Sonntag, 19. November 2017

Landsberg

07. April 2016 07:22 Uhr

Kreis Landsberg

Bayerischer Jackson Pollock aus Dornstetten

Ernst Heckelmann erhält den Kunstpreis des Landkreises. Seine Bilder sind alles andere als idyllisch Von Maren Martell

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Fast bedrohlich ragen blaue Gipfel in den Himmel. Abgründe tun sich auf. Am Fuße der Berge eine Hütte, schwarz, eher dem Verfall nahe, denn ein Schutz. Mittendrin ein roter Fleck, ja eine Flagge. „Ich wollte einfach etwas Rotes“, erläutert der Maler Ernst Heckelmann. Sein Werk von 2013 hängt dominant im Atelier in Dornstetten, erfüllt den großen lichten Raum, so wie viele seiner Arbeiten. Berge und Natur sind sein Thema. Und die Werke der vergangenen Jahre sind beherrscht von kühlen, ja fast eiskalten Blau- und Weißtönen. Manche wirken geradezu erfrischend wie die Bergluft, andere eher bedrohlich oder einfach atemberaubend.

Es sind alles andere als Heimatbilder. Fast überall wird der sehr dynamische, expressive Farbauftrag - ob mit dem Pinsel oder der Hand - deutlich. Heckelmanns bevorzugtes Material ist das Papier. Auf ihm lässt er es spritzen, tropfen oder einfach laufen. Und manchmal fließen Worte oder kurze Sätze ein, so wie „Schwarze Piste“ oder „in die Berge gehen“. Alles fast unvermutet. „Hineingeschleudert in diese Gratwanderung zwischen Action Painting und romantisch-abbildhafter Naturschilderung tauchen Wortfetzen aus inneren Dialogen in den Bildern auf - immer schon eine Art Markenzeichen von Ernst Heckelmann.“ So liest man es in einer Erläuterung zu einer Ausstellung im Künstlerhaus Marktoberdorf. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich der in Wartaweil am Ammersee geborene Künstler unter anderem mit dem Genre der klassischen Landschaftsmalerei.

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Immer wieder sind es die Berge, die ihn wohl magisch anziehen, die ihn berühren. Nicht selten ist er auch dort oben, wenn auch nicht genug nach seinem Geschmack. „Mir fehlt da immer wieder die Zeit.“ In seinen Bildern gibt es aber auch andere Themen. Da tauchen Bären, Flugzeuge, Palmen, Autos oder Schiffe auf. Fast alle diese Motive haben irgendeinen persönlichen Bezug. „Die Palmen entstanden wohl erstmals bei einem Aufenthalt in Florida. Die Bären sind nicht nur abgeliebte Kuscheltiere, sondern auch grimmige Bestien.“

Seine Arbeiten hängen überall in der Welt. So in den USA, in Malaysia, in der Schweiz, in Österreich oder bei Sammlern in Deutschland. Im Münchner Lenbachhaus befindet sich sein Werk „No future number one“. Die bayerische Staatsgemäldesammlung hat mehrere seiner Bilder im Besitz, unter anderem die „Große blöde Landschaft.“ Für sein Werk wurde Heckelmann mehrfach ausgezeichnet. Auch erhielt er zahlreiche Stipendien. Jetzt wird er am 8. April mit dem neuen Kunstpreis des Landkreises Landsberg geehrt.

In jungen Jahren sollte er eigentlich Skirennfahrer werden. Sein Vater Max, ebenfalls ein Maler, hatte da so seine Vorstellungen. Sehr oft fuhr die Familie nach Lech am Arlberg. Aufgewachsen ist der Künstler in Dornstetten, im Voralpenland, direkt an den Lecher Flußauen. Geprägt hat ihn die Kunst seines Vaters. Auch der malte immer mal wieder die Berge. Einige seiner Arbeiten hängen noch im alten Atelier, das der Sohn vor Jahren bezog. Der Vater war nicht nur Künstler und Skifahrer. In Dornstetten ging er regelmäßig zum Fischen. Rund um das Atelier gibt es heute noch zahlreiche Fischteiche, in den sich Forellen und Saiblinge tummeln. Außerdem liebte der Vater schnelle Autos und fuhr Rennen mit einem wunderschönen Bugatti. Daher wohl auch die Autos in Heckelmanns Bildern. Er selber fuhr lange einen weißen 356er-Porsche. Heute noch steht ein alter Saab vor seiner Tür. Und ein alter Saab, tief schwarz gemalt auf grünem Grund hängt auch als Großformat im Atelier des Vaters neben dem Kamin. „Mit Dir ins Grüne fahren“, ist darauf zu lesen. „Die Dinge, Objekte müssen durch die Malerei beseelt, wesenhaft werden. Das Abbild interessiert mich eigentlich nicht.“

Als der Vater stirbt, ist Heckelmann gerade einmal 15. „Mit seinem Tod wurde mir ziemlich schnell klar, dass auch ich Künstler werden will.“ Schon früh setzt sich Heckelmann zu Hause an den Lech und malt seine ersten Landschaften und Sonnenuntergänge. Ab 1969 ist er dann für fünf Jahre an der Akademie der Bildenden Künste in München. Später sammelt er vielfältige Erfahrung an nationalen und internationalen Schauplätzen. Viele Reisen führen ihn ins Ausland, so in die USA, nach Marokko, Tunesien und Asien. „Und mein künstlerisches Coming-Out hatte ich wohl nach meiner ersten USA-Reise.“ Da entstand sein „78er-Zyklus - Flieger- und Aktbilder“ auf Papier.

Heute pendelt Heckelmann, der auch als „bayerischer Jackson Pollock“ gehandelt wird, zwischen Dornstetten und München, wo er noch eine Wohnung in Schwabing besitzt. Zweimal im Jahr arbeitet er zudem in der Keramikwerkstatt San Giorgio im ligurischen Albisola. Außerdem ist er als Dozent an der Kunstakademie Bad Reichenhall tätig. Aktuell sind seine Arbeiten zusammen mit denen von Victor Kraus und Ludwig Arnold noch bis zum 10. April in der Galerie Josephski-Neukum in Issing zu sehen.

Termin/Ausstellung Die Verleihung des Kunstpreises des Landkreises findet am Freitag, 8. April, um 19 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes statt. Eine Ausstellung seiner Werke ist noch bis 10. April in der Galerie Josephski-Neukum in Issing (Öffnungszeiten Samstag und Sonntag 14 bis 19 Uhr) zu sehen.

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