Dienstag, 27. Juni 2017

20. April 2017 10:04 Uhr

Die Staudenbahn soll wieder aufleben

Sie machen den Weg frei

Wie Markt Wald die Staudenbahn in Richtung Ettringen reaktivieren will

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Wenn Markt Walds Bürgermeister Peter Wachler und sein Stellvertreter Michael Hartmann vom Bahnhof in Anhofen aus ein Stück an den Gleisen der Staudenbahn entlangspazieren, kommen jede Menge Kindheitserinnerungen auf: Da drüben stand der Lokschuppen, hier konnte man klettern und sich dort prima verstecken. Das Areal war aber nicht nur für Generationen von Markt Walder Kindern ein Abenteuerspielplatz, es war vor allem ein wichtiges Stück Infrastruktur. Und wenn es nach den beiden Bürgermeistern ginge, soll es das auch wieder werden.

Völlig aussichtslos ist das Unterfangen ihrer Überzeugung nach nicht: Immerhin soll die Staudenbahn in rund drei Jahren wieder im Linienverkehr bis Langenneufnach fahren. Warum sollte das nicht auch von Markt Wald in Richtung Ettringen möglich sein?

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Die Gleise sind komplett zugewuchert

Vielleicht, weil die Gleise komplett eingewachsen sind und an manchen Stellen sogar ganz fehlen, könnten Zweifler einwenden. Doch das ficht die beiden Bürgermeister nicht an. Unter dem Motto „Wir machen den Weg frei“, wollen sie im Herbst genau das tun: den Weg für die Staudenbahn abschnittsweise wieder freimachen und so ein Zeichen setzen. Gegenüber dem Staudenbahn-Schienenweg-Trägerverein (SST), dem die Linie gehört, aber auch gegenüber denjenigen, die seit Langem unken: „Die Staudenbahn fährt nie mehr einen Meter da hinauf.“

Denn Peter Wachler und Michael Hartmann sehen in der Strecke großes Potenzial. Sie treibt nicht Sentimentalität, auch nicht nur die zweifellos vorhandene Verbundenheit mit der Bahn, sondern vor allem der Wunsch, Markt Wald noch attraktiver zu machen. „Früher war die Staudenbahn die Querverbindung vom Allgäu nach Augsburg“, sagt Peter Wachler und sein Stellvertreter ergänzt: „Wir waren nach beiden Seiten vernetzt.“

Heute sei die Landkreis-Grenze ein Problem, es fehle die Durchgängigkeit. „Wir liegen auf der Landkarte ja nicht schlecht“, sagt Michael Hartmann. Trotzdem sei es zum Beispiel schwer, nach Augsburg zu kommen. Die Schüler entscheiden sich derzeit oft für weiterführende Schulen in Thannhausen und Ursberg, weil sie leichter zu erreichen sind als die in Mindelheim, Bad Wörishofen und Türkheim. Eine Zugverbindung, die im besten Fall bis nach Bad Wörishofen reicht, könnte das ändern. Vielleicht könnte sogar manche Familie auf ein zweites Auto verzichten und auch Senioren, die nicht mehr selbst fahren wollen oder können, blieben mobil. „Die Zeit, in der das Auto über allem gestanden ist, die ist vorbei“, ist Michael Hartmann überzeugt.

Mehr Ausflüger in den Ort holen

Daneben wollen er und Peter Wachler Ausflügler nach Markt Wald holen und den Ort bekannter machen: Mit dem Zug könnten Radfahrer und Wanderer in die Gemeinde kommen, die den „Naturpark Westliche Wälder“ ohnehin wieder stärker in den Blick nehmen und die Anbindung daran gewährleisten will. „Es wäre schon schön, wenn man mit der Staudenbahn bis zum Schnerzhofer Weiher fahren könnte. Das wäre schon ein großer Schritt“, sagt Peter Wachler, der noch mehr Ideen hat: ein Erlebnispfad durch das Schilf vom Bahnhof zum Weiher zum Beispiel oder ein Gleis-Abschnitt, auf dem Besucher mit der Kraft ihrer Arme auf einer Draisine fahren könnten. Die Begleitwege neben den Schienen könnten aufgekiest und so zu Radwegen werden.

Wenn der Bürgermeister am Bahnhof in Anhofen steht, sieht er außerdem schon den Straßenverkauf in dem dann sanierten Gebäude vor sich, davor die Ladestation für Elektroräder und -autos und im Hintergrund die Staudenbahn, die nach Bad Wörishofen fährt. Dabei macht er sich keine Illusionen, dass diese Vorstellung von heute auf morgen Wirklichkeit werden könnte. „Das werden wir vielleicht nicht mehr erleben“, sagt er zu seinem Stellvertreter.

Die Weichen sollen gestellt werden

Aber die Weichen dafür, die würden sie gerne stellen. In einem ersten Schritt soll es deshalb einen Zubringerbus nach Langenneufnach geben. Ein weiteres Zwischenziel wäre erreicht, wenn der Zug zumindest bis Anhofen führe. „Aber das Hauptziel ist, dass die Strecke wieder durchgängig wird“, sagt Michael Hartmann. Schließlich seien auch schon andere Bahnstrecken erfolgreich reaktiviert worden – mit positiven Auswirkungen für die jeweilige Region. Hubert Teichmann, Geschäftsführer der Firmengruppe Staudenbahn, hält die Wiederinbetriebnahme des Abschnitts zwischen Ettringen und Markt Wald jedenfalls für realistisch. Die Oberbaustoffe liegen wie berichtet schon bereit.

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Ein Artikel von
Sandra Baumberger

Mindelheimer Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten

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