Freitag, 23. Februar 2018

09. Oktober 2017 04:58 Uhr

Gedenkmonat „Brustkrebs“

Wenn ein Knoten in der Brust sitzt

Etwa einmal pro Woche muss der Mindelheimer Frauenarzt Dr. Andreas Schwarzer eine Diagnose überbringen, die das Leben seiner Patientin auf den Kopf stellt.

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Zwischen 1500 und 2000 Mammografien macht Dr. Andreas Schwarzer im Jahr, und etwa einmal pro Woche sieht der Mindelheimer Frauenarzt auf den Bildern etwas, das er eigentlich gar nicht sehen will: Brustkrebs. Einer Patientin diese schlechte Nachricht zu überbringen, das gehört zu den weniger schönen Seiten seines Berufs.

Schwarzers Praxis ist die einzige in Mindelheim, die Mammografie anbietet, zudem ist er als mammografierender Gynäkologe bald schon ein Exot: Meist werden die Röntgenaufnahmen der Brust in der Radiologie angefertigt. Der Vorteil seines Modells liegt für ihn auf der Hand: „Ich habe alles da: Tastbefund, Ultraschall, Mammografie“, sagt Schwarzer. Wenn Gewebe entnommen werden müsse, liege das Ergebnis aus der Pathologie nach etwa drei Tagen vor. So wissen seine Patientinnen schnell, woran sie sind. In den meisten Fällen können die Frauen nach kurzer Zeit aufatmen.

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Tumore sind leichter zu erkennen

Seit Mai besitzt Schwarzer ein neues Mammografie-Gerät, das ihm die Röntgenbilder direkt auf den Computer schickt. Die Strahlenbelastung sei etwas geringer, die Patientinnen empfinden es als etwas angenehmer, doch der Hauptvorteil ist ein anderer: „Das neue Gerät durchleuchtet die Brust viel besser als früher und Tumore können sich nicht mehr so leicht verstecken“, sagt Schwarzer. „Man sieht auch als Laie, wie viel besser die Bildqualität ist.“ Das stimmt. Was der Laie jedoch auch auf den hochauflösenden Bildschirmen nicht erkennen kann: Welcher der vielen Punkte, Linien und Strukturen in der Brust gefährlich werden könnte. Selbst die Arzthelferinnen, die jeden Tag bei der Mammografie mit dabei sind, sehen nur viel Schwarz, Weiß und Grau in den Bildern, nicht aber das, was Schwarzer als „suspekten Mikrokalk“ bezeichnet, also das, was schon in wenigen Jahren gefährlich werden könnte.

Grundsätzlich kann man durch die Mammografie nur früherkennen, aber nicht wirklich vorsorgen. Dennoch gibt es Faktoren, die eine Erkrankung wahrscheinlicher machen. Das sei neben den Genen auch die Lebensweise: Raucherinnen erkranken häufiger an Brustkrebs, ebenso Frauen mit Übergewicht oder mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel. Positiv wirken sich eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung aus.

Im Zweifel wird Gewebe entnommen

Es gibt nur wenige Tumore oder Vorstufen davon, die nicht in der Mammografie, sondern nur im Ultraschall zu erkennen sind. Ansonsten geben die Röntgenbilder Aufschluss über Zysten, gutartige Bindegewebstumore, Brustkrebs oder den Mikrokalk, eine Vorstufe von Karzinomen. Schwarzer erklärt ihn so: Killerzellen des Körpers fressen die ersten auftretenden Krebszellen und lassen ihren „Verdauungsmüll“ zurück – den Mikrokalk. Je früher man diese winzigen Stellen erkennt, umso besser könne man handeln und umso höher sei auch die Heilungschance.

Im Zweifel stanzt Schwarzer mit einer Art Nadel Gewebe aus der Brust. Stellt die Pathologie fest, dass es sich dabei um einen Krebs handelt, operiert Schwarzer die Frauen meist selbst, im Krankenhaus in Mindelheim, bevor sie dann zur Nachsorge kommen. Dazu kann eine Nachbestrahlung gehören, eine Chemotherapie, eine Hormontherapie – oder eine Kombination daraus.

Einer der größten Tumore, die Schwarzer einmal entdeckt hat, war bereits auf zwölf Zentimeter gewachsen. Da mussten bei der Operation plastische Chirurgen ran. Doch solche Fälle, in denen Frauen erst so spät zum Arzt gehen, kämen Gott sei Dank selten vor, sagt Schwarzer. „Die meisten sind die kleinen Sachen.“ Dennoch: Viele Frauen haben Angst vor der Mammografie. Warum? Andreas Schwarzer glaubt, „dass sie nicht Angst vor den Strahlen oder den Schmerzen haben, sondern vor dem Ergebnis, das ihr Leben verändert“.

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Ein Artikel von
Melanie Lippl

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Ressort: Lokalnachrichten Mindelheim


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