnan Wahhoud nicht davon abhalten, weiter in die Region zu reisen und sich dafür einzusetzten, die Menschen in ihrer Heimat zu betreuen. Die Medical Points wurden auf dem schlecht versorgten Land eingerichtet. Wahhoud spricht von „Dörfern“, die allerdings nicht mit einem europäischen Dorf verwechselt werden dürfen. So ein syrisches Dorf zählt schnell 10 000 Einwohner und mehr. Ein Behandlungszentrum ist Anlaufstelle für rund sechs Dörfer, also für 60 000 bis 100 000 Menschen. Es versorgt im Monat rund 8000 Patienten, die meistenteils auch kostenlose Medizin erhalten. „Außerdem beliefern uns die internationalen Hilfsorganisationen mit Impfstoff.“ Dennoch sind die Kosten überschaubar: Rund 1500 bis 2000 Euro kostet so eine Station im Monat insgesamt, mit Miete, Personalkosten, Material. Nicht viel für eine so notwendige und breit gestreute Hilfe, aber unbezahlbar für eine einzige Person.

Deshalb ist Adnan Wahhoud während seiner Zeit in Deutschland nur selten daheim in Lindau. Mit Öffentlichkeitsarbeit, Interviews, Fernsehauftritten und mit Besuchen bei Unternehmen wirbt er für sein Projekt.

In Krumbach hat er einen treuen und großzügigen Partner gefunden. Wilfried Trumpp von UTT, dem Hersteller von technischen Geweben unterhält seit Langem beste Kontakte zu Dr. Adnan Wahhoud, dem Wissenschaftler und Webmaschinenentwickler. UTT hält dem engagierten Geschäftspartner auch über die Rente hinaus die Treue. So konnte Adnan Wahhoud mit UTT-Geldern einen „Medical Point Krumbach“ in Jabal Wastani einrichten. Es ist Wahhouds Idee, jeden Medical Point nach dem Ort zu benennen, aus dem er finanziert wird.

Auch zur UTT-Weihnachtsfeier 2016 war Dr. Wahhoud in Krumbach eingeladen. Dort gab es für ihn nicht nur ein gutes Essen und Festreden, sondern ein Geschenk, das ihm zumindest für den Medical Point Krumbach die Finanzierungssorgen der nächsten Monate abnimmt (wir berichteten).

Vielleicht reicht das Geld ja auch noch zur Unterstützung eines zweiten Projekts, das Adnan Wahhoud nun ins Leben gerufen hat. Als typische Kriegsfolge leben unzählige Frauen mit ihren Kindern in bitterer Armut. Die Männer sind tot, versehrt, verschwunden. Wenigstens in einem Dorf will Wahhoud nun diesen ärmsten unter den Opfern finanziell helfen: mit monatlich 40 Dollar pro Mutter und zehn Dollar pro Kind, damit sie sich mit dem allernötigsten, mit Kleidung und Nahrung versorgen können.

Doch der ehemalige Wissenschaftler sieht sehr wohl, dass diese Hilfe noch lange nicht ausreicht und über einen nicht abzusehenden Zeitraum von Nöten ist. Denn aus dem Aufstand der Armee gegen den Diktator Baschar al-Assad wurde ein Krieg des Herrschers gegen sein Volk. Um seine Macht zu halten, hat sich Assad Fremdmächte ins Land geholt, die ihre eigenen Interessen rücksichtslos durchsetzen wollen. „Putin hat in einem Fernsehinterview gesagt, der Krieg in Syrien sei für ihn die bequemste Form, die neuesten Waffensysteme zu testen und die billigste Art und Weise, seine Soldaten zu trainieren. Das wichtigste Ziel für Russland ist ein Zugang zum Mittelmeer. Auf der anderen Seite steht der Iran, der den Nahen Osten kontrollieren will. Nachdem der Irak und der Libanon bereits unter seinem Einfluss stehen, soll nun Syrien dazu kommen.“ Der Krieg des IS, der im Osten ausgetragen wird, so erläutert Adnan Wahhoud, ist eine Folge der Schwächung des Landes im Nordwesten.

So werden die Menschen in Syrien zerrieben zwischen den Militärmächten, zwischen den machtpolitischen Interessen fremder Staaten, für die sie keine Rolle spielen.

Adnan Wahhoud weiß, dass er allein nichts ausrichten kann. Aber er weiß, dass er mit der Hilfe seiner deutschen Landsleute das Elend der Menschen in Syrien wenigstens ein kleines bisschen mildern kann.

Dafür wurde nun auch die Spendenorganisation vereinfacht, sie wurde im Verein Kriegskindernothilfe zusammengefasst und wird zentral von Franken aus verwaltet.

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