Montag, 20. November 2017

Landsberg

26. August 2014 00:31 Uhr

Ausstellung

Scharfkantig und rätselhaft fließend

Leonhard Schlögels Stein-Skulpturen im Dießener Schacky-Park oszillieren zwischen Spannung und Meditation Von Andreas Frey

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Leonhard Schlögel ist, trotz mehrerer Ausstellungen in Südbayern und einem meist zugänglichen Atelier im Wessobrunner Klostergut, noch fast ein Geheimtipp. Dies dürfte sich jetzt mindestens für Dießen ändern, denn die kunstsinnigen Freunde des Schacky-Parks kamen in Scharen, um die Verwandlung der Wiesen in einen Skulpturengarten zu erleben.

Erst vor wenigen Tagen hatte Schlögel die letzte der zwölf Skulpturen des Außenbereichs vollendet: Es ist die „Kosmische Reise“, eine auf einem Metallstab gelagerte Marmorkugel, aus der eine ganze und eine halbe Sichel herausragen - aus einem einzigen Stein gefertigt, versteht sich. Eine klare Bedeutungszuweisung ist auch für Schlögel gar nicht so einfach und womöglich auch gar nicht sein Ziel. Und so kann man im geheimnisvollen Sichel-Kugel-Objekt eine Art Satellit sehen genauso wie ein noch unbekanntes Symbol einer unerforschten Kultur. Oder auch ein weiteres kosmologisches Instrument, denn die Bezogenheit zu den Himmelsgestirnen ist eine der Leitlinien des Künstlers.

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Gleich drei Skulpturen sind aus der Idee der himmelsgeleiteten Zeitbestimmung geboren und tragen somit im weitesten Sinne auch ein Echo von Stonehenge in sich. „Blue moment“ heißt die scharf zugespitzte, flache Form aus grauem Bardiglio-Marmor. Schlögel hat sie unten blau eingefärbt und oben einen Durchblick eingebohrt, der auf den Mittagssonnenstand zur Zeit der Wintersonnenwende zielt. Ganz in der Nähe entdeckt man beim Parkrundgang das Pendant: den höheren, blendend weißen Anzeiger des Sonnenhöchststands zu Johanni.

Die dritte „Zeitskulptur“ sollte gleich zwei Mittagspunkte anpeilen. „Auch ohne in Bewegung zu sein fühle ich mich häufig als Reisender und trage das Bewusstsein in mir, dass es auf einem anderen Kontinent gerade Nacht ist“, erinnert sich Schlögel daran, wie er die Funktionalität einer Art „Zwei-Zonen-Sonnenuhr“ umzusetzen versuchte. „Da erst merkte ich, dass ich ein Wesen mit Flügeln erschaffen hatte.“ Seitdem heißt das rätselhafte Objekt „Phönix“.

Die elegante Anspannung ist eine der Spielarten von Schlögels Skulpturen, und es sind die „Krieger“, mit denen die ausgestellten Arbeiten chronologisch beginnen: Liegende, überlange Steine, zweimal aus Marmor, einmal aus Galaxy-Gestein. Schlögel machte sich und den Vernissagengästen die Freude, den schwarzen Stein, den er 2005 nahe des indischen Madras bearbeitete, durch Wasserauftrag glänzen zu lassen, sodass die kleinen Bronzit-Flitter auffunkelten. „Das Wort ,Krieger’ ist ideell gemeint und steht für die Geisteshaltung von jemandem, der weiß, was er tut.“ Wie entspannt der Bildhauer mit den marmornen Partnerfiguren der Reihe „Krieger“ umgeht, zeigt sich in seiner Toleranz gegenüber dem Moosansatz. „Die Steine reifen“, sagt Schlögel schlicht dazu.

Ruhige Entspannung ist der gleichberechtigt verfolgte Gegenpol in der Stilistik des gebürtigen Schongauers. Und so formulieren meditierende Köpfe, teils überlang, in Anlehnung an antike ägyptische Darstellungen, eine weitere typische Bildsprache Schlögels. Im Park finden sie sich vertreten durch einen Isis-Kopf, dessen ruhige Miene an der fließenden Gesichtsform nur dezent angedeutet ist.

Eine Leiter, auf der die Engel vom Himmel herabsteigen

Eine Synthese aus Spannung und Entspannung kann man in den extrem schlanken Figuren „Scala“ und „Tassilos Traum“ entdecken. Die über drei Meter hohen Stelen aus dem Südtiroler Laaser Marmor können gerade noch als angedeutete Körper empfunden werden. Jedoch entwachsen den „Köpfen“ nach oben hin Treppenstufen. Schlögel kam der Gedanke dazu, als er auf die Wessobrunner Gründungslegende stieß. Demnach soll Herzog Tassilo von einer Leiter geträumt haben, auf der Engel vom Himmel herabstiegen. Der 49-Jährige sieht eine allgemeine Verbindung des Menschen zum Spirituellen in dieser Form, die er 3,06 und 3,65 Meter hoch umgesetzt hat.

Als Besonderheit setzt er die Mehrzahl seiner Steinstelen fugen- und schraubenlos in Steinsockel ein. „Das ist sicherlich die archaische Lösung, dass sich der Stein im Stein verankert“, meint der Künstler bescheiden und fügt leise, wie nur zu sich selbst gewandt, hinzu, dass Präzision ja schließlich auch ein Aspekt der bildhauerischen Arbeit sei. Und ob sich seine Herangehensweise in den letzten Jahren verändert habe, beantwortet der Künstler so: „In den letzten Jahren trau’ ich mich mehr: Ich gehe weiter und ich reize den Stein mehr aus.“

Die Vernissagengäste jedenfalls waren überzeugt von Qualität und Wirkung der achtzehn Skulpturen, von denen sich sechs im Teehaus (nur am Wochenende geöffnet) und zwölf im Park befinden. Am Ende von Schlögels Kunstführung durch den Park wurden neben Beifall auch spontane Rufe nach einem Kunstwerk-Ankauf durch die Gemeinde Dießen laut.

bis Ende Oktober täglich von 10 bis 19 Uhr. Das Teehaus (zehn Minuten Fußweg vom Park-Eingang hinterhalb des Monopteros) ist nur an den Wochenenden von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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