Samstag, 21. Oktober 2017

17. Juni 2016 06:03 Uhr

Radsport

Das nächste Abenteuer wartet

Matthias Dangl kehrte eben erst von den nationalen Special Olympics zurück. Nun geht es für den Radrennfahrer in die USA - wo eine 4800 Kilometer lange Herausforderung wartet.

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Matthias Dangl ist schon beinahe ein Dauergast in den USA. Nach seiner Teilnahme bei den Special Olympics im vergangenen Jahr nimmt der Radrennfahrer aus Erisried nun am Race across America teil.

Eine Woche Schlafentzug, eiskalte Nächte in den Rocky Mountains, schwülheißes Klima am Mississippi – es gibt wahrlich werbewirksamere Argumente für einen Aufenthalt in den USA. Matthias Dangl ist dennoch begeistert und voller Vorfreude. Der 27-jährige Erisrieder wird vom 18. bis 27. Juni an einem der härtesten Radrennen der Welt teilnehmen – dem „Race across America“ (RAAM).

Seit 1982 gibt es dieses Radrennen, von West nach Ost, einmal quer durch die USA. 4800 Kilometer, vier Zeitzonen, Temperaturunterschiede von bis zu 40 Grad und endlose Geraden mit Gegenwind – all das wartet auf die Teilnehmer. Was für einen Radsportler an sich schon eine immense Herausforderung darstellt, ist für Matthias Dangl noch ein gutes Stück weit schwieriger. Denn der 27-Jährige ist geistig beeinträchtigt. Er arbeitet bei den Unterallgäuer Werkstätten und fährt für das Team der Special Olympics des Velo Club Mindelheim.

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Seinen größten Erfolg feierte Dangl im vergangenen Jahr – in den USA. Bei den Weltspielen der Special Olympics holte er in Los Angeles eine Gold- und eine Bronzemedaille. Und machte mit dieser Leistung auf sich aufmerksam. Henrik Bartels, selbst Vater einer Special-Olympics-Radfahrerin und Radsportkoordinator beim Verband (Special Olympics Deutschland), meldete sich nach den Weltspielen bei Matthias Dangl und fragte nach: Ob sich der 27-Jährige eine solche Herausforderung vorstellen könnte.

„Wir haben schon erst überlegt“, sagt Matthias Dangl rückblickend. Doch weil die Reise zu den Weltspielen so reibungslos verlief, sagten er und seine Eltern schließlich zu. Nun ist er einer von acht Radrennfahrern des Teams „Special Unified Lions“. Das Besondere: In dieser Mannschaft, die sich die Strecke quasi aufteilt, gehen vier geistig behinderte Fahrer zusammen mit vier bewährten Fahrern, die dieses Rennen bereits kennen, an den Start.

Die Special-Olympics-Fahrer kennt Matthias Dangl schon länger. Mit David Pancke aus Waldshut-Tingen etwa liefert er sich seit Jahren immer wieder spannende Rennen. Außerdem gehören Philippa Bartels – sie gewann bei den Weltspielen Gold, Silber und Bronze – und Andreas Winter (Bronze) zu den vier Fahrern mit mentalem Handicap. Komplettiert wird das achtköpfige Team von Kati Schlieter, Karin Bartels, Torsten Bierwisch und Roland Holz.

Diese acht Fahrer wollen beweisen, dass ein solches Inklusionsteam das „Race across America“ erfolgreich bestreiten kann. „Das Vorurteil, Menschen mit geistiger Behinderung hätten keinen Siegeswillen oder -ehrgeiz, ist verbreitet. Mit unserer Teilnahme am RAAM als dem härtesten Ausdauerwettkampf der Welt wollen wir zeigen, wozu geistig Behinderte sportlich fähig sind“, heißt es im eigens dafür erstellten Prospekt des Teams.

„Es wird immer abwechselnd gefahren“, sagt Matthias Dangl, der seit der Nominierung für dieses Radteam „extrem viel trainiert“ hat, wie er sagt. Immer wieder hatte sich die Gruppe zu Trainingslagern getroffen, in Braunschweig, in Würzburg, in Thüringen oder im Harz. „In Braunschweig sind wir einmal eine ganze Nacht durchgefahren“, sagt Dangl. Und: „Wir haben alle durchgehalten.“

Gestartet wird das „Race across America“ am 18. Juni in Südkalifornien. Von dort geht es einmal quer durch die USA, bis in Annapolis (Maryland) im dortigen Yachthafen an der Chesapeake Bay die Ziellinie erscheint. Eine Zeitvorgabe für das Team gibt es dabei nicht, das Wichtigste ist: heil, gesund und vollzählig als Team ankommen.

Für diese gewaltige Anstrengung sieht sich der 27-jährige Erisrieder jedenfalls gut gerüstet. In der vergangenen Woche war er mit dem Radteam der Unterallgäuer Werkstätten bei den nationalen Wettkämpfen der Special Olympics Deutschland in Hannover. Für eine Goldmedaille reichte es in diesem Jahr zwar nicht, aber so ganz ohne Edelmetall kehrte Dangl nicht nach Hause zurück: Im Straßenrennen landete er über die Fünf-Kilometer-Distanz in der Leistungsklasse 1 auf dem zweiten Platz. Im Rennen über die zehn Kilometer fuhr er als Dritter über die Ziellinie.

Dass es in den USA nun einige Kilometer mehr sein werden, die Matthias Dangl täglich auf einer der insgesamt 55 Etappen, ficht ihn nicht an. Sein Trainer, Josef Hämmerle vom Velo Club Mindelheim, traut ihm diese Route zu. Er hat Dangl seit dessen erster Fahrversuche auf dem Rennrad unter seinen Fittichen und weiß, was er kann. Außerdem – und das ist in Bezug auf die inklusive Gruppe der Special Unified Lions besonders wichtig – sei Dangl gut zu betreuen. Eine Eigenschaft, die gerade bei geistig behinderten Sportlern nicht immer vorhanden ist. „Matthias hat schon im letzten Jahr bewiesen, dass er ohne Eltern, mit fremden Trainern in einem fremden Land klarkommen kann“, sagt Hämmerle.

Selbst die unterschiedlichen Wetterverhältnisse machen ihm keine Angst. „Wenn es mal regnet, dann muss man da eben durch“, sagt er. „Nur wenn ein Tornado kommt, dann wird es schwierig. Aber das hoffen wir mal nicht“, sagt Dangl. Er freut sich bei seinem zweiten Amerika-Abenteuer nun darauf, etwas vom Land zu sehen. „Ich bin gespannt auf die Landschaft“, sagt er. Davon wird er in den kommenden zweieinhalb Wochen ja auch die unterschiedlichsten Regionen kennenlernen: Von der Pazifikküste, vorbei an der Route 66 und am Grand Canyon, über drei 3000-Meter-Pässe der Rocky Mountains, durch die Prärie und über den Mississippi bis hin zur Atlantikküste – eine sportliche Sightseeingtour. Die halt „ein bissl anstrengend“ ist.

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Axel Schmidt

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