Mittwoch, 23. August 2017

11. August 2017 17:44 Uhr

Ulm

Hat ein Raubtier das Reh im Maienwald getötet?

Im Maienwald im Ulmer Stadtteil Söflingen wurde ein junges Reh ohne Kopf gefunden. War der Täter ein Wilderer oder hat ein Raubtier zugeschlagen? Von Michael Ruddigkeit und Stephanie Sartor

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Nachdem im Maienwald bei Söflingen ein totes Reh ohne Kopf gefunden wurde, rätseln die Experten: War der Täter ein Mensch oder ein Raubtier?
Foto: Jorge Sanz, dpa (Symbolfoto)

Der Fall eines geköpften Rehs im Maienwald in Söflingen hat große Wellen geschlagen. Viele Bürger sind empört über die grausame Tat, dessen Motiv völlig unklar ist. War es ein Wilderer oder ein sadistischer Tierquäler? Bei der Ulmer Polizei sind einige Hinweise eingegangen, nachdem sie über den Fall berichtet hatte. Die Jäger, die sich im Präsidium gemeldet haben, vermuten, dass es sich bei dem Täter gar nicht um einen Menschen handelt – sondern um ein Raubtier.

Haben Luchse den Kopf abgetrennt?

Die Jagdpächter berichteten der Polizei, dass sich in ihren Revieren ähnliche Fälle ereignet hätten. Ein Jäger aus dem Alb-Donau-Kreis ist der festen Überzeugung, dass der Kopf von einem Luchs abgetrennt wurde. Er selbst habe vor etwa fünf Monaten nach einem gemeldeten Wildunfall kurze Zeit später das Tier zehn Meter neben der Straße mit "fein säuberlich abgetrenntem" Kopf gefunden, was er eindeutig auf ein Raubtier zurückführte, das dazu in der Lage sei.

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Die Polizeibeamten haben mit den zuständigen Stellen im Land Kontakt aufgenommen und prüfen, ob dies zutreffen könnte. Ein weiterer Hinweisgeber erklärte, dass Luchse wie auch Füchse Köpfe von erbeutetem Wild messerscharf abtrennen können. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg vermutet, dass es sich wahrscheinlich um Fuchsrisse handelt.

Der Leiter des Forstamts glaubt nicht an einen Raubtierangriff

Max Wittlinger, der Leiter des Ulmer Forstamts, hat Zweifel an der Tier-Hypothese. Denn es habe keine Biss- oder Kampfspuren gegeben. Außerdem habe ihm der Pächter gesagt, dass der Körper des Tieres bis auf den fehlenden Kopf unbeschadet gewesen sei.

Sollte es sich bei dem Übeltäter doch um einen Luchs handeln, wäre das eine große Überraschung. Denn in Deutschland leben nur ein paar Dutzend der Raubkatzen, die vor 150 Jahren ausgerottet und seit den 80er Jahren wieder angesiedelt wurden. Die Einzelgänger beanspruchen riesige Reviere von 200 bis 400 Quadratkilometern für sich. Der Region nahe gekommen sind einzelne Tiere bereits. Vor zehn Jahren wurde ein Exemplar auf der A8 bei Laichingen (Alb-Donau-Kreis) überfahren. Vor zwei Jahren näherte sich Luchs "Friedl" auf seiner Wanderschaft vom Schwarzwald aus Ulm. Kurz vorher machte das mit einem Peilsender ausgestattete Tier aber kehrt und zog weiter Richtung Nordwesten. Anfang des Jahres riss "Friedl" bei Sigmaringen drei Schafe und zwei Ziegen, wie Gentests belegten. Die eigentliche Leibspeise von Luchsen sind allerdings Rehe.

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